Aktien des Tages

Nestlé Aktie: Das Wasser bis zum Hals

Wien (www.aktiencheck.de) - Nestlé-Aktienanalyse der Raiffeisen Bank International AG:

Manuel Schleifer, Analyst der Raiffeisen Bank International AG (RBI), rät in einer aktuellen Aktienanalyse die Aktie von Nestlé S.A. (ISIN: CH0038863350, WKN: A0Q4DC, Ticker-Symbol: NESR, SIX Swiss Exchange-Symbol: NESN, NASDAQ OTC-Symbol: NSRGF) weiterhin zu kaufen.

Im jüngsten Zahlenwerk habe Nestlé das vierte Quartal in Folge mit steigenden Volumina (+1,8%) verzeichnet. Die Preiserhöhungen seien abermals rückläufig gewesen und seien mit +1,9% so niedrig ausgefallen wie zuletzt im Jahr 2021. Damit bestätige sich, was die Historie an früheren Zahlenwerken impliziert habe: Die Nachfrage nach Nestlés Produkten reagiere vergleichsweise sensibel auf Preisänderungen. Die Schweizer müssten ihre Preispolitik mit Bedacht wählen, da überzogene Preiserhöhungen ihrer Produkte die Kundschaft zur günstigeren Konkurrenz abwandern ließen. Die moderatere Preispolitik habe die Umsätze folglich organisch um 3,7% ansteigen lassen. Dass unterm Strich auf die gesamte erste Jahreshälfte dennoch ein deutlicher Gewinnrückgang von über 30% zu Buche stehe, habe neben negativen Währungseffekten vor allem an höheren Restrukturierungskosten gelegen.

Nestlé treibe die Anpassungen seines Portfolios voran. Mit einem geplanten 50:50-Joint-Venture namens Peranel für das Wassergeschäft gebe der Konzern die operative Alleinkontrolle seiner margenschwachen Sparte ab und teile eventuelle Risiken künftig mit dem Private-Equity-Unternehmen Platinum Equity.

Obwohl das Zahlenwerk durchaus als solide angesehen werden könne, habe die Aktie nach Veröffentlichung ebendieses stärkere Kursrückgänge verbuchen müssen. Die nachhaltige Rückkehr zum Volumenwachstum sei eben nur eine Seite der Medaille. Die andere betreffe die Profitabilität - und die sei weiterhin eine Baustelle. In früheren Hochphasen der Aktie habe die operative Marge über 17% gelegen. Im Kalenderjahr 2025 sei diese jedoch auf 15,6% gesunken und habe damit das niedrigste Niveau seit zehn Jahren markiert. Ein derartiger Rückgang möge auf den ersten Blick kaum relevant erscheinen, in der traditionell margenschwachen Nahrungsmittelindustrie sei jedoch jeder Basispunkt in der Gewinnspanne heiß umkämpft.

Eine Margenerholung alleine werde jedoch nicht ausreichend sein, um die Aktie wieder auf Kurs zu bringen. Eine höhere Profitabilität würde Nestlé zwar auf der Gewinnseite Rückenwind verleihen. Um die Aktie wieder gen Norden zu schicken, müsse auch die Bereitschaft zunehmen, mehr für den Gewinn pro Aktie zu bezahlen. Mit anderen Worten: Die Bewertungen müssten zunehmen. Dem stehe jedoch die hohe Verschuldung gegenüber. Der Einbruch der Aktie habe just zu dem Zeitpunkt begonnen, als die Verschuldung deutlich über das langfristige Niveau geklettert sei. Das Verhältnis Total Assets zu Total Equity liege mit rund 4 auf dem höchsten Stand seit 35 Jahren und übertreffe auch jene der Peergroup deutlich.

Es sei daher nachvollziehbar, dass Nestlé jegliche Bewertungsprämie der letzten zwei Jahrzehnte verspielt habe und zumindest auf dem Papier wieder verhältnismäßig attraktiv erscheine. Die Aktie sei demnach günstig zu haben - vor allem nach dem jüngsten Kursrutsch. Eine nachhaltige KGV-Ausweitung sei jedoch erst bei glaubhaften Anzeichen einer Schuldenreduktion zu erwarten.

Ein weiterer Faktor, der für die Aktie von Nestlé von Bedeutung sei, betreffe den Wechselkurs. Da Nestlé in Schweizer Franken berichte, habe die Stärke der Heimatwährung zuletzt immer wieder für Verwerfungen in den Zahlenwerken gesorgt. Aus Anlegersicht empfehle Schleifer jedoch, den Wechselkursbewegungen keine allzu große Beachtung zu schenken. Denn Währungsentwicklungen könnten stets von zwei Seiten betrachtet werden. Es stimme, dass der starke CHF belastend auf Nestlés Fundamentaldaten wirke und damit auch den Aktienkurs belaste. Auf der anderen Seite habe die Währungsentwicklung der Anlegerschaft im Euroraum geholfen. Während die Aktie in Schweizer Franken in den letzten fünf Jahren rund 30% an Wert verloren habe, hätten EUR-Anleger immerhin die Verluste auf "nur" 17% und damit fast auf die Hälfte begrenzen können.

Im Konzern sei man sich der Probleme Nestlés zumindest bewusst. Das Kostenthema solle über diverse Restrukturierungen und Einsparungen angegangen werden. Auch das Schuldenthema sei bekannt. Mit der teilweisen Trennung vom Wassergeschäft könnte Nestlé zudem seine Risiken weiter diversifizieren.

Derartige Reorganisationen würden in der Regel Zeit brauchen. Aktienmärkte würden diese meist jedoch nicht abwarten, sondern positive Entwicklungen früh vorwegnehmen. Langfristig orientierte und risikotolerante Investoren könnten das aktuelle Bewertungsniveau bereits für einen Einstieg nutzen. Das Kursziel von CHF 90,00 ergebe sich mittels eines relativen Bewertungsansatzes, welcher nicht nur die eigene Historie berücksichtige, sondern basierend auf KGV-Multiples für die Jahre 2026/27 eine historische Bewertungsprämie zum breiten Aktienmarkt und zum Sektor beinhalte. (Analyse vom 28.07.2026)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU für das genannte Analysten-Haus:

Offenlegungen

7. Der zuständige Analyst oder eine sonstige an der Erstellung der Finanzanalyse mitwirkende natürliche Person oder eine sonstige natürliche Person von Raiffeisen Research besitzt Finanzinstrumente des von ihm analysierten Emittenten.

Offenlegung von Umständen und Interessen, die die Objektivität der RBI gefährden könnten: www.raiffeisenresearch.com/disclosuresobjectivity (28.07.2026/ac/a/a)

Archivbeitrag vom 28.07.2026. Angaben und Einschätzungen beziehen sich auf den damaligen Stand.

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