Aktien des Tages

Deutsche Post Aktie: Am fairen Preis angekommen

Wien (www.aktiencheck.de) - Deutsche Post-Aktienanalyse von der Raiffeisen Bank International AG:

Manuel Stahl, Analyst der Raiffeisen Bank International AG (RBI), nimmt die Aktie der Deutschen Post (ISIN: DE0005552004, WKN: 555200, Ticker-Symbol: DHL, NASDAQ OTC-Symbol: DPSTF) unter die Lupe.

Q3 25: Der Umsatz habe sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,3% auf EUR 20,1 Mrd. verringert, habe damit aber dennoch knapp über den Konsensschätzungen von EUR 20,0 Mrd. gelegen. Als Gründe für den Rückgang seien vor allem negative Währungseffekte sowie Volumenrückgänge auf den Routen in die USA genannt worden. Nichtsdestotrotz habe der deutsche Logistikkonzern seinen operativen Gewinn (EBIT) um 7,6% auf EUR 1,5 Mrd. gesteigert, während sich die Erwartungen der Analyst:innen auf lediglich EUR 1,3 Mrd. belaufen hätten.

Die Aussetzung der US‑amerikanischen De‑Minimis‑Regel, welche bislang die steuer‑ und zollfreie Einfuhr von Warensendungen bis zu einem Wert von USD 800 geregelt habe, habe im vergangenen August einen Rückgang des Handelsvolumens auf den US‑Routen verursacht und habe einige Versandunternehmen vor neue logistische Herausforderungen gestellt. Nachdem die Deutsche Post den Paketversand in die USA für Geschäftskund:innen zunächst ausgesetzt habe, habe dieser nach rund einem Monat wieder aufgenommen werden können. Wenige Wochen später habe das Unternehmen schließlich eine neue Zolllösung namens "DHL Consolidated Clearance Service" vorgestellt, mithilfe derer insbesondere Geschäftskund:innen mit hohen Sendungsvolumina von einem einfacheren und kosteneffizienteren Zollabfertigungsprozess profitieren sollen, indem mehrere Sendungen zu einer Zollanmeldung zusammengefasst würden. Mit dieser spezialisierten Versandmethode solle die Deutsche Post von den komplexeren Abwicklungsbedingungen profitieren und die negativen Zolleffekte ein Stück weit ausgleichen.

Im Zuge des verfolgten Sparprogramms habe die Deutsche Post Anfang des Jahres angekündigt, bis Ende 2025 8.000 Stellen im deutschen Brief‑ und Paketgeschäft abbauen zu wollen, was rund 4% der Belegschaft in diesem Bereich entspreche. Damit sollten bis 2027 Kosten in Höhe von etwa EUR 1,0 Mrd. eingespart werden. Den im vergangenen Juli durchgesetzten Preiserhöhungen für Privatkund:innen seien Mitte Oktober individuelle Preisanpassungen für Geschäftskund:innen gefolgt, mit denen die Profitabilität des Konzerns zusätzlich gestärkt werden sollte, wenngleich den Preisanhebungen ebenso gestiegene Lohn‑, Transport‑ und Zustellkosten gegenüberstünden. Stahl erwarte aber dennoch, dass die Deutsche Post mithilfe der Kostenbemühungen die zuletzt positive operative Margenentwicklung beibehalten könne.

Die Deutsche Post sei aktuell verstärkt direktem sowie indirektem regulatorischem Druck ausgesetzt. Einerseits würden die Stimmen der deutschen Monopolkommission lauter, wonach die derzeitige Umsatzsteuerbefreiung für Geschäftskundenbriefe der Deutschen Post den Wettbewerb verzerre und folglich abgeschafft werden sollte. Der Logistikkonzern argumentiere, dass die Befreiung durch den erbrachten Universaldienst – also die flächendeckende Zustellung auch außerhalb der lukrativen Ballungsräume – gerechtfertigt sei und eine Abschaffung mit Jobverlusten einhergehen würde. Andererseits plane die EU, die Zollbefreiung für Pakete chinesischer Onlinehändler (z. B. Shein, Temu) aufgrund der Kritik von Verbraucherschützern und Wirtschaftsverbänden bereits im Jahr 2026 abzuschaffen. Ähnlich wie in den USA würde die Deutsche Post mit einer Umstellung ihrer Zollabwicklung sowie einem voraussichtlichen Rückgang des aktuell hohen Sendungsvolumens konfrontiert werden.

Angetrieben vom starken Gewinnanstieg im dritten Quartal habe die Deutsche Post in den vergangenen Wochen deutliche Kurszuwächse verzeichnet. Der darauffolgende Anstieg des zukunftsgerichteten KGVs auf einen Wert von unter 14 lasse die Aktie aus Bewertungssicht jedoch nach wie vor recht günstig erscheinen, zumal sie einen Branchendiscount von 10% aufweise. Im Vergleich zum eigenen Median der letzten zehn Jahre handle der historisch preiswerte Anteilsschein nun hingegen etwas teurer. Unter Berücksichtigung weiterer Preis‑ und EV‑Multiples stufe Stahl die Aktie aktuell als relativ fair bewertet ein.

Ausblick: Die bisherige Gesamtjahresprognose für 2025 sei bestätigt worden. Demnach rechne die Deutsche Post mit einem operativen Ergebnis von mindestens EUR 6,0 Mrd. sowie einem freien Cashflow von etwa EUR 3,0 Mrd. Des Weiteren befinde sich das Unternehmen auf einem guten Weg, das Einspar‑Minimalziel von EUR 1,0 Mrd. für das gesamte Jahr zu erreichen. Der Ausblick berücksichtige wie auch zuletzt keine weiteren Eskalationen der derzeitigen Zoll‑ oder Handelspolitik.

In den vergangenen Monaten habe die Deutsche Post neben ihrer strikten Kostendisziplin auch eine starke Anpassungsfähigkeit bei drastischen handelspolitischen Verschiebungen bewiesen. Das Ergebnis könne sich sehen lassen: In dem herausfordernden Marktumfeld habe es der Logistikkonzern nämlich geschafft, seinen operativen Gewinn zum wiederholten Mal deutlich zu steigern, wodurch der Aktienkurs zuletzt nach oben getrieben worden sei. Folglich schrumpfe bewertungstechnisch jedoch auch der Raum für weiteres Kurswachstum.

Manuel Stahl, Analyst der Raiffeisen Bank International AG, erhöht somit sein Kursziel von EUR 42,00 auf EUR 46,00, was unter Berücksichtung der aktuellen Dividendenrendite von rund 4% einer HALTEN-Empfehlung entspricht. Das Kursziel basiere auf einem Multiple-Ansatz, die Zahlen auf Konsens- und eigenen Schätzungen. Der relative Bewertungsansatz berücksichtige die historische Bewertung inklusive Dividende sowie Prämie im Vergleich zur eigenen Historie sowie zum Gesamtmarkt und Sektor. (Analyse vom 12.12.2025)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU für das genannte Analysten-Haus:

Offenlegungen:

7. Der zuständige Analyst oder eine sonstige an der Erstellung der Finanzanalyse mitwirkende natürliche Person oder eine sonstige natürliche Person von Raiffeisen Research besitzt Finanzinstrumente des von ihm analysierten Emittenten.

Offenlegung von Umständen und Interessen, die die Objektivität der RBI gefährden könnten: www.raiffeisenresearch.com/disclosuresobjectivity (12.12.2025/ac/a/d)

Archivbeitrag vom 12.12.2025. Angaben und Einschätzungen beziehen sich auf den damaligen Stand.

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