Aktien des Tages

Henkel Aktie: Margenstärke trotz Umsatzdelle

Wien (www.aktiencheck.de) - Henkel-Aktienanalyse der Raiffeisen Bank International AG (RBI):

Andreas Schiller, Analyst der Raiffeisen Bank International AG (RBI), rät in einer aktuellen Aktienanalyse die Vorzugsaktie der Henkel AG & Co. KGaA (ISIN: DE0006048432, WKN: 604843, Ticker-Symbol: HEN3, NASDAQ OTC-Symbol: HENOF) weiterhin zu kaufen.

Der Umsatz habe sich im zweiten Quartal 2025 auf EUR 5,16 Mrd. belaufen, was einem organischen Wachstum von 0,9 % und nominal gegenüber dem Vorjahresquartal ‑6,1 % entspreche. Damit hätten die Erwartungen der Analyst:innen in der Höhe von EUR 5,28 nicht getroffen werden können. Zwar hätten Preiserhöhungen in Höhe von durchschnittlich 1,3 % realisiert werden können, jedoch sei das Absatzvolumen leicht um 0,4 % zurückgegangen. Der Unternehmensbereich Adhesive Technologies habe im zweiten Quartal ein organisches Umsatzwachstum von 1,3 % erzielt, das insbesondere durch das Geschäft mit Mobilitäts- und Elektronikanwendungen gestützt worden sei. Im Bereich Consumer Brands habe der Umsatz organisch um 0,4 % zugelegt. Während das Haargeschäft ein solides Wachstum verzeichnet habe, habe die schwächere Entwicklung im Segment Laundry & Home Care das Gesamtbild belastet. Beim operativen Ergebnis habe Henkel im ersten Halbjahr 2025 zulegen können: Das berichtete EBIT sei von EUR 1,47 Mrd. im Vorjahr auf EUR 1,54 Mrd. gestiegen, was einem Plus von 4,8 % entspreche; auch die bereinigte EBIT-Marge habe sich leicht auf 15,5 % verbessert. Der Nettogewinn habe sich von EUR 1,04 Mrd. auf EUR 1,12 Mrd. erhöht, was einem Anstieg von 7,6 % entspreche.

Henkel gelte als Vertreter des defensiven Konsumsektors, da Wasch- und Körperpflegeprodukte relativ konjunkturunabhängig seien. Die Sparte Adhesive Technologies sei dagegen klar zyklisch, weil sie Industrien wie Automobil, Elektronik, Bau und Luftfahrt bediene, die stark vom globalen Wirtschaftsklima abhingen. Europa sei mit rund 38 % Umsatzanteil die wichtigste Region, wobei gerade hier große öffentliche Investitionsprogramme geplant seien. Die EU wolle bis 2030 Verteidigungsausgaben in dreistelliger Milliardenhöhe erhöhen, was die Nachfrage nach Hightech-Materialien für Rüstungs- und Luftfahrtprojekte antreiben dürfte. Henkel sei zwar kein Rüstungskonzern, liefere aber Schlüsseltechnologien: Adhesive Technologies biete hochfeste Klebstoffe, Schutzbeschichtungen, Dichtungen und hitzebeständige Materialien für militärische Anwendungen wie Flugzeuge, Panzer, Schiffe, Drohnen und Elektroniksysteme. So positioniere sich Henkel als indirekter Profiteur steigender Verteidigungsbudgets.

Verglichen mit anderen Value-Unternehmen weise Henkel noch eine relativ kurze Dividendenhistorie auf. Die für das aktuelle Geschäftsjahr erwartete Ausschüttungsquote liege aktuell bei rund 41 %, wobei die geschätzte Dividende in der Höhe von rund EUR 2,14 eine Dividendenrendite von 3,0 % sowie eine Dividendenerhöhung von knapp 5 % impliziere, was insbesondere in Anbetracht weiter sinkender Zinsen wieder an Bedeutung gewinne.

Relativ zur eigenen Bewertungshistorie handele Henkel derzeit knapp 20 % unter dem Median der vergangenen fünf Jahre und habe damit deutlich an Bewertung abgebaut. Bei einem historischen Vergleich der letzten zehn Jahre betrage der Discount bereits 37,5 %. Auch zum breiten Markt und zum Sektor falle der Abschlag recht deutlich aus.

Ausblick: Die Prognose sei nach unten angepasst worden: Henkel erwarte für 2025 nun ein organisches Umsatzwachstum von 1,0 % bis 2,0 % (zuvor 1,5 % - 3,5 %). Für Adhesive Technologies werde +2,0 % bis 3,0 % (zuvor 2,0 % bis 4,0 %) erwartet, für Consumer Brands +0,5-1,5 % (zuvor 1,0 % bis 3,0 %). Die bereinigte EBIT‑Marge solle konzernweit 14,5 % bis 15,5 % erreichen; das bereinigte EPS werde bei konstanten Wechselkursen im niedrigen bis hohen einstelligen Prozentbereich zulegen. Restrukturierungskosten von EUR 150 Mio. bis EUR 200 Mio. sowie Investitionen in Höhe von EUR 650 Mio. bis EUR 750 Mio. seien eingeplant.

Das zweite Quartal habe eine stabile operative Umsatz-Entwicklung gezeigt, die aber nominal betrachtet schwach ausgefallen sei und zudem die Erwartungen der Analyst:innen verfehlt habe. Auf Halbjahresbasis hätten aber die bereinigte EBIT-Marge sowie ein steigendes bereinigtes EPS überzeugt. Damit zeige Henkel, dass das Unternehmen trotz eines nominalen Umsatzrückganges seine Ertragskraft stärken konnte und die strategische Neuausrichtung erste Früchte trage. Strategisch setze Henkel auf Portfolio-Optimierung, Effizienzsteigerungen und Investitionen in Innovationen. Der Verkauf des Handelsmarkengeschäfts in Nordamerika und die fortgesetzte Valorisierung des Portfolios seien Schritte in die richtige Richtung. Gleichzeitig bleibe das Umfeld aber herausfordernd: schwache Konsumstimmung in wichtigen Märkten, volatile Rohstoffpreise, Währungseffekte sowie die Anfälligkeit für zyklische Schwankungen in Schlüsselindustrien wie Automobil und Elektronik würden die Planungssicherheit belasten. Dennoch signalisiere das Management mit Dividendenerhöhung und Aktienrückkaufprogramm Vertrauen in die eigene Stärke.

Andreas Schiller, Analyst der RBI, bestätigt in Anbetracht der günstigen Bewertung seine KAUF-Empfehlung für die Henkel-Aktie, reduziert allerdings das Kursziel auf EUR 78,00. Letzteres basiere auf einem Multiple-Ansatz, die Zahlen auf Konsens- und eigenen Schätzungen. Der relative Bewertungsansatz berücksichtige einen aktuellen Bewertungsabschlag im Vergleich zur historisch fairen Bewertung der eigenen 5-Jahres-Historie sowie zum Gesamtmarkt und Sektor sowie die aktuelle Dividendenrendite. (Analyse vom 08.10.2025)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU für das genannte Analysten-Haus:

7. Der zuständige Analyst oder eine sonstige an der Erstellung der Finanzanalyse mitwirkende natürliche Person oder eine sonstige natürliche Person von Raiffeisen Research besitzt Finanzinstrumente des von ihm analysierten Emittenten.

Offenlegung von Umständen und Interessen, die die Objektivität der RBI gefährden könnten: www.raiffeisenresearch.com/disclosuresobjectivity (08.10.2025/ac/a/d)

Archivbeitrag vom 08.10.2025. Angaben und Einschätzungen beziehen sich auf den damaligen Stand.

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