Aktien des Tages

Henkel Aktie: Stabilität mit Potenzial

Wien (www.aktiencheck.de) - Henkel-Aktienanalyse von der Raiffeisen Bank International AG:

Andreas Schiller, Analyst der Raiffeisen Bank International AG (RBI), rät die Vorzugsaktie der Henkel AG & Co. KGaA (ISIN: DE0006048432, WKN: 604843, Ticker-Symbol: HEN3, NASDAQ OTC-Symbol: HENOF) weiterhin zu kaufen.

Im dritten Quartal 2025 habe Henkel einen Umsatz von EUR 5,15 Mrd. erzielt, was einem organischen Wachstum von 1,4% gegenüber dem Vorjahresquartal entspreche. Nominal sei der Umsatz jedoch infolge negativer Währungs- und Portfolioeffekte um 6,3% zurückgegangen. Damit liege der Umsatz knapp unter den Erwartungen der Analyst:innen von EUR 5,18 Mrd. Das organische Wachstum sei von einer insgesamt positiven Volumenentwicklung bei weitgehend stabilen Preisen getrieben worden. Der Geschäftsbereich Adhesive Technologies habe einen Umsatz von EUR 2,71 Mrd. erzielt, was trotz eines nominalen Rückgangs von 3,3% auf ein organisches Plus von 2,5% hinauslaufe. Treiber seien vor allem die Geschäftsfelder Mobilität und Elektronik sowie ein solides Wachstum im Bereich Handwerk, Bau & Gewerbe gewesen. Der Bereich Consumer Brands habe einen Umsatz von EUR 2,40 Mrd. erreicht und organisch um 0,4% zugelegt. Nominal sei hier ein Minus von 9,5% zu verzeichnen gewesen. Das Geschäftsfeld Hair verzeichne dabei ein starkes Wachstum, während das Segment Laundry & Home Care rückläufig sei.

Henkel gelte als Vertreter des defensiven Konsumsektors, da Wasch- und Körperpflegeprodukte relativ konjunkturunabhängig seien. Die Sparte Adhesive Technologies sei dagegen klar zyklisch, weil sie Industrien wie Automobil, Elektronik, Bau und Luftfahrt bediene, die stark vom globalen Wirtschaftsklima abhingen. Europa sei mit rund 38% Umsatzanteil die wichtigste Region, wobei gerade hier große öffentliche Investitionsprogramme geplant seien. Die EU baue aktuell ihr Verteidigungsbudget massiv aus, wovon Investitionen in Hightech-Materialien ebenfalls klar profitieren sollten. Henkel sei zwar kein Rüstungskonzern im klassischen Sinne, biete aber mit seiner Loctite-Reihe Mil-Spec-Klebstoffe (z. B. Mil‑S‑22473E, Mil‑R‑46082B) spezifisch für Flugzeuge, Fahrzeuge, Schiffe, Drohnen und Militär-Elektronik an. Damit positioniere sich das Unternehmen als möglicher indirekter Profiteur europäischer Rüstungsprogramme.

Verglichen mit anderen Value-Unternehmen weise Henkel noch eine relativ kurze Dividendenhistorie auf. Die für das aktuelle Geschäftsjahr erwartete Ausschüttungsquote liege aktuell bei rund 41%, wobei die geschätzte Dividende in der Höhe von rund EUR 2,17 eine Dividendenrendite von 3% sowie eine Dividendenerhöhung von knapp 5% impliziere, was insbesondere in Anbetracht weiter sinkender Zinsen wieder an Bedeutung gewinne. Bis Ende Oktober habe Henkel Aktienrückkäufe im Volumen von rund EUR 700 Mio. umgesetzt.

Relativ zur eigenen Bewertungshistorie handele Henkel derzeit knapp 17% unter dem Median der vergangenen fünf Jahre und habe damit deutlich an Bewertung abgebaut. Bei einem historischen Vergleich der letzten zehn Jahre betrage der Discount bereits 35%. Auch zum breiten Markt und zum Sektor falle der Abschlag mit -21% sowie -16% sehr deutlich aus.

Die US-Wettbewerbsbehörde FTC habe Klage gegen die geplante Übernahme eines Geschäftsbereichs der Pittsburgh Paint Co. eingereicht. Die Transaktion im Wert von rund USD 725 Mio. sei bislang nicht öffentlich gemacht worden und würde laut FTC zwei der größten Anbieter von Flüssigklebstoffen für Bau- und Heimwerkeranwendungen zusammenführen. Die FTC sehe durch die Fusion eine erhebliche Einschränkung des Wettbewerbs, da sich beide Unternehmen seit Langem als Hauptkonkurrenten betrachten würden.

Ausblick: Für das Gesamtjahr 2025 halte Henkel an seiner bisherigen Prognose fest und erwarte ein organisches Umsatzwachstum von 1,0% bis 2,0%. Das Segment Adhesive Technologies werde voraussichtlich zwischen 2,0% und 3,0% wachsen. Bei Consumer Brands werde ein organisches Wachstum von 0,5% bis 1,5% erwartet. Henkel plane zudem, den Integrationsprozess der Consumer Brands bis zum Ende des Jahres abzuschließen, was zu Kosteneinsparungen in Höhe von mindestens EUR 525 Mio. führen solle. Der bereinigte Gewinn je Vorzugsaktie (EPS, zu konstanten Wechselkursen) solle weiterhin im niedrigen bis hohen einstelligen Prozentbereich zulegen.

Henkel habe im dritten Quartal seine operative Stärke unter Beweis gestellt, auch wenn das nominale Umsatzbild durch Währungseffekte und Portfolioanpassungen belastet worden sei. Die positive organische Entwicklung in beiden Geschäftsbereichen zeige, dass die strategischen Maßnahmen griffen. Besonders die Klebstoffsparte könne trotz eines weiterhin volatilen industriellen Umfelds zulegen, getragen von strukturellen Wachstumstreibern wie Elektronik und Mobilität. Gleichzeitig bleibe das Konsumgütergeschäft ein stabilisierender Faktor, auch wenn die Konsumstimmung in Europa und Nordamerika gedämpft sei. Hier punkteten starke Marken und Innovationen, die für Differenzierung sorgten. Zudem werde die Innovationspipeline aktiv genutzt – von neuen Produktformaten im Laundry-Bereich bis hin zu Hightech-Lösungen für Elektronik und Industrie. Henkel setze damit nicht nur auf kurzfristige Effizienz, sondern auch auf langfristige Wertschöpfung. Gleichzeitig bleibe das Umfeld aber durchaus anspruchsvoll: Schwankende Rohstoffpreise, Währungseffekte und die Zyklik in Schlüsselindustrien wie Automotive erforderten Flexibilität. Henkel begegne diesen Herausforderungen mit einer klaren Fokussierung auf margenstarke Segmente, digitalisierte Prozesse und eine konsequente Portfoliovalorisierung.

Andreas Schiller, Analyst der Raiffeisen Bank International AG, bestätigt in Anbetracht der günstigen Bewertung seine KAUF-Empfehlung sowie sein bisheriges Kursziel in Höhe von EUR 78. Letzteres basiere auf einem Multiple-Ansatz, die Zahlen auf Konsens- und eigenen Schätzungen. Der relative Bewertungsansatz berücksichtige einen aktuellen Bewertungsabschlag im Vergleich zur historisch fairen Bewertung der eigenen 5-Jahres-Historie sowie zum Gesamtmarkt und Sektor sowie die aktuelle Dividendenrendite. (Analyse vom 17.12.2025)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU für das genannte Analysten-Haus:

Offenlegungen

7. Der zuständige Analyst oder eine sonstige an der Erstellung der Finanzanalyse mitwirkende natürliche Person oder eine sonstige natürliche Person von Raiffeisen Research besitzt Finanzinstrumente des von ihm analysierten Emittenten.

Offenlegung von Umständen und Interessen, die die Objektivität der RBI gefährden könnten: www.raiffeisenresearch.com/disclosuresobjectivity (17.12.2025/ac/a/d)

Archivbeitrag vom 17.12.2025. Angaben und Einschätzungen beziehen sich auf den damaligen Stand.

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