Aktien des Tages

Deutsche Telekom Aktie: Zunehmend operativer KI-Einsatz

Wien (www.aktiencheck.de) - Deutsche Telekom-Aktienanalyse der Raiffeisen Bank International AG:

Andreas Schiller, Analyst der Raiffeisen Bank International AG (RBI), rät in einer aktuellen Aktienanalyse die Aktie der Deutsche Telekom AG (ISIN: DE0005557508, WKN: 555750, Ticker-Symbol: DTE, NASDAQ OTC-Symbol: DTEGF) weiterhin zu kaufen.

Der Konzernumsatz sei in Q1 um 0,4% auf EUR 29,87 Mrd. gestiegen und habe damit die durchschnittlichen Erwartungen von EUR 26,8 Mrd. deutlich übertroffen. Organisch sei das Wachstum mit 4,7% klar höher ausgefallen. Auch der Service-Umsatz habe sich solide entwickelt und sei um 0,8% auf EUR 25,04 Mrd. gestiegen, organisch habe das Plus 4,6% betragen. Das bereinigte EBITDA AL habe sich um 2,0% auf EUR 11,52 Mrd. erhöht, organisch sogar um 7,5%. Die bereinigte EBITDA-AL-Marge habe sich auf 38,6% verbessert. Unter dem Strich habe sich ein deutlicher Unterschied zwischen bereinigter und berichteter Ergebnisentwicklung gezeigt: Der bereinigte Gewinn je Aktie habe um 7,9% auf EUR 0,54 zugelegt. Damit sei auch die durchschnittliche Erwartung von EUR 0,46 je Aktie übertroffen worden. Das berichtete Ergebnis je Aktie habe dagegen bei EUR 0,42 gelegen und sei damit unter den Erwartungen von EUR 0,47 geblieben, belastet durch höhere Sondereinflüsse und den Wegfall positiver Vorjahreseffekte. Der Free Cashflow AL habe sich leicht um 0,7% auf EUR 5,69 Mrd. erhöht.

Regionale Entwicklung: In den USA sei der Umsatz um 10,9% auf USD 23,11 Mrd. gestiegen, während das bereinigte EBITDA AL um 12,9% auf USD 9,06 Mrd. zugelegt habe. In EUR sei die Dynamik wegen negativer Währungseffekte deutlich gedämpfter ausgefallen, mit einem Umsatzrückgang um 0,3% auf EUR 19,74 Mrd. und einem Plus beim bereinigten EBITDA AL von 1,5% auf EUR 7,74 Mrd. Operativ hätten höhere Service-Umsätze und die größere Postpaid-Kundenbasis die Entwicklung gestützt; zugleich hätten die Integration von UScellular und die geplanten Glasfaser Joint-Ventures die strategische Agenda im US-Markt geprägt. In Deutschland habe sich das Geschäft stetig entwickelt: Der Umsatz sei um 1,9% auf EUR 6,34 Mrd. gestiegen, das bereinigte EBITDA AL um 2,5% auf EUR 2,70 Mrd. Rückenwind sei von höheren Service-Umsätzen sowie aufgrund verbesserter Kostenstrukturen gekommen. Europa sei ebenfalls auf Wachstumskurs geblieben. Der Umsatz habe sich um 1,2% auf EUR 3,09 Mrd. erhöht, organisch habe das Plus bei 2,1% gelegen. Das bereinigte EBITDA AL sei mit 4,8% auf EUR 1,20 Mrd. gestiegen.

Bei den Kundenzahlen habe sich ein solides Bild gezeigt. In Deutschland sei die Zahl der Mobilfunk-Vertragskund:innen gegenüber dem Vorjahr um 4,2% auf 27,9 Mio. gestiegen, während die Zahl der glasfaserbasierten Retail-Anschlüsse um 1,2% auf 13,4 Mio. zugenommen habe. Gleichzeitig sei der klassische Festnetztrend rückläufig geblieben. In den USA sei der Vergleich durch eine neue Berichtslogik geprägt: T-Mobile US weise seit Q1 nicht mehr die Gesamtzahl der Postpaid- und Prepaid-Kund:innen aus, sondern Postpaid-Kundenkonten. Diese seien gegenüber dem Vorjahr um 10,7% auf 34,4 Mio. gestiegen und hätten sich im Quartal um 217 Tsd. Konten erhöht. In Europa seien die berichteten Mobilfunkzahlen durch Definitionsänderungen in Polen und Griechenland verzerrt worden. Auf ausgewiesener Basis sei die Zahl der Mobilfunk-Vertragskund:innen auf 25,5 Mio. gesunken. Ohne diesen Effekt habe das Segment gegenüber dem Jahresende jedoch ein leichtes Plus verzeichnet. Die Wechselraten seien in den Kernmärkten auf niedrigem Niveau geblieben, hätten im Jahresvergleich aber leicht angezogen. In Deutschland sei die Churn Rate bei Mobilfunk-Vertragskund:innen von 0,8% auf 0,9% gestiegen. In den USA habe sie sich bei den Postpaid Accounts von 0,94% auf 1,04% erhöht. Die Entwicklung spreche für eine weiterhin solide Kundenbindung, zeige aber zugleich etwas höhere Wechselaktivität.

Das Wettbewerbsumfeld bleibe aufgrund struktureller Trends herausfordernd.

In Deutschland bleibe 1&1 als vierter Mobilfunknetzbetreiber ein zusätzlicher Wettbewerbsfaktor: Verkaufsgerüchte an Telefónica seien zwar zurückgewiesen worden, der eigene Netzausbau solle bis Ende 2026 aber eine Haushaltsabdeckung von etwa 35,0% bis 40,0% erreichen. Gleichzeitig verschiebe sich der Glasfaserwettbewerb von der reinen Ausbauzahl stärker zur tatsächlichen Nutzung der Netze. Externe Marktstudien würden zeigen, dass immer mehr Haushalte mit Glasfaser erreichbar seien, Aktivierung und Auslastung aber hinter dem Ausbau zurückblieben. Dadurch gewönnen Open Access, Kooperationen und mögliche Konsolidierung kleinerer Anbieter an Bedeutung. Auch in den USA werde der Wettbewerb breiter. Verizon habe in Q1 2026 wieder bessere operative Dynamik gezeigt und erstmals seit 2013 positive Postpaid-Phone-Nettozugänge in einem ersten Quartal erreicht. AT&T setze stark auf die Bündelung von Glasfaser, Fixed Wireless und Mobilfunk, während Cable-MVNOs zusätzlichen Druck erzeugen würden, indem sie Mobilfunkangebote über bestehende Breitbandkundenbeziehungen bündeln würden und einen großen Teil der Branchen-Nettozugänge auf sich ziehen würdeb.

KI-Strategie: Die Deutsche Telekom habe KI in Q1 stärker als praktischen Effizienz- und Infrastrukturhebel genutzt. Im laufenden Betrieb unterstütze KI inzwischen Netzsteuerung, Glasfaserausbau, Kundenservice und Softwareentwicklung. Gleichzeitig erweitere der Konzern seine Positionierung bei souveräner digitaler Infrastruktur: Neben der Industrial AI Cloud mit Nvidia habe die Telekom gemeinsam mit SAP den Zuschlag für eine souveräne KI-Plattform der öffentlichen Verwaltung erhalten. Die Plattform solle Bund, Ländern und Kommunen eine gemeinsame technische Grundlage für KI-Anwendungen bieten, etwa für Dokumentenverarbeitung, Wissensmanagement sowie Planungs- und Genehmigungsverfahren.

DT stärke ihre Netzposition zukünftig über hybride terrestrisch-satellitengestützte Infrastruktur. Gemeinsam mit Starlink sollten ab 2028 in mehreren europäischen Märkten mobile Dienste auch dort verfügbar werden, wo klassischer Netzausbau wegen Topografie, Naturschutz oder anderer Einschränkungen schwierig sei.

Finanzprofil und Kapitalrückführung: Für das Geschäftsjahr 2025 sei bereits im April eine Dividende in Höhe von EUR 1,00 je Aktie (Erhöhung von 11%) ausgeschüttet worden. Zusätzlich laufe das Aktienrückkaufprogramm 2026: Bis Ende März seien bereits 15,6 Mio. eigene Aktien im Volumen von EUR 0,50 Mrd. zurückerworben worden, bei einem geplanten Gesamtvolumen von bis zu EUR 2,00 Mrd. Auch das Finanzprofil habe im Quartalsumfeld Rückenwind erhalten: S&P habe das langfristige Emittentenrating von BBB+ auf A- angehoben und einen stabilen Ausblick bestätigt. Die Hochstufung ergänze die solide Bilanz- und Cashflow-Story des Konzerns, der seine Verschuldungskennzahlen weiterhin innerhalb der eigenen Komfortzone halte.

Moderate Bewertung: Verglichen mit den europäischen Mitbewerbern notiere DT bei den meisten Forward-Multiples mit einem Aufschlag, was vor allem auf die solide Profitabilität zurückzuführen sei. Auf Basis ausgewählter Forward-Kennzahlen (KGV, EV/Sales, EV/EBITDA etc.) notiere die Aktie aktuell etwas unter dem eigenen langfristigen Durchschnitt. Verglichen mit dem zehnjährigen durchschnittlichen Bewertungsaufschlag in Bezug auf den Markt sowie den eigenen Sektor sei aber noch Luft nach oben vorhanden.

Ausblick: Für das Geschäftsjahr 2026 habe die Deutsche Telekom ihre Prognose leicht erhöht. Das bereinigte EBITDA AL solle nun rund EUR 47,5 Mrd. erreichen. Auf Basis eines unterstellten EUR/USD-Kurses von 1,17 erwarte die Deutsche Telekom für das Geschäftsjahr 2026 ein bereinigtes EBITDA AL von rund EUR 46,4 Mrd. Damit liege die Prognose nahezu auf Höhe des Konsenses von EUR 46,6 Mrd. Für das Geschäft außerhalb der USA stelle der Konzern auf dieser Basis ein bereinigtes EBITDA AL von EUR 15,4 Mrd. in Aussicht, verglichen mit einem Konsens von EUR 15,5 Mrd. T-Mobile US solle rund EUR 31,0 Mrd. beitragen und liege damit ebenfalls nahe am Konsens von EUR 31,1 Mrd. Beim Free Cashflow AL erwarte die Deutsche Telekom auf Basis konstanter Wechselkurse mehr als EUR 19,3 Mrd. Der Konsens liege bei EUR 19,5 Mrd. Das Geschäft außerhalb der USA solle EUR 3,7 Mrd. beitragen, während T-Mobile US mit rund EUR 15,7 Mrd. ebenfalls nahezu auf Konsensniveau liege. Das bereinigte Ergebnis je Aktie werde mit EUR 2,20 erwartet und liege damit leicht über dem Konsens von EUR 2,17. Insgesamt bestätige der Ausblick eine robuste operative Entwicklung, liege bei EBITDA AL und Free Cashflow AL aber eher nahe am Konsens als klar darüber.

DT habe in Q1 2026 eine solide operative Entwicklung mit starkem organischem Wachstum, robuster US-Dynamik und insgesamt stabiler Ergebnisqualität gezeigt. Strategisch bleibe der Konzern mit KI, digitaler Souveränität, Glasfaser, 5G und künftig satellitengestützter Konnektivität gut positioniert. Auch finanziell wirke die Investmentstory weiterhin grundsolide: Das verbesserte Rating, die laufende Kapitalrückführung und die leicht angehobene Prognose würden das Gesamtbild stützen. Die Bewertung sei nicht explizit günstig, lasse angesichts der Profitabilität und des Vergleichs mit dem eigenen historischen Bewertungsniveau aber weiter Spielraum.

Andreas Schiller, Analyst der RBI, bestätigt seine bisherige KAUF-Empfehlung sowie sein Kursziel in Höhe von EUR 34 je Aktie. Das Kursziel basiere auf einem Multiple-Ansatz, die Zahlen auf Konsens- und eigenen Schätzungen. Der relative Bewertungsansatz berücksichtige eine historisch faire Bewertung inklusive einer leicht reduzierten Prämie im Vergleich zur eigenen 10-Jahres-Historie sowie zum Gesamtmarkt und Sektor. (Analyse vom 22.05.2026)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU für das genannte Analysten-Haus:

Offenlegungen

3. RBI oder eine mit ihr verbundene juristische Person ist Market Maker oder Specialist oder Designated Sponsor oder Stabilisierungsmanager oder sonstiger Liquiditätsspender in den Finanzinstrumenten des Emittenten.

Offenlegung von Umständen und Interessen, die die Objektivität der RBI gefährden könnten: www.raiffeisenresearch.com/disclosuresobjectivity (22.05.2026/ac/a/d)

Archivbeitrag vom 22.05.2026. Angaben und Einschätzungen beziehen sich auf den damaligen Stand.

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