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Growth out - Value in?




25.01.22 10:27
Euroswitch

Frankfurt am Main (www.aktiencheck.de) - Thomas Böckelmann, leitender Portfoliomanager der Vermögensmanagement Euroswitch, ist überzeugt, dass selektive Value-Investoren dieses Jahr profitieren könnten.

Der Marktfokus habe über Jahre vor allem auf Growth-Titeln gelegen, was nach dem Experten neben beeindruckendem Wachstum auch zu dominanten Indexgewichten und relativ hohen Bewertungen geführt habe.

Laut Böckelmann schien dabei die historische Favorisierung und Überlegenheit der Value-Titel empirisch belegt, so die Experten von Euroswitch. Mit der Finanzkrise habe sich das Investorensentiment geändert - attraktiv seien nicht mehr günstige, zyklische Unternehmen mit hohem Substanzwert, sondern dynamische Wachstumsunternehmen gewesen, die oftmals weniger zyklisch seien. "Kapitalströme favorisierten seither nicht mehr den langjährigen Ausbau von Ölfeldern oder Rohstoffminen, sondern den schnelleren Dollar mit Geschäftsmodellen im Internet. Die Folge ist, dass ein Großteil der IT-Unternehmen vor allem in den US-amerikanischen Aktienindices ein beeindruckendes Gewicht mit teils astronomisch hohen Bewertungen erreicht hat", beschreibe Böckelmann die Situation.

Die aktuelle Inflation und die daraus resultierenden potenziellen Zinserhöhungen könnten durchaus als Katalysator für die im letzten Jahr eingesetzte Rotation verstanden werden. Angesichts sich ändernder Szenarien bei der Zinsentwicklung, schiene ein "weiter so" bei den Bewertungen so mancher Wachstumstitel nicht zu rechtfertigen.

"Die letzten Sommer einsetzende Rotation konzentrierte sich zuerst auf jene Wachstumsunternehmen, die aktuell wenig Umsätze und selten Gewinne, aber meistens kräftige Verluste ausweisen", so der Experte. Diese seien oftmals in Disruptionsbranchen zu finden, wo sich Gewinner und Verlierer erst noch separieren müssten. Der Investmentcase sei eher visionär statt fundamental begründet. Der erlebte Abverkauf sei daher rational und folge einerseits den Überbewertungen, andererseits dem potenziell neuen Zinsumfeld. Dennoch scheine dem Experten bei einigen Titeln ein Minus von mehr als 50% übertrieben, weshalb es zumindest zu einer selektiven Neubewertung und somit Kursanstiegen kommen könnte.

Im späteren Jahresverlauf von 2021 seien auch die sogenannten "QGARP-Titel" (Quality Growth At a Reasonable Price) laut dem Finanzexperten in den Abwärtsstrudel anderer Technologiewerte geraten. Allerdings zeige er sich für deren weitere Entwicklung besonders zuversichtlich: "Hier zeichnet sich am ehesten eine schnelle Erholung ab, wenn der Markt erkennt, dass selbst erwartete Zinsanstiege von 2% diesen erfolgreichen Unternehmen wenig schaden. In unserer Aktienselektion konzentrieren wir uns deshalb vorwiegend auf diese Unternehmen. Sie haben prinzipiell defensive Qualitäten und auch das Potenzial, in die Wachstumsgruppe der Nifty-Five hineinzuwachsen."

Erst seit Jahresbeginn sei die eingesetzte Rotation in allen Wachstumsbereichen auch auf aggregiertem Indexniveau erkennbar - bis dahin seien die heftigen Kurseinbrüche vor allem in Disruptionstiteln durch die positive Entwicklung anderer, vor allem die Indices dominierenden größten US-amerikanischen Technologietitel, verdeckt worden.

Diese Wachstumsgruppe bestehe nach Böckelmann aus Unternehmen wie Apple, Microsoft, Amazon, Facebook oder Alphabet. "Es sind Unternehmen, die in der heutigen öffentlichen Wahrnehmung durchaus mit den 'Hübschen 50', den Nifty-Fifty-Aktien der 70er-Jahre verglichen werden können", erkläre Böckelmann. Die Nifty-Fifty hätten während der Ölkrise den Großteil des Marktes über lange Zeit signifikant outperformen können. Ihre Markenbekanntheit und ihre nahezu monopolistische Marktmacht hätten zur Wahrnehmung geführt, sie seien auch im absoluten Krisenumfeld unverletzlich.

"In der heutigen Zeit haben wir keine Nifty-Fifty mehr, aber Nifty-Five und diese fünf Unternehmen zeigen vergleichbar hohe Marktmacht, hohe Qualitäten und hohe Bewertungen. Sie sind Pandemiegewinner, ESG- und ETF-Profiteure, was ihre Erfolgsgeschichte beschleunigte und stabilisierte. Im Wesentlichen haben diese Unternehmen dazu geführt, dass die Indexniveaus trotz heftiger Verwerfungen und Ungewissheiten weiter stiegen", sei Böckelmann überzeugt.

"Die erste Handelswoche im neuen Jahr hat schon gezeigt, dass das Jahr 2022 auch für die Top-5 Unternehmen der Welt nicht zum Selbstläufer wird. Beeindruckt von der bisherigen Rotation im disruptiven und QGARP-Wachstumssegment gibt es auch bei diesen Titeln erste Umschichtungen, das Ausmaß dürften aber eher die Wechselwirkung aus kommenden Quartalsberichten, der Zinsentwicklung und das Mittelaufkommen der ETFs bestimmen. Ein anhaltender ESG-Hype kann dabei unterstützend wirken, da diese Werte in den meisten Nachhaltigkeitsportfolien gehalten werden," so der Experte.

Daneben würden aber auch geopolitische und vor allem regulatorische Aspekte eine Rolle spielen. Zwar könnten wachsende Ungewissheiten der Marktteilnehmer den Investmentcase der Top-5 weiter stützen, die Regulierungsgefahr von Steuern bis hin zu Aufspaltungen könne hingegen ein großer Belastungsfaktor werden.

Böckelmann sei überzeugt, dass es in dieser Marktphase nicht ausreiche, einfach auf Value zu setzen: "Aktuell trägt die Rotation Züge einer Mean-Reversion - Titel mit hohen Gewinn-Multiples werden verkauft, Unternehmen mit günstigem KGV oder Preis-Buch-Verhältnis gekauft." Und obwohl vor allem Banken, Energie, Rohstoff- und Autotitel zu den Profiteuren gehören würden, mahne der Experte zur Vorsicht: "Was so einfach aussieht, dürfte sich aber über die kommenden Monate differenzieren. Pauschal auf günstige Branchen zu setzen erscheint uns nicht ausreichend. Es kommt auf das Geschäftsmodell jedes einzelnen Unternehmens an. Zu den Gewinnern dürften die Geschäftsmodelle zählen, die als 'Enabler' die großen strukturellen Trends unterstützen."

Für das laufende Jahr prognostiziere Böckelmann abschließend eine Trendwende: "Das Jahr 2022 dürfte nach 15 Jahren Fokus auf reine Wachstumstitel einen Mix aus einer Selektion von 'Value' und 'Growth' begünstigen, der trotz gegebener Unsicherheiten am besten von den langfristigen Trends profitieren kann." (25.01.2022/ac/a/m)






 
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