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Europäische Banken: Finanzierer der Rüstungsindustrie?

Zürich (www.aktiencheck.de) - Die europäische Bankenlandschaft befindet sich im Umbruch: Während geopolitische Spannungen und milliardenschwere Aufrüstungsprogramme neue Geschäftsfelder eröffnen, sorgen aggressive Übernahmeversuche für Unruhe in der Branche, so die Experten von Vontobel Markets.

Deutsche Bank und BNP Paribas würden lukrative Chancen in der Verteidigungsfinanzierung wittern und sich als zentrale Partner der Rüstungsindustrie positionieren. Gleichzeitig erschüttere UniCredit-Chef Andrea Orcel mit seinem Vorstoß auf die Commerzbank den deutschen Finanzmarkt. Die italienische Großbank halte bereits knapp 30 Prozent der Anteile - was einen Übernahmekampf provoziere, der politischen Widerstand hervorrufe und die Commerzbank zu drastischen Gegenmaßnahmen zwinge. Europas Banken würden um Marktanteile, Macht und Milliarden kämpfen.

Branche profitiere von Investitionen in Verteidigung

In Zeiten geopolitischer Unsicherheit und verstärkter Rüstungsausgaben könnte besonders die Bankenbranche profitieren. Europäische Banken stünden vor neuen Geschäftsmöglichkeiten durch den erhöhten Finanzierungsbedarf bei Verteidigungsinvestitionen. Die wachsenden nationalen und europäischen Investitionsprogramme in die Sicherheitspolitik würden zusätzliche Kreditnachfrage schaffen. Ein deutliches Signal habe die EU-Förderbank EIB gesetzt, indem sie das Volumen ihrer Rahmenkredite für Rüstungsausgaben um den Faktor drei erhöht habe. Diese Entwicklung zeige das politische Engagement für eine verstärkte Verteidigungsfinanzierung und eröffne Banken lukrative Finanzierungsmöglichkeiten. Während Banken in der Vergangenheit gezögert hätten, mit Waffenherstellern zusammenzuarbeiten, sehe die Bankenbranche jetzt hier weitreichende Geschäftsmöglichkeiten und wolle auf breiter Front ihr Engagement erhöhen.

Deutsche Bank wolle sich bei der Finanzierung von Rüstungsunternehmen zentral positionieren

Von der Aufrüstung in Deutschland wolle auch die Deutsche Bank profitieren. So habe Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing laut Business Insider jüngst die Schaffung eines Fonds speziell für die Finanzierung von kleinen und mittleren Unternehmen in der Rüstungsindustrie angekündigt. In einem Gastkommentar für das "Handelsblatt" habe er sich zudem dafür ausgesprochen, dass der Staat für die Bankkredite in der Rüstungsindustrie teilweise garantieren solle. Diese Kombination aus staatlichen und privaten Mitteln solle den Ausbau von Kapazitäten in der Verteidigung beschleunigen und für mehr Sicherheit sorgen. Dabei beziffere er das Kreditportfolio der Deutschen Bank in der Verteidigungsindustrie auf einen mittleren zweistelligen Milliardenbetrag.

Auch BNP Paribas wolle von der Aufrüstung profitieren

Vor dem Hintergrund der europäischen Aufrüstungsprogramme habe die französische Großbank BNP Paribas jüngst einen börsengehandelten Fonds für die Finanzierung der Verteidigungsindustrie aufgelegt. Damit wolle die Bank die gestiegene Nachfrage von Anlegern nach der Rüstungsindustrie bedienen, die von den weitreichenden staatlichen Aufrüstungsprogrammen profitieren wollten.

Neben Deutschland sei Frankreich ein wichtiger Markt für das Finanzierungsgeschäft, da das Land ein wesentlicher Akteur beim Ausbau der europäischen Verteidigung auch ein wichtiger Markt für das Finanzierungsgeschäft sei. Davon wolle sich die BNP Paribas als zentraler Ansprechpartner positionieren und habe bereits die Finanzierung in einer Reihe von Projekten bereitgestellt.

UniCredit unter Andrea Orcel mit Expansionsambitionen

Seit seinem Amtsantritt im April 2021 verfolge UniCredit-CEO Andrea Orcel eine ehrgeizige Expansionsstrategie mit dem Ziel, eine europäische Großbank mit Sitz in Mailand aufzubauen. Nach Rekordquartalsergebnissen fokussiere sich die italienische Bank auf die Übernahme der Commerzbank und halte bereits 29,99% der Anteile - knapp unter der Schwelle für ein Pflichtangebot.

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp reagiere mit drastischen Abwehrmaßnahmen. Bis 2028 sollten 3.900 Stellen gestrichen werden, davon 3.300 in Deutschland, hauptsächlich in Stabsfunktionen und im Backoffice am Frankfurter Standort. Diese Restrukturierung solle die Bank für Investoren attraktiver machen und den Übernahmepreis in die Höhe treiben. Infolgedessen habe auch die Commerzbank kürzlich ihren höchsten Quartalsgewinn seit 2011 gemeldet.

Die Übernahmepläne würden jedoch auf politischen Widerstand stoßen: SPD-Chef Lars Klingbeil habe das "unfreundliche Vorgehen" der UniCredit kritisiert. Dennoch halte der ehemalige UBS-Investmentbankchef Orcel unbeirrt an seinen Commerzbank-Plänen fest.

Auch im deutschen Finanzierungsgeschäft sei die UniCredit stark positioniert und belege regelmäßig führende Platzierung in Branchenrankings bei der Finanzierung von Vorhaben und der Ausgabe von Anleihen. (19.06.2025/ac/a/m)

Archivbeitrag vom 19.06.2025. Angaben und Einschätzungen beziehen sich auf den damaligen Stand.

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