Erweiterte Funktionen


Ukraine-Krise eskaliert




24.02.22 15:08
Euroswitch

Frankfurt am Main (www.aktiencheck.de) - Letzte Nacht ist also doch passiert, was amerikanische Geheimdienste befürchtet hatten - eine russische Invasion der Ukraine scheint endgültig befohlen, so Thomas Böckelmann, leitender Portfoliomanager der Vermögensmanagement Euroswitch.

Damit gehe Putin über das erwartete, ursprünglich auf die Ost-Ukraine begrenzte Gebiet hinaus. So unberechenbar die politische Eskalation und Lage sei, so greifbar seien jetzt doch die denkbaren weltwirtschaftlichen Auswirkungen.

Russland und Ukraine seien für die allgemeine Entwicklung der Weltwirtschaft eher unbedeutend. Sie würden jedoch eine große Rolle als Energie- und Getreidelieferant spielen. Es sei davon auszugehen, dass entweder durch politischen Willen Russlands (Erpressung), durch regionale Zerstörung oder auch schlichtweg durch Sanktionen des Westens diese Lieferungen dramatisch zurückgehen würden und damit die entsprechenden Marktpreise steigen würden.

In einem ohnehin inflationären Umfeld kämen weitere Preisanstiege zur Unzeit. Insbesondere steigende Energie- und Getreidepreise seien emotional und würden sozialen und damit politischen Sprengstoff bergen. Bereits jüngste Anstiege infolge pandemiebedingter Lieferkettenstörungen und der Klimapolitik hätten teilweise ihren Weg an geschockte Endverbraucher gefunden, andere würden noch durch die Unternehmen abgefedert.

In jedem Fall seien Konsum- und Gewinnrückgänge die weitere Folge mit entsprechenden negativen Wirkungen auf das Wirtschaftswachstum. Zurecht dürfe man daher die jüngsten Ereignisse in ihren Auswirkungen als "stagflationär" bezeichnen - steigende Preise bei sinkender wirtschaftlicher Aktivität. Die 70er Jahre seien ein Beispiel, in denen Aktienmärkte über Jahre wie ein Flummi hin- und hergesprungen seien - aber kein zwingendes Szenario.

Jenseits der militärischen Eskalation würden die wirtschaftlichen Auswirkungen in Ausmaß und Dauer jetzt vor allem vom Willen und der Geschlossenheit des Westens und natürlich auch von der chinesischen Reaktion abhängen. Gehe China auch den irrationalen russischen Weg und stelle sich an Putins Seite? Oder bleibe der nach Wirtschaftsleistung gemessen zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt ein tragbares Verhältnis zum Westen mit seinen vielen zahlungskräftigen Konsumenten und High-Tech-Unternehmen wichtiger? Die Experten würden letzteres hoffen…

Eine echte Geschlossenheit des Westens hingegen würde sogar neue Zukunftsperspektiven eröffnen, zumal Putin damit nicht zu rechnen scheine. Russland drohe dank der Monostruktur seiner Wirtschaft der ökonomische Selbstmord, wenn niemand sein Öl und Gas kaufe. Ein völliger Importverzicht russischen Öls und Gas würde natürlich Deutschland dank seiner verfehlten Energiepolitik besonders hart treffen. Aber selbst eine Verdoppelung der Marktpreise könnte leicht abzufedern sein, wenn die Politik endlich ihre Eingriffe in die Märkte reduziere.

So würden die staatlichen Anteile für Steuern, CO2 und sonstige Abgaben in Deutschland jeweils etwa 50% der Gas-, Strom- und Benzinpreise betragen. Ein Verzicht auf diese staatlichen Anteile wäre mal ein positives Signal. Natürlich würden dann dem Staat Einnahmen fehlen, der über Schulden zu finanzieren wäre. Aber analog jüngster Krisen wie 2008/2009, der Eurokrise oder der Pandemie nur eine weitere, um auch gesellschaftlich steigende Schulden rechtfertigen zu können.

Bleibe also die Zinsfrage - eigentlich müssten diese angesichts der Inflation weiter steigen - der erneute Krisenmodus könnte aber dazu führen, dass die befürchteten Anstiege im Ausmaß schwächer ausfallen. Ein Szenario, das die internationalen Anleihemärkte schon länger einpreisen würden. Die aktuell gemessenen hohen Inflationsraten könnten durchaus noch weiter anziehen, bevor Basiseffekte und auch eine wirtschaftliche Abschwächung zu einer Gegenbewegung führen - dennoch erscheinen niedrige Inflationsraten kleiner als 2% mittelfristig eher unwahrscheinlich, sodass Zinsengagements nach Abzug der Inflation weiterhin vermögensvernichtend bleiben, so die Experten von Euroswitch. Realwerte wie Aktien, Immobilien, Infrastruktur aber auch Rohstoffe würden auch in der stagflationären Umwelt im Fokus bleiben.

Die Portfolien der Experten würden keinen direkten Bezug zu Russland oder der Ukraine aufweisen. Auch der Bezug unserer investierten Unternehmen ist überschaubar, von Energie und Getreide abgesehen, so die Experten von Euroswitch. Insofern erscheine es den Experten falsch, in dieser aktuellen Krise ihre Aktienpositionen zu reduzieren, da diese unverändert vom Weltwirtschaftswachstum überproportional profitieren sollten und auch im Rezessionsfalle über defensive Qualitäten verfügen würden.

Jenseits der Aktien hätten sich die Szenarien nicht verändert und Gold könne mal wieder sein Potenzial als Krisenversicherung ausspielen.

Es sei aber zu erwarten, dass die täglichen Wertschwankungen weiter überdurchschnittlich hoch bleiben würden. (24.02.2022/ac/a/m)






 
 
Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.



Werte im Artikel
0,11 plus
+19,24%
-    plus
0,00%
7,50 minus
-1,32%
Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.

RSS Feeds




Bitte warten...