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Realität beeinflusst Kapitalmärkte




04.05.22 11:50
Euroswitch

Frankfurt am Main (www.aktiencheck.de) - "Wir bleiben bei unserer Strategie, konzentriert in hohe Qualität zu investieren - Wertschwankungen sind dabei im Rahmen der eigenen Risikotragfähigkeit auszuhalten", sage Thomas Böckelmann, leitender Portfoliomanager der Vermögensmanagement Euroswitch, mit Blick auf die Kapitalmärkte.

Der Experte sei überzeugt, dass es neben US-Dollar, US-Staatsanleihen und Gold als sichere Häfen für einen gewissen Prozentanteil des liquiden Vermögens kaum Alternativen zu Aktien gebe. Der Monat April sei für konservative Anleiheinvestoren einer der schlimmsten der Börsengeschichte gewesen - langlaufende Europäische Staatsanleihen hätten seit Jahresbeginn mittlerweile mehr als 15% an Wert verloren und an der Barliquidität nage die Inflation.

Generell sei der April für Kapitalmarktteilnehmer in vielerlei Hinsicht ein schwarzer Monat gewesen. Böckelmann gebe jedoch zu bedenken: "Der starke Kursanstieg der Krisenwährung US-Dollar gegenüber dem Euro von satten 5% führt zu einer Verzerrung der Wahrnehmung. So verlor der Weltaktienmarkt MSCI Welt in seiner Währung USD heftige -8,31%, in EUR jedoch "nur" -3,29%. Wie schlimm der Monat war, hängt also vor allem davon ab, durch welche Währungsbrille man die Börsenwelt betrachtet." Während US-Investoren einen der schwersten Einbrüche bei Aktien seit der globalen Finanzkrise 2008 erlebt hätten, habe der Monat für europäische Investoren nur eine Fortführung des seit Jahresbeginn vorherrschenden Abwärtstrends gezeichnet.

Für den Aktienanleger sei entscheidend, nicht zu stark in den großen Indexwerten investiert zu sein, die durch einen potenziellen Abverkauf oft pro-zyklisch agierender ETF-Anleger weiter unter Druck kommen könnten. "Für die Anleger ist es wichtiger denn je Ruhe zu bewahren. Auch wenn jetzt scheinbar die großen Aktienindizes abrutschen, gibt es immer noch genügend Opportunitäten jenseits dieser Indizes", so Böckelmann. In vielen Sektoren habe die Kurskorrektur bereits im Sommer letzten Jahres eingesetzt. Viele bekannte Unternehmen hätten teilweise 75 bis 85% von ihren Höchstständen verloren, was die ursprünglich hohe Bewertung extrem korrigiert habe.

Die Ausgangslage für die Kapitalmärkte sei angesichts der Themen Inflation, Zinsanstiege, Lieferkettenengpässe, Chinas Null-Covid Strategie und der russischen Invasion mit allen ökonomischen Wechselwirkungen nicht erst seit kurzem herausfordernd. "Dennoch scheint sich erst jetzt das Wissen um die negativen Szenarien in den Kursentwicklungen auf aggregierter Indexebene heftig niederzuschlagen. Der zunächst die Szenarien begleitende Optimismus hat sich offenbar verflüchtigt", beobachte der Experte.

Über die Auslöser könne diskutiert werden. Böckelmann mache vor allem zwei Faktoren dafür verantwortlich: "Zum einen wird immer mehr Anlegern bewusst, dass Russland und die Ukraine trotz nur 2%-Anteil an der Weltwirtschaftsleistung in vielen Vorprodukten wie Öl, Gas oder Getreide 10% der Grundversorgung der Welt stellen und damit eine Abschwächung der Versorgung wie ein Multiplikator wirkt. Dies zu einer Zeit, in der Chinas Null-Covid Politik ohnehin die Lieferketten maximal stört und für Verzögerungen und Ausfälle sorgt. Gleichzeitig beginnen die international bedeutenden Notenbanken wie die amerikanische FED und die europäische EZB tatsächlich damit, die seit Jahrzehnten zur Problembekämpfung bestehende Geldflutung angesichts des hartnäckigen Inflationsdrucks umzukehren und damit für weitere Belastungen zu sorgen."

Auch die Unternehmen hätten Sorgen, wie die im April gestartete Berichtssaison offenbare. Neben dem bekannten Problem der Zulieferung bei gleichzeitig steigenden Preisen deute sich in ersten Bereichen bereits eine Schwächung der Kundennachfrage an. "Falls sich dies bewahrheitet, ist endgültig der Pfad Richtung Stagflation betreten", glaube der Fondsmanager. Die jüngst veröffentlichte Zahl zum Bruttoinlandsprodukt der USA im 1. Quartal 2022 sei bereits überraschend negativ gewesen - d. h. die USA befänden sich schon in einer schrumpfenden Wirtschaft. Und weiter: "Die über das Wochenende publizierten Zahlen aus China deuten ebenfalls auf ein Rezessionsrisiko in der nach Kaufkraft größten Volkswirtschaft der Welt. Die Null-Covid-Strategie fordert ihren Tribut."

Böckelmann optimistisch: "Da ist zum einen die Chance, dass sich China den westlichen Impfstoffen öffnet, die Covid-Strategie lockert und sich damit der Lieferkettenstau in 1-3 Monaten auflösen könnte. Gleichzeitig besteht die Chance, dass die Wirtschaftsabschwächung dazu führt, dass sich der Inflationsdruck schnell mindert, sich gleichzeitig die Zinserhöhungsszenarien etwas abschwächen." Ferner seien die von den Regierungen eingeleiteten Fiskalpakete nicht zu unterschätzen - diese dürften über Jahre bis Jahrzehnte hinweg positive Effekte auf ausgewählte Branchen freisetzen.

Dennoch bleibe laut Böckelmann kurzfristig der Blick Richtung Russland entscheidend: "Hier scheinen aktuell die Wahrscheinlichkeiten zwischen weiterer Eskalation und De-Eskalation ausgeglichen - positive Impulse dürften aber schnell nicht zu erwarten sein." Vielleicht bringe der 9. Mai, Russlands gesetzlicher Feiertag "Tag des Sieges", mit all seinen politischen Äußerungen neue Erkenntnisse. (04.05.2022/ac/a/m)






 
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