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Legalisierung nicht entscheidend für profitable Cannabisunternehmen

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München (www.aktiencheck.de) - Die Ampelkoalition hat im Koalitionsvertrag aus dem November 2021 festgelegt, dass die Abgabe von Cannabis in Deutschland legalisiert werden soll. Das hat sowohl innerhalb Deutschlands als auch international für großes Aufsehen gesorgt. Bei den bereits am Markt befindlichen Unternehmen, die mit Cannabis handeln, fiel der Jubel jedoch verhalten aus.

Die Legalisierung verzögert sich

Noch im Mai 2022 twitterte Bundesjustizminister Marco Buschmann von der FDP optimistisch: "Es ist realistisch möglich, das Gesetz bis Frühjahr 2023 umzusetzen." Ein paar Monate später sieht es jedoch danach aus, als dürfte es zumindest doch noch etwas länger dauern, bis Cannabis in Deutschland legal wird.

Im Interview mit der ARD kritisierte Carmen Wegge, die zuständige Berichterstatterin der SPD im Innenausschuss, den Optimismus ihrer Kollegen. Sie ist der Meinung, dass sich Politikerinnen und Politiker mit Aussagen zum genauen Umsetzungszeitpunkt der Legalisierung zurückhalten sollten.

In die gleiche Kerbe schlägt auch der Bundedrogenbeauftragte der SPD Burkhard Blienert in einem Interview für den Podcast SWR3 Report: "Ich finde es unseriös, jetzt zu sagen, wann das erste Geschäft aufmacht." Er macht in dem Gespräch in weiterer Folge darauf aufmerksam, dass es noch viele Probleme gibt, die gelöst werden müssen, bis das Gesetz tatsächlich umgesetzt ist.

Ein entsprechender Entwurf dafür liegt zwar schon seit längerer Zeit vor. Dieser muss jedoch in den unterschiedlichen Ministerien abgestimmt werden. Unter der Federführung des Bundesgesundheitsministerium werden entsprechende Gespräche vor allem mit Vertretern aus dem Justizministerium, dem Wirtschaftsministerium, dem Finanzministerium und dem Landwirtschaftsministerium geführt.

Und auch das Außenministerium hat ein entscheidendes Wörtchen auf dem Weg zur Legalisierung mitzureden. Das liegt vor allem an den aktuellen Regelungen der Vereinten Nationen und der EU. Laut dem Schengener Abkommen, das auch von Deutschland unterzeichnet wurde, ist eine Legalisierung von Drogenbesitz grundsätzlich untersagt.

Bei den Vereinten Nationen sieht der völkerrechtliche Vertrag "Single Convention on Narcotic Drugs" aus dem Jahr 1961 vor, dass sowohl der Anbau als auch der Besitz von Drogen verfolgt werden muss. Dieser Vertrag kann zwar gekündigt werden, allerdings das nächste Mal erst wieder zum 1. Januar 2024. Andere Länder wie Luxemburg haben sich aufgrund der internationalen Hürden bereits wieder von den vollständigen Legalisierungsplänen verabschiedet und erlauben lediglich den Eigenanbau in geringen Mengen.

Der Markt bietet bereits heute attraktive Geschäftsfelder

Lars Müller ist der CEO des ersten deutschen börsengelisteten Cannabis-Unternehmens Synbiotic. Zu seiner Unternehmensgruppe gehören zahlreiche profitable Unternehmen, die den bereits heute legalen Handel mit der Hanfpflanze äußerst erfolgreich betreiben.

"Alle scheinen momentan ausschließlich auf die Legalisierung zu schielen. Dabei ist das Potenzial bereits heute groß und ermöglicht erhebliche Umsätze." erklärt Müller im Gespräch mit dem VentureCapital-Magazin. Er ist der Meinung, dass es zu kurz gedacht ist, lediglich auf die vollständige Legalisierung von Cannabis zu warten.

Schließlich ist medizinisches Cannabis bereits seit 2017 in Deutschland legal. Müller dazu: "Die Menschen sind auf der Suche nach Lösungen für ihre Probleme im Leben. Mit Cannabinoiden sind wir allein in der EU bereits in der Lage, einen Multi-Milliardenmarkt für Schlaf-, Schmerz- und Angstlösungen mit einem kumulierten Umsatz von über 250 Milliarden Euro für rezeptfreie und pharmazeutische Produkte zu erschließen."

Unternehmen wie Synbiotic sind also bereits ohne die vollständige Legalisierung in der Lage dazu, profitabel zu wirtschaften. Die steigende Nachfrage nach Produkten, die Cannabinoide enthalten, stimmt Müller auch für die Zukunft optimistisch.

Das bedeutet jedoch nicht, dass es den bereits heute erfolgreichen Unternehmen vollständig egal sein dürfte, ob der Markt in Deutschland legalisiert wird. Denn mit diesem Schritt gehen entsprechend hohe Umsatzerwartungen einher.

Experten gehen durch die Legalisierung von einer Verzehnfachung des Marktes aus

Laut Schätzungen dürften jährlich aktuell rund 3.000 Tonnen illegaler Cannabis-Produkte mit einem Gesamtwert von mehreren Milliarden Euro in Deutschland im Umlauf sein. Ein riesiger Schwarzmarkt, der das Geld in die falschen Bahnen lenkt.

Denn dadurch entgehen den seriösen Betreibern des Geschäfts, aber auch dem Staat Einnahmen in Milliardenhöhe. Mit den legal erhältlichen Produkten werden in Deutschland aktuell rund 300 Millionen Euro pro Jahr erwirtschaftet. Durch die Legalisierung wird von Insidern zumindest eine Verzehnfachung dieser Umsätze erwartet. Die Zahlen in Kanada seit der Legalisierung zeigen, dass diese Schätzungen sogar noch sehr vorsichtig sind. Denn dort liegen die Umsätze in einem wesentlich kleineren Markt bei jährlich rund acht Milliarden Euro.

An der raschen Umsetzung haben jedoch nicht nur die Unternehmen selbst großes Interesse, sondern vor allem der Staat. Denn laut einer Studie des "Düsseldorfer Institute für Competition Economics (DICE)" können durch Steuereinnahmen und Einsparungen bei der Strafverfolgung zusätzliche Einnahmen in der Höhe von insgesamt 4,7 Milliarden pro Jahr generiert werden. Zusätzlich könnten durch Anbau, Transport und Vertrieb rund 27.000 neue Jobs entstehen.

Kanzler Olaf Scholz möchte sich jedoch nicht auf eine Summe festlegen: "Ich bin da etwas zurückhaltend, weil wir Schätzungen über ein Aufkommen vornehmen, wo wir den Konsum ja gar nicht kennen, sondern nur vermuten können" erklärte er dazu in einer Bundespressekonferenz.

Georg Wurth, Geschäftsführer des Deutschen Hanfverbandes (DHV) meint dazu: "Die Cannabis-Konsumenten würden gerne Steuern zahlen, wenn sie dafür Streckmitteln und dem Schwarzmarkt entkommen würden."

Profitable Cannabisunternehmen sitzen nicht im "Warteraum Legalisierung"

Unabhängig von all diesen Diskussionen treiben Unternehmen wie Synbiotic ihr Geschäft weiter voran. Bis zur vollständigen Legalisierung konzentrieren sie sich eben auf jene Geschäftsfelder, mit denen sich das Business bereits jetzt profitabel betreiben lässt. Während die Politik noch diskutiert, helfen sie den Menschen mit ihren Produkten zum Beispiel im Bereich der Schmerztherapie oder der Behandlung von Schlafstörungen und Depressionen und demonstrieren damit, dass Cannabis sehr viel mehr ist als bloß ein einfaches Rauschmittel. (29.09.2022/ac/a/nw)

Archivbeitrag vom 29.09.2022. Angaben und Einschätzungen beziehen sich auf den damaligen Stand.

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