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Siemens Aktie: Geopolitik trifft Industrie - Die Münchner reagieren mit globaler Diversifikation

Siemens Aktiengesellschaft

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Wien (www.aktiencheck.de) - Siemens-Aktienanalyse von der Raiffeisen Bank International AG:

Andreas Schiller, Analyst der Raiffeisen Bank International AG (RBI), nimmt die Aktie der Siemens AG (ISIN: DE0007236101, WKN: 723610, Ticker-Symbol: SIE, NASDAQ OTC-Symbol: SMAWF) in einer aktuellen Aktienanalyse unter die Lupe.

Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2024/25 sei der Umsatz auf vergleichbarer Basis um 6% auf EUR 19,76 Mrd. gestiegen und habe dabei die Erwartungen von im Schnitt EUR 19,33 Mrd. leicht übertroffen. Zum Wachstum hätten vor allem die Sparten Smart Infrastructure und Siemens Healthineers beigetragen, die um 10% bzw. 7% gewachsen seien. Unter dem Strich habe sich der Gewinn nach Steuern um 11% auf EUR 2,44 Mrd. verbessert. Das unverwässerte Ergebnis je Aktie habe dementsprechend bei EUR 2,86 gelegen und damit über den Analystenschätzungen von EUR 2,35 je Aktie.

Der Auftragseingang habe sich um 9% auf ein Volumen von EUR 21,64 Mrd. erhöht. Das Book-to-Bill-Verhältnis habe mit 1,10 (Q2 24: 1,07) weiterhin über dem Zielwert von 1 gelegen. Siemens Energy gebe staatliche Garantien zurück. Das Unternehmen habe eine frühere Garantievereinbarung über EUR 11 Mrd. mit Rückgarantien des Bundes abgelöst. Stattdessen sei eine neue Garantie über EUR 9 Mrd. mit 23 Banken abgeschlossen worden - ohne staatliche Unterstützung. Mit dem Wegfall der Bundesgarantie ende auch das Dividendenverbot - ab dem Geschäftsjahr 2025/26 (beginnend am 1. Oktober 2025). Eine Dividendenzahlung wäre somit erst ab 2027 möglich.

Die Zölle der Trump-Administration würden sich zwar nur in begrenztem Maße auf Siemens auswirken, dennoch dürften sich die Kosten im aktuellen Geschäftsjahr auf einen hohen zweistelligen bis niedrig dreistelligen Millionenbetrag belaufen. Zudem warne das Unternehmen vor den Folgen zunehmender handelspolitischer Spannungen, die das Investitionsklima und die Erholung wichtiger Industriezweige wie der Automobil- und Maschinenbaubranche gefährden könnten. Siemens reagiere mit Maßnahmen wie Preisanpassungen, optimierter Beschaffung und einer Diversifizierung der Produktionsstandorte.

Das Automatisierungsgeschäft - der Kern von DI - bleibe herausfordernd. Während der Auftragseingang im Q2 stabil geblieben sei, seien die Umsatzerlöse um 5 % zurückgegangen, insbesondere aufgrund eines schwächeren EDA-Softwaregeschäfts. Positiv wirke sich jedoch die steigende Nachfrage im Automatisierungsbereich in China aus, wo sich Lagerbestände bei Kunden abgebaut hätten. In Deutschland hingegen sei ein deutlicher Rückgang bei Automatisierungsaufträgen zu verzeichnen gewesen. Strategisch setze Digital Industries auf die Integration neuer Technologien, wie durch die Übernahme von Altair (Ende März 2025) sowie die geplante Akquisition von Dotmatics sichtbar werde. Beide Zukäufe würden das Portfolio in den Bereichen industrielle Simulation und Life Sciences stärken.

Mit der anhaltenden Schwäche von Digital Industries im abgelaufenen Quartal würden die anderen Segmente intern an Bedeutung gewinnen: Smart Infrastructure habe mit einem Umsatzwachstum von 12% und einem Ergebnisplus von 61% überzeugt, getragen durch starke Nachfrage im Energiebereich und bei Rechenzentren. Mobility profitiere von Großaufträgen in Europa und den USA, was zu einem Umsatzanstieg von 13% und einem Ergebniswachstum von 23% geführt habe. Siemens Healthineers verzeichne ein breites Wachstum, insbesondere im Imaging- und Diagnostics-Geschäft, und habe das Ergebnis um 38% gesteigert. Diese Sparten hätten maßgeblich zur positiven Gesamtentwicklung des Konzerns beigetragen.

Ein Blick in die eigene 5-Jahres-Historie zeige auf Basis ausgewählter zukunftsorientierter Kennzahlen (KGV, EV/EBIT, EV/EBITDA etc.) den mittlerweile manifestierten Bewertungsaufschlag, der sich seit der letzten Veröffentlichung weiter verfestigt habe. Allerdings sei die eigene Historie nur bedingt aussagekräftig, da sich Siemens in den letzten Jahren immer mehr zu einem Technologiekonzern gewandelt habe. Einschränkend müsse jedoch angemerkt werden, dass die PEG-Ratio (KGV im Verhältnis zur Wachstumsrate) bezogen auf die kommenden 12 Monate bei rund 2,24 liege, was auf eine ambitionierte Bewertung hindeute.

Siemens bestätige den Ausblick für das Geschäftsjahr 2025. Auf Konzernebene rechne das Unternehmen weiterhin mit einem Umsatzwachstum von 3% bis 7% und einem Book-to-Bill-Verhältnis von über 1. Das unverwässerte Ergebnis je Aktie vor Effekten aus der Kaufpreisallokation (EPS pre PPA) werde, ohne Berücksichtigung des Gewinns aus dem Verkauf von Innomotics, in einer Bandbreite von EUR 10,40 bis EUR 11,00 erwartet.

Fazit: Siemens habe im zweiten Quartal 2025 erneut seine Stärke unter Beweis gestellt: Trotz eines herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds habe der Konzern Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert und wichtige strategische Schritte umgesetzt. Besonders die starke Performance von Smart Infrastructure, Mobility und Siemens Healthineers hätten maßgeblich zum Gesamterfolg beigetragen. Digital Industries stehe vor Herausforderungen, verfolge aber mit gezielten Investitionen in Zukunftstechnologien eine klare strategische Ausrichtung. Zudem erscheine die strategische Ausrichtung auf industrielle KI und digitale Transformation vielversprechend, wobei der Umbau zum Technologiekonzern auch durch die erfolgte Übernahme des Simulationssoftware-Unternehmens Altair weiter voranschreite.

Insgesamt bestätige Siemens mit diesen Ergebnissen seine Wettbewerbsfähigkeit und seinen Fokus auf nachhaltiges, technologiegetriebenes Wachstum. Allerdings erscheine der Bewertungsaufschlag sowohl gegenüber der eigenen Historie als auch gegenüber dem Markt/Sektor weiter erhöht, was das Potenzial für weitere Kursgewinne begrenzen dürfte.

Andreas Schiller, Analyst der RBI, bestätigt sein Kursziel für Siemens in Höhe von EUR 225,00 bei ebenso unveränderter "halten"-Empfehlung. Das Kursziel basiere auf einem Multiple-Ansatz, die Zahlen auf Konsens- und eigenen Schätzungen. Der relative Bewertungsansatz berücksichtige eine historisch faire Bewertung inklusive Prämie im Vergleich zur eigenen 5-Jahres-Historie sowie zum Gesamtmarkt und Sektor. (Analyse vom 12.06.2025)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU für das genannte Analysten-Haus:

Offenlegungen

7. Der zuständige Analyst oder eine sonstige an der Erstellung der Finanzanalyse mitwirkende natürliche Person oder eine sonstige natürliche Person von Raiffeisen Research besitzt Finanzinstrumente des von ihm analysierten Emittenten.

Offenlegung von Umständen und Interessen, die die Objektivität der RBI gefährden könnten: www.raiffeisenresearch.com/disclosuresobjectivity (12.06.2025/ac/a/d)

Archivbeitrag vom 12.06.2025. Angaben und Einschätzungen beziehen sich auf den damaligen Stand.

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