Aktien des Tages

Siemens Aktie: Solide Ergebnisse, aber hohe Bewertungsprämie

Wien (www.aktiencheck.de) - Siemens-Aktienanalyse der Raiffeisen Bank International AG (RBI):

Andreas Schiller, Analyst der Raiffeisen Bank International AG (RBI), nimmt in einer aktuellen Aktienanalyse die Aktie der Siemens AG (ISIN: DE0007236101, WKN: 723610, Ticker-Symbol: SIE, NASDAQ OTC-Symbol: SMAWF) unter die Lupe.

Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025 habe Siemens ein Umsatzwachstum von 5% auf vergleichbarer Basis erzielt und damit EUR 19,38 Mrd. erreicht, was leicht über den Erwartungen in Höhe von EUR 19,32 Mrd. gelegen habe. Der Gewinn nach Steuern sei um 5% auf EUR 2,24 Mrd. gestiegen, was einem unverwässerten Ergebnis je Aktie von EUR 2,61 entspreche. Bereinigt um Effekte aus der Kaufpreisallokation habe das EPS pre PPA bei EUR 2,78 gelegen. Die Erwartungen hätten beim bereinigten Gewinn je Aktie bei rund EUR 2,26 gelegen. Die positive Entwicklung sei unter anderem durch den Verkauf eines Teils des Flughafenlogistikgeschäfts begünstigt worden, der einen Gewinn von EUR 0,2 Mrd. eingebracht habe.

Der Auftragseingang habe sich auf vergleichbarer Basis um 28% auf ein Volumen von EUR 24,72 Mrd. erhöht. Das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatzerlösen (Book-to-Bill-Verhältnis) habe mit 1,28 einen hervorragenden Wert erreicht und liege somit komfortabel über dem Zielwert von 1.

Siemens Energy habe im Juni 2025 die staatliche Rückgarantie in Höhe von EUR 11 Mrd. vollständig abgelöst. Stattdessen sei eine neue Garantievereinbarung über EUR 9 Mrd. mit einem Konsortium aus 23 Banken – vollständig ohne staatliche Unterstützung – abgeschlossen worden. Die frühere Bundesgarantie sei mit einem Dividendenverbot verbunden gewesen, das ursprünglich bis einschließlich Geschäftsjahr 2025/26 gelten sollte. Der Haushaltsausschuss des Bundestages habe dieses Verbot jedoch bereits für das laufende Geschäftsjahr 2025 aufgehoben – ein Jahr früher als geplant. Damit sei Siemens Energy ab sofort wieder berechtigt, Dividenden auszuschütten. Die Entscheidung über eine konkrete Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2025 (endet am 30. September 2025) solle im November getroffen werden. Eine tatsächliche Auszahlung wäre somit bereits im Jahr 2026 möglich – nicht erst ab 2027, wie zuvor angenommen worden sei.

Digital Industries (DI) bleibe im Fokus: Im Q3 2025 habe das Segment Digital Industries einen deutlichen Rückgang bei Umsatz und Ergebnis verzeichnet. Die Umsatzerlöse seien auf EUR 4,42 Mrd. gesunken, was einem Minus von 10% gegenüber dem Vorjahr entspreche. Besonders stark betroffen sei das Softwaregeschäft gewesen, dessen Umsatz um 30% auf EUR 1,54 Mrd. zurückgegangen sei. Dieser Rückgang sei vor allem auf eine außergewöhnlich hohe Vergleichsbasis im Vorjahresquartal zurückzuführen gewesen, das durch mehrere Großaufträge für lizenzierte Software geprägt gewesen sei. Auch der Auftragseingang habe sich rückläufig entwickelt und habe mit EUR 4,38 Mrd. um 4% unter dem Vorjahreswert gelegen. Während das Automatisierungsgeschäft in allen Regionen – insbesondere in China und den USA – eine höhere Nachfrage verzeichnet habe, habe dies den Rückgang im Softwarebereich nicht kompensieren können. Das Ergebnis des Segments sei um 43% auf EUR 642 Mio. gefallen, was sich auch in der Ergebnismarge niedergeschlagen habe: Diese sei von 22,9% im Vorjahr auf 14,5% gesunken.

Gute Performance der anderen Segmente: Mit der anhaltenden Schwäche von Digital Industries gewönnen die anderen Segmente intern an Bedeutung: Besonders Smart Infrastructure habe mit einem Umsatzanstieg von 9% auf EUR 5,71 Mrd. und einem Ergebnisplus von 16% auf EUR 1,07 Mrd. überzeugt. Die Ergebnismarge habe sich auf 18,8% verbessert. Das Wachstum sei vor allem durch das Geschäftsfeld Electrification getragen worden, das weiterhin große Aufträge aus dem Rechenzentrums- und Energiesektor abarbeite. Mobility habe ein außergewöhnlich starkes Quartal verzeichnet, mit einem Auftragseingang von EUR 7,94 Mrd., was mehr als einer Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr entspreche. Großprojekte in Ägypten und den USA hätten für diesen Sprung gesorgt. Die Umsatzerlöse seien um 19% auf EUR 3,07 Mrd. gestiegen, das Ergebnis habe um 26% auf EUR 286 Mio. zugelegt. Die Ergebnismarge habe sich auf 9,3% verbessert. Auch Siemens Healthineers habe eine solide Entwicklung gezeigt: Die Umsatzerlöse seien um 8% auf EUR 5,66 Mrd. gestiegen, das Ergebnis habe sich um 8% auf EUR 821 Mio. verbessert. Die Ergebnismarge habe bei 14,5% gelegen. Das Wachstum sei vor allem vom Imaging-Geschäft getragen worden, während das Diagnostics-Geschäft durch Belastungen aus dem laufenden Transformationsprogramm unter Druck gestanden habe.

Ein Blick in die eigene 5-Jahres-Historie zeige auf Basis ausgewählter zukunftsorientierter Kennzahlen (KGV, EV/EBIT, EV/EBITDA etc.) den mittlerweile manifestierten Bewertungsaufschlag, der sich seit der letzten Veröffentlichung der RBI weiter verfestigt habe. Allerdings sei die eigene Historie nur bedingt aussagekräftig, da sich Siemens in den letzten Jahren immer mehr zu einem Technologiekonzern gewandelt habe. Einschränkend müsse jedoch angemerkt werden, dass die PEG-Ratio (KGV im Verhältnis zur Wachstumsrate) bezogen auf die kommenden 12 Monate bei rund 2,67 liege, was auf eine ambitioniertere Bewertung hindeute.

Ausblick: Siemens bestätige den Ausblick für das Geschäftsjahr 2025. Auf Konzernebene rechne das Unternehmen weiterhin mit einem Umsatzwachstum von 3% bis 7% und einem unverwässerten Ergebnis je Aktie vor Effekten aus der Kaufpreisallokation (EPS pre PPA) in einer Bandbreite von EUR 10,40 bis EUR 11,00.

Siemens habe im dritten Quartal 2025 erneut solide Ergebnisse abgeliefert. Die Segmente Smart Infrastructure, Mobility und Healthineers hätten mit Wachstum und Margenstärke überzeugt, während bei Digital Industries die temporäre Schwäche im Softwaregeschäft prolongiert worden sei. Der Auftragseingang sei hoch geblieben und die strategische Ausrichtung auf Digitalisierung, Automatisierung und Elektrifizierung sei intakt. Allerdings sei ein Großteil dieser positiven Faktoren bereits im Aktienkurs eingepreist. Die Bewertung erscheine Schiller ambitioniert, insbesondere im Vergleich zu historischen Multiples und angesichts der anhaltenden Unsicherheiten im globalen Handelsumfeld. Zudem bleibe die Dynamik im Softwarebereich volatil, und geopolitische Risiken – etwa im Zusammenhang mit Zöllen und Exportrestriktionen – würden die Visibilität in wichtigen Endmärkten belasten.

Andreas Schiller, Analyst der Raiffeisen Bank International AG (RBI), bestätigt daher seine "Halten"-Empfehlung und passt sein Kursziel von EUR 225 auf EUR 235 leicht nach oben an. Das Kursziel basiere auf einem Multiple-Ansatz, die Zahlen auf Konsens- und eigenen Schätzungen. Der relative Bewertungsansatz berücksichtige eine historisch faire Bewertung inklusive Prämie im Vergleich zur eigenen 2-Jahres-Historie sowie zum Gesamtmarkt und Sektor. (Analyse vom 29.09.2025)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU für das genannte Analysten-Haus:

Offenlegungen

7. Der zuständige Analyst oder eine sonstige an der Erstellung der Finanzanalyse mitwirkende natürliche Person oder eine sonstige natürliche Person von Raiffeisen Research besitzt Finanzinstrumente des von ihm analysierten Emittenten.

Offenlegung von Umständen und Interessen, die die Objektivität der RBI gefährden könnten: www.raiffeisenresearch.com/disclosuresobjectivity (29.09.2025/ac/a/d)

Archivbeitrag vom 29.09.2025. Angaben und Einschätzungen beziehen sich auf den damaligen Stand.

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