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Kampf gegen Entwaldung: Vorschriften noch nicht ausgereift




26.09.23 17:00
Lombard Odier IM

Genf (www.aktiencheck.de) - Der Kampf gegen die Entwaldung nimmt in der politischen Agenda einen immer höheren Stellenwert ein, so Alina Donets, Portfoliomanagerin bei Lombard Odier Investment Managers (LOIM).

Regierungen würden zunehmend Vorschriften für "entwaldungsfreie" Produkte erlassen. Dadurch wachse der Druck auf die Unternehmen, Lieferkettendaten offenzulegen, einschließlich der Menge und Herkunft der eingesetzten Rohstoffe.

In den letzten Jahren hätten sich Initiativen zugunsten der globalen Naturschutzagenda unter anderem für ein Ende der Entwaldung und die Intensivierung der Wiederaufforstung eingesetzt. Im Jahr 2023 habe das Europäische Parlament zum Beispiel Vorschriften für "entwaldungsfreie" Produkte beschlossen. Sie sollten sicherstellen, dass für einige Rohstoffe auf dem EU-Markt - wie Kakao, Kaffee, Palmöl, Kautschuk, Soja, Holz und aus Rinden gewonnene Produkte - keine Wälder abgeholzt würden. Die Experten würden erwarten, dass Unternehmen mehr Lieferkettendaten - unter anderem zur Menge und Herkunft der verwendeten Rohstoffe - offenlegen und ihre Beschaffungsstrategien erheblich verbessern würden.

Smurfit Kappa mit Sitz in Dublin sei einer der weltweit größten Anbieter von papierbasierten Verpackungen und biete Kunden Alternativen zu herkömmlichen Kunststoffverpackungen an. Aufgrund der Vorschriften gegen die Entwaldung besitze Smurfit Kappa dank der eigenen Richtlinien und Praktiken zur Waldbewirtschaftung einen Wettbewerbsvorteil. Die Pflanzungen des Unternehmens seien durch externe Stellen zertifiziert. Sie würden somit die örtlichen Umweltauflagen und Empfehlungen internationaler Institutionen erfüllen.

Das Unternehmen müsse nachweisen, dass es natürliche Wälder oder Ökosysteme nicht verändere und Standorte sorgfältig auswähle, sodass es keine Pflanzungen in wertvollen Ökosystemen betreibe. Müsse das Unternehmen Rohstoffe extern beschaffen, so kaufe es Holz und Papierfasern von Anbietern, die gleichwertige Standards befolgen würden. Außerdem sei Smurfit Kappa einer der großen Recycler in Europa. Das Unternehmen sammele Verpackungen aus Wellpappe von Kunden, recycele sie und verwende das Material in den eigenen Produktionsprozessen.

Die zunehmende Anpassung der Verpackungsdesigns sorge für ein Höchstmaß an Recyclingfähigkeit. Durch die Einführung der Kreislaufwirtschaft nehme die Verwendung papierbasierter Produkte zu. Der geringere Bedarf an Primärmaterialien trage zum Schutz der Wälder bei.

Das Beispiel des französischen Kosmetikunternehmens zeige, welche Herausforderungen Unternehmen bewältigen müssten, um die Umweltrisiken bei der Beschaffung von Inhaltsstoffen zu managen. Das gelte vor allem für Hersteller mit starkem Fokus auf Naturschutz, die natürliche und unbedenkliche Inhaltsstoffe einsetzen würden.

Die Kosmetikindustrie verwende zahlreiche Rohstoffe, die sie über komplexe Lieferketten beziehe. L’Occitane kaufe 10% bis 15% der natürlichen Inhaltsstoffe - wie Sheabutter, Mandelöl und ätherische Öle - direkt von lokalen Erzeugern. Dies gewährleiste eine vollständige Nachverfolgbarkeit und eine enge Zusammenarbeit mit den Lieferanten bei Initiativen für eine regenerative Landwirtschaft.

Palmöl, einer der Rohstoffe, der am unmittelbarsten mit der Abholzung von Wäldern im Zusammen-hang stehe, finde in der Kosmetikindustrie breite Verwendung. L’Occitane arbeite entsprechend den Leitlinien der Europäischen Kommission ausschließlich mit Anbietern zusammen, die nach dem globalen RSPO-Zertifizierungssystem zertifiziert seien. Das Unternehmen untersuche zudem Palmölalternativen, um den Weg zu 100% entwaldungsfreien Produkten zu ebnen. Für Unternehmen könne es sehr schwierig sein, ausreichende Mengen an zertifizierten entwaldungsfreien Rohstoffen zu beziehen. Gründe dafür seien unzureichende Rahmenstrukturen und der Mangel an Zertifizierungsstellen.

Einige Unternehmen würden proaktiv nach eigenen Wegen suchen, um die Qualität und Umweltverträglichkeit von Rohstoffquellen zu beurteilen. L’Occitane habe beispielsweise für jeden Inhaltsstoff ein Scorecard-System zur Risikobewertung entwickelt. Im Rahmen ihres Engagements würden die Experten diese Initiative gemeinsam mit dem Unternehmen analysieren, um herauszufinden, wie sie die verwendeten Rohstoffe verändere.

Warum seien Wälder wichtig? Mit einfachen Worten: Die Weltwirtschaft und unser Planet könnten ohne Wälder nicht florieren. Sie seien ein Hort der Biodiversität und Lebensraum für 80% der bekannten landlebenden Tier- und Pflanzenarten der Welt. Diese biologische Vielfalt sei die Basis für lebenswichtige Funktionen der Ökosysteme - von Wasserfiltration über Bestäubung bis hin zur Eindämmung von Schädlingen. Wälder seien außerdem unersetzliche Kohlenstoffsenken, denn sie würden netto 7,6 Mrd. Tonnen Kohlenstoff binden und speichern. Dies entspreche dem 1,5Fachen der jährlichen CO2-Gesamtemissionen der USA. Die Wälder seien unverzichtbar für naturbasierte Lösungen zur Eindämmung des Klimawandels, denn auf sie würden 35% der wirtschaftlich tragfähigen Klimaschutzmaßnahmen entfallen, die bis 2030 notwendig seien.

Die Vorschriften seien aber noch nicht ausgereift, sodass der Umfang der Offenlegungen nach wie vor uneinheitlich sei. Doch zu diesem gemischten Bild würden auch proaktive Unternehmen gehören, von denen einige wie L’Occitane Naturschutz als eine Maßnahme zur Risikominderung betrachten würden. Andere würden wie Kappa nach Geschäftschancen suchen, die sich aus den Vorschriften zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und des ökologischen Wandels ergeben würden. (26.09.2023/ac/a/m)







 
 
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