Aktien des Tages

Roche Aktie: Starke Pipeline, begrenztes Kurspotenzial

Wien (www.aktiencheck.de) - Roche-Aktienanalyse von der Raiffeisen Bank International AG:

Julian Lindinger, Analyst der Raiffeisen Bank International AG (RBI), stuft die Aktie der Roche Holding AG (ISIN: CH0012032113, WKN: 851311, Ticker-Symbol: RHO, SIX Swiss Exchange-Symbol: RO, NASDAQ OTC-Symbol: RHHBF) von KAUF auf HALTEN herunter.

H1: Der Umsatz der Gruppe sei im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr währungsbereinigt um 6% gewachsen. Der starke Schweizer Franken habe sich bei Roche allerdings bemerkbar gemacht, sodass der Umsatz in der Berichtswährung um 2% auf CHF 30,36 Mrd. zurückgegangen sei (Konsens: CHF 30,98 Mrd.). Das operative Ergebnis sei um 6% gefallen (währungsbereinigt +6%) auf CHF 9,67 Mrd. Der Gewinn je Aktie sei um 8% zurückgegangen (währungsbereinigt +5%) auf CHF 8,52 (Konsens: CHF 9,67). Die 5 umsatzstärksten Medikamente Ocrevus (+7%), Hemlibra (+11%), Vabysmo (+8%), Tecentriq (+6%) und Xolair (+27%) hätten im H1 eine gute Performance hinlegen können, was weiterhin auf stabile Basiswachstumsraten des Konzerns hindeute.

US-Zölle: Roche erziele etwa die Hälfte seiner Umsätze in den USA. Neben einer Vielzahl anderer großer Pharmaunternehmen habe auch Roche eine dreijährige Ausnahme von den 100%-Zöllen auf Markenpharmazeutika aushandeln können. Im Gegenzug habe das Unternehmen Investitionen in die USA im Wert von USD 50 Mrd. und Garantien für reduzierte Medikamentenpreise über die neue DTC-Plattform TrumpRx und Medicaid versprochen. Im Vergleich zu den gesamten Medikamentenausgaben der USA seien diese beiden Kanäle vergleichsweise klein, weshalb die Preissenkungen keine unmittelbare Margenbelastung für den Konzern darstellen sollten. Langfristig könnte es aber dennoch zu Herausforderungen kommen, denn der Deal sehe auch Preisreduktionen für alle künftig neu veröffentlichten Medikamente vor, auch über größere Kanäle wie z.B. Medicare. Hinsichtlich der MFN-Deals gebe es allerdings noch viele politische und rechtliche Unsicherheiten.

Pipeline: Die Pipeline von Roche bleibe vielversprechend. 14 neue Wirkstoffe und 21 zusätzliche Indikationserweiterungen würden sich aktuell in Entwicklungsphase III befinden. Der größte Hoffnungsträger bleibe Giredestrant, das in Zukunft voraussichtlich als Erstlinientherapie gegen Brustkrebs eingesetzt werde. Erste Indikationen würden sich bereits in der Zulassung befinden, weshalb Lindinger damit rechne, dass noch in diesem Jahr die ersten Umsätze damit generiert würden. Weitere Indikationen würden sich in späten Entwicklungsphasen befinden, Phase-III-Daten würden noch Ende 2026 erwartet. Bereits ab 2027 könnte der Patientenstamm daher wesentlich vergrößert werden und Blockbusterumsätze seien ab 2028 möglich. Auch der vielversprechende Alzheimer-Wirkstoff Trontinemab befinde sich mittlerweile in Phase III. Roche rechne mit einem Marktstart 2028 und die Konsensschätzungen würden dem Medikament starkes Wachstum und Blockbusterumsätze ab 2030 zutrauen. Für Fenebrutinib werde noch in diesem Jahr die Zulassung beantragt. Die Pille gegen Multiple Sklerose könnte sich ebenfalls zu einem wesentlichen Umsatzträger bei Roche entwickeln, mit potenziellen Blockbusterumsätzen ab 2030.

Metabolik: Roche habe sich mit den Übernahmen von Carmot Therapeutics und 89bio gezielt im Adipositasmarkt positioniert. Im Fokus stehe dabei nicht die höchste Wirksamkeit, sondern eine bessere Verträglichkeit der Therapien. Kern der Strategie sei das Amylin-Analogon Petrelintid, das in bisherigen Studien eine gute Verträglichkeit ohne Erbrechen oder therapiebedingte Abbrüche gezeigt habe. Da auch Wettbewerber ähnliche Wirkstoffe entwickeln würden, setze Roche zusätzlich auf ein breiteres Therapiekonzept mit Behandlungen gegen Folgeerkrankungen wie Fettleber, Bluthochdruck und Muskelabbau sowie auf orale Medikamente. Langfristig sehe das Unternehmen das größte Potenzial in Wirkstoffkombinationen. Zwar seien vor 2027 keine wesentlichen Umsatzbeiträge zu erwarten, Lindinger sehe Roche dennoch gut positioniert, um sich in dem stark wachsenden Markt einen Anteil zu sichern. 2026 würden noch Readouts für Phase-II-Studien zu Petrelintid, Enicepatid und die Abnehmpille CT-996 bevorstehen. Bei positiven Ergebnissen könnten Petrelintid und CT-996 bereits in Phase III übergehen. Enicepatid befinde sich für Adipositas bereits in Phase III und das Unternehmen traue dem Wirkstoff ein Best-in-Class-Profil zu. Den Marktstart prognostiziere Roche für 2028.

Bewertung: Seit Jahresbeginn habe die Aktie um rund 10% zulegen und die Bewertungslücke schließen können. Aktuell würden die Anteilsscheine von Roche mit einem vorausschauenden KGV von 17,5 über den 14,9 der Peergroup handeln. Beim Blick auf die eigene Historie sei die Aktie über diverse Multiples hinweg im Schnitt etwa 15% überbewertet, sodass Lindinger derzeit nur begrenztes Wachstumspotenzial sehe.

Der Schweizer Gesundheitskonzern überzeuge weiterhin mit einer starken Entwicklung seines Pharmageschäfts. Lediglich der starke Schweizer Franken wirke sich nach wie vor belastend auf die ausgewiesenen Ergebnisse aus. Die Produktpipeline sei jedoch gut gefüllt und spreche weiterhin für nachhaltiges Wachstum. Insbesondere Fenebrutinib und Giredestrant würden zu den wichtigsten Hoffnungsträgern zählen, doch auch darüber hinaus verfüge Roche über eine breit diversifizierte und vielversprechende Pipeline. Zusätzliche Wachstumsimpulse könnten aus den Ambitionen des Unternehmens im Adipositasmarkt resultieren. Zwar sei dieses Segment stark umkämpft und bis zu möglichen Zulassungen entsprechender Präparate dürfte noch einige Zeit vergehen, Roche habe sich jedoch bereits ein breit aufgestelltes Portfolio in diesem Bereich gesichert. Zudem würden die bislang veröffentlichten Studiendaten optimistisch stimmen. Die starke Pipeline sei jedoch weitgehend eingepreist. Auf Bewertungsbasis sehe Lindinger daher derzeit nur begrenztes Kurspotenzial.

Lindinger bleibe bei seinem Kursziel von CHF 370,00, stufe die Aktie von Roche jedoch von KAUF auf HALTEN herab, da ein Großteil des Kurspotenzials bereits realisiert worden sei. Das Kursziel basiere auf einem Multiples-Bewertungsmodell, das Roche auf Basis diverser Preis- sowie EV-Multiples mit der eigenen Historie und der Peergroup vergleiche. Die Zahlen würden auf Konsensschätzungen basieren. (Analyse vom 28.07.2026)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU für das genannte Analysten-Haus:

Offenlegung von Umständen und Interessen, die die Objektivität der RBI gefährden könnten: www.raiffeisenresearch.com/disclosuresobjectivity (28.07.2026/ac/a/a)

Archivbeitrag vom 28.07.2026. Angaben und Einschätzungen beziehen sich auf den damaligen Stand.

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