Aktien des Tages

Henkel Aktie: Qualitätswert mit begrenzter Wachstumsfantasie

Wien (www.aktiencheck.de) - Henkel-Aktienanalyse von der Raiffeisen Bank International AG:

Andreas Schiller, Analyst der Raiffeisen Bank International AG (RBI), nimmt die Vorzugsaktie der Henkel AG & Co. KGaA (ISIN: DE0006048432, WKN: 604843, Ticker-Symbol: HEN3, NASDAQ OTC-Symbol: HENOF) von KAUF auf HALTEN herunter.

Henkel habe für das erste Quartal 2026 solide Umsatzzahlen veröffentlicht, auch wenn die nominale Entwicklung durch Währungen und Portfolioeffekte deutlich belastet worden sei. Der Umsatz sei um 5,5% auf EUR 4,95 Mrd. gesunken und habe damit praktisch auf Höhe der durchschnittlichen Erwartungen gelegen. Organisch sei Henkel dagegen um 1,7% gewachsen, getragen von positiven Preis- und Volumenbeiträgen. Adhesive Technologies habe ein organisches Wachstum von 1,7% erzielt, wobei Mobilität & Elektronik mit einem Plus von 6,7% klar positiv hervorgestochen sei. Consumer Brands sei organisch um 1,8% gewachsen. Besonders stark habe sich Hair mit einem organischen Wachstum von 5,1% entwickelt, während Laundry & Home Care mit 0,1% nahezu stabil geblieben sei.

Henkel sei kein reiner defensiver Konsumwert. Consumer Brands umfasse zwar stärker wiederkehrende Kategorien wie Waschmittel, Reinigungsmittel und Haarpflege, doch Adhesive Technologies stehe für rund die Hälfte des Konzernumsatzes und sei stärker an industrielle Endmärkte gebunden. Dazu würden Mobilität & Elektronik, Verpackungen & Konsumgüter sowie Handwerk, Bau & Gewerbe zählen. Ergänzend verfüge Henkel über LOCTITE-Produkte für Luftfahrtanwendungen und einzelne militärische Spezifikationen. Vor dem Hintergrund steigender europäischer Verteidigungsinvestitionen ergebe sich daraus eine mögliche indirekte Exponierung gegenüber sicherheitsrelevanten industriellen Wertschöpfungsketten.

Für das Geschäftsjahr 2025 habe Henkel die Dividende leicht erhöht. Je Vorzugsaktie seien EUR 2,07 und je Stammaktie EUR 2,05 ausgeschüttet worden, was jeweils einem Anstieg von 1,5% entsprochen habe. Die Ausschüttungsquote habe mit rund 38% des bereinigten Jahresüberschusses innerhalb der angestrebten Bandbreite von 30% bis 40% gelegen. Insgesamt habe Henkel rund EUR 840 Mio. an die Aktionär:innen ausgeschüttet. Ergänzt worden sei dies durch das Ende März abgeschlossene Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von rund EUR 1,00 Mrd.

Relativ zur eigenen Bewertungshistorie handle Henkel derzeit nur rund 4% unter dem Median der vergangenen fünf Jahre. Im Vergleich zum eigenen Sektor weise die Aktie einen Abschlag von rund 11% auf. Historisch betrachtet habe der Bewertungsabschlag bei rund 2% gelegen, was auf eine moderate Unterbewertung hindeute. Gleichzeitig signalisiere die PEG Ratio von 3,4, dass das vom Markt erwartete Gewinnwachstum vergleichsweise niedrig ausfalle.

Die US-Wettbewerbsbehörde FTC habe am 11. Dezember 2025 Klage eingereicht, um Henkels geplante Übernahme von Liquid Nails zu blockieren. Die Transaktion werde mit rund USD 725 Mio. beziffert und würde nach Darstellung der FTC die beiden führenden Bauklebstoffmarken Loctite und Liquid Nails im US-Einzelhandel zusammenführen. Die Behörde argumentiere, dass dadurch direkter Wettbewerb wegfalle und die Gefahr höherer Preise, geringerer Qualität und schwächerer Innovation steige. Der Fall sei vor dem U.S. District Court for the Southern District of New York anhängig gemacht worden. Juristische Analysen vom Januar 2026 höben zudem hervor, dass die FTC in diesem Fall nicht den üblichen Weg über ein internes Verwaltungsverfahren wähle, sondern direkt eine dauerhafte Unterlassungsverfügung vor einem Bundesgericht verfolge.

Henkel habe die M&A-Wachstumsstrategie im ersten Quartal konsequent fortgesetzt und damit beide Unternehmensbereiche gestärkt. Insgesamt seien fünf Transaktionen mit einem zusätzlichen Umsatzvolumen von rund EUR 1,60 Mrd. angekündigt beziehungsweise vereinbart worden, wovon Wetherby Laroc, ATP Adhesive Systems und Not Your Mother's bereits abgeschlossen seien. Im Februar 2026 habe Henkel zudem die Übernahme der niederländischen Stahl-Gruppe, einem globalen Anbieter von Spezialbeschichtungen für flexible Materialien, vereinbart. Besonders bedeutend sei die vereinbarte Übernahme des US-Haarpflegespezialisten OLAPLEX für rund USD 1,40 Mrd. Mit OLAPLEX stärke Henkel gezielt das bereits dynamisch wachsende Hair-Geschäft im Unternehmensbereich Consumer Brands und baue seine Position im Premium-Haarpflegemarkt weiter aus.

Die Zusammenführung der bisherigen Konsumgütergeschäfte zum Unternehmensbereich Consumer Brands sei Ende 2025 abgeschlossen worden und damit ein Jahr früher als ursprünglich geplant. Mit der Integration habe Henkel Marken aus den Bereichen Wasch- und Reinigungsmittel sowie Haarpflege unter einer gemeinsamen Organisation gebündelt, um Effizienz, Innovationskraft und Marktpräsenz zu stärken. Die ursprünglich angestrebten jährlichen Einsparungen von mehr als EUR 525 Mio. seien nach Unternehmensangaben bereits zum Ende des Geschäftsjahres 2025 übertroffen worden. Damit habe Henkel die umfangreiche Restrukturierung schneller und erfolgreicher abschließen können als zunächst erwartet.

Ausblick: Henkel habe die Prognose für das Geschäftsjahr 2026 bestätigt und erwarte weiterhin ein organisches Umsatzwachstum von 1,0% bis 3,0%. Für Adhesive Technologies werde ein Wachstum von 1,0% bis 3,0% erwartet, für Consumer Brands von 0,5% bis 2,5%. Die bereinigte EBIT-Marge solle weiterhin zwischen 14,5% und 16,0% liegen, während der bereinigte Gewinn je Vorzugsaktie bei konstanten Wechselkursen im niedrigen bis hohen einstelligen Prozentbereich steigen solle. Gleichzeitig rechne Henkel nun mit einem stärkeren Anstieg der direkten Materialkosten im hohen einstelligen Prozentbereich. Zudem erwarte das Unternehmen einen positiven Beitrag aus Akquisitionen und Veräußerungen zum nominalen Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Henkel präsentiere sich nach Abschluss der Consumer Brands-Integration strategisch fokussierter und operativ stabil. Die Restrukturierung sei früher als geplant abgeschlossen worden, die Synergieziele seien übertroffen worden und mit OLAPLEX sowie Not Your Mother's stärke das Unternehmen gezielt wachstumsstärkere Kategorien im Hair-Geschäft. Auch Adhesive Technologies bleibe mit seinen Positionen in Industrie-, Mobilitäts- und Elektronikmärkten ein wichtiger Ertragstreiber. Gleichzeitig würden weiterhin die schwache Entwicklung in Europa, steigende Materialkosten und regulatorische Unsicherheiten bei einzelnen Transaktionen belasten. Insgesamt erscheine Henkel nach den operativen Fortschritten gut positioniert. Die erwarteten Wachstumsraten würden jedoch überschaubar bleiben, wodurch die aktuelle Bewertung weitgehend fair erscheine.

Schiller bestätige daher das bisherige Kursziel von EUR 75 und reduziere gleichzeitig die Empfehlung auf HALTEN. Das Kursziel basiere auf einem Multiple-Ansatz unter Berücksichtigung von Konsens- und eigenen Schätzungen. In die Bewertung flössen die historische Bewertung der Aktie, die aktuelle relative Bewertung gegenüber Markt und Sektor sowie die Dividendenrendite ein. (Analyse vom 03.07.2026)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU für das genannte Analysten-Haus:

Offenlegung von Umständen und Interessen, die die Objektivität der RBI gefährden könnten: www.raiffeisenresearch.com/disclosuresobjectivity (03.07.2026/ac/a/d)

Archivbeitrag vom 03.07.2026. Angaben und Einschätzungen beziehen sich auf den damaligen Stand.

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