Aktien des Tages

Nestlé Aktie: Anzeichen für Geschäftsbelebung - Kurserholung dürfte sich fortsetzen

Paris (www.aktiencheck.de) - Nestlé-Aktienanalyse der BNP Paribas.

Um fast 10 Prozent ist die Nestlé-Aktie. (ISIN: CH0038863350, WKN: A0Q4DC, Ticker-Symbol: NESR, SIX Swiss Exchange-Symbol: NESN, NASDAQ OTC-Symbol: NSRGF) nach der Vorlage der 9-Monats-Zahlen am 16. Oktober nach oben geschossen, so Egmond Haidt von der BNP Paribas.

Investoren würden honorieren, dass der neue Vorstandschef Philipp Navratil den Abbau von 16.000 Jobs angekündigt habe, das seien knapp 6 Prozent der weltweiten Belegschaft. Zudem würden die Zahlen für das dritte Quartal eine Geschäftsbelebung bei dem Hersteller von Nespresso-Kaffee und KitKat-Riegeln zeigen, was Investoren erfreut habe. Der langjährige Nestlé-Veteran Navratil, der zuvor den Bereich Nespresso geleitet habe, habe den Posten an der Unternehmensspitze im September übernommen, nachdem sein Vorgänger wegen einer Affäre mit einer Mitarbeiterin habe gehen müssen.

Im dritten Quartal sei zwar der Umsatz von Nestlé um 2,1 Prozent auf 21,64 Milliarden Schweizer Franken gesunken, der Rückgang habe allerdings ausschließlich an Währungseffekten gelegen. Indes sei der Erlös organisch um 4,3 Prozent gestiegen, das habe über den Schätzungen der Analysten von 3,7 Prozent gelegen und sei zudem der beste Wert seit dem vierten Quartal 2023 (5,7 Prozent) gewesen. Die größten Wachstumstreiber seien dabei das Kaffeegeschäft und jenes mit Konfekt, also Schokolade und Süßwaren, gewesen, wohingegen das Geschäft in China weiter geschwächelt habe. Dabei seien diesmal konzernweit 2,8 Prozentpunkte auf Preiserhöhungen entfallen, während das von Nestlé als internes Realwachstum (Real internal growth, kurz RIG) bezeichnete Absatzplus bei 1,5 Prozent gelegen habe. Letzteres habe deutlich über den Schätzungen der Analysten von 0,3 Prozent gelegen und daher für Zuversicht bei Investoren gesorgt, schließlich sei der Absatz im zweiten Quartal um 0,4 Prozent gesunken, nachdem für das erste ein kleines Plus von lediglich 0,7 Prozent zu Buche gestanden habe.

Einsparziel deutlich erhöht

"Das RIG-Wachstum anzutreiben ist unsere oberste Priorität", habe Navratil gesagt. Er wolle dabei verstärkt in die wachstums- und renditestärksten Produkte investieren, also in deren Weiterentwicklung und gerade auch in verstärkte Werbung, um den Absatz weiter anzukurbeln. Gleichzeitig wolle er bei Underperformern energisch durchgreifen, also sie auf Vordermann bringen, Partner dafür suchen oder die Aktivitäten verkaufen. Auf der Analystenkonferenz habe Navratil bestätigt, dass die strategische Überprüfung des Geschäfts mit Wasser und Premiumgetränken ebenso ganz oben auf der Agenda stehe wie jenes mit Vitaminen.

Zudem habe der Firmenlenker - wie oben geschrieben - den Abbau von 16.000 Jobs innerhalb von zwei Jahren angekündigt. Das solle bis Ende 2027 für Einsparungen von 3,0 Milliarden Franken sorgen, statt der zuvor geplanten 2,5 Milliarden Franken. Davon sollten rund 700 Millionen Franken im Jahr 2005 realisiert werden. Allerdings werde der Personalabbau Kosten von 2,0 Milliarden Franken verursachen, etwa für Abfindungen etc. Das eingesparte Geld wolle der Vorstandschef in weiteres Wachstum investieren, nach seiner Strategie "Fuel for Growth" (Treibstoff für Wachstum).

Zudem habe Navratil die Prognose für das Gesamtjahr bestätigt. Demnach solle sich das organische Wachstum 2025 gegenüber dem 2024er-Wert von lediglich 2,2 Prozent verbessern. In den ersten drei Quartalen hätten 3,3 Prozent zu Buche gestanden, womit das Unternehmen gut unterwegs sei in Richtung dieses Ziels. Zumal das eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahreszeitraums von 2,0 Prozent sei.

Außerdem solle die bereinigte operative Marge 2025 bei mindestens 16 Prozent liegen, obwohl der Konzern in das Wachstum investiere. Das sei allerdings ein Rückgang gegenüber dem Vorjahreswert von 17,2 Prozent. Mittelfristig strebe der Konzern weiterhin mehr als 17 Prozent an. Schlussendlich solle 2025 ein Free Cashflow von mehr als 8 Milliarden Franken erwirtschaftet werden, zudem solle er 2026 steigen. 2024 standen noch 10,7 Milliarden Franken zu Buche.

So würden die Schätzungen aussehen

Analysten würden für 2025 einen Umsatzrückgang um 2 Prozent auf 89,5 Milliarden Franken vorhersagen. Hingegen solle der Erlös 2026 um 1,8 Prozent auf 91,1 Milliarden Franken steigen. Dabei solle der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) 2025 um 8,6 Prozent auf 14,3 Prozent sinken. Für 2026 werde hingegen ein Plus von 4,4 Prozent auf 15,0 Milliarden Franken vorhergesagt. Damit würde die Marge zuerst deutlich nachgeben, von 17,2 auf 16,0 Prozent, um sich 2026 auf 16,4 Prozent zu erholen.

Wie gehe es weiter mit der Aktie?

Nachdem sich die Aktie im Zuge des Vorstandswechsels von den 9-Jahres-Tiefs allmählich erholt habe, sei sie - wie oben geschrieben - nach der Zahlenvorlage nach oben geschossen. Damit liege der Börsenwert bei 214,4 Milliarden Franken. Inklusive der Nettoschulden von 60,0 Milliarden Franken (per Ende Juni 2025) liege der Enterprise Value bei 274,4 Milliarden Franken. Das entspreche dem 18,3-Fachen des von Analysten für 2026 prognostizierten Ebit. Haidt finde, das sei eine ziemlich hohe Bewertung, allerdings würden Investoren darauf setzen, dass das Unternehmen innerhalb weniger Quartale beim Umsatz auf den Wachstumskurs zurückkehren könnte. Zudem könnte sich die ohnehin hohe Marge 2026 etwas verbessern. Das 2026er-KGV liege bei 18,2.

Nach Meinung von Haidt dürfte die Erholung der Nestlé-Aktie weitergehen, denn die Stimmung der Investoren habe sich nach der Zahlenvorlage deutlich verbessert. Daher dürften die Investoren erst einmal weiter darauf setzen, dass Navratils Maßnahmen in den nächsten Quartalen greifen würden und sich dadurch das Geschäft weiter belebe, während sich die Profitabilität allmählich verbessern könnte. Falls es kurzfristig zu weiteren Turbulenzen an den Aktienmärkten kommen sollte, dürfte zudem das defensive Nestlé-Papier bei Investoren gefragt sein. (Analyse vom 17.10.2025)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU für das genannte Analysten-Haus unter folgendem Link. (20.10.2025/ac/a/a)

Archivbeitrag vom 20.10.2025. Angaben und Einschätzungen beziehen sich auf den damaligen Stand.

Märkte im Blick
Weiterlesen
Börsenradar