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Oracle Quartalszahlen Q1: 121% Cloud-Wachstum - Aktie springt vorbörslich 6,8%!

Im Artikel
Bad Marienberg (www.aktiencheck.de) - 🔥 Von der Enttäuschung zum Comeback über Nacht: Die Oracle-Aktie liefert Anlegern derzeit ein spektakuläres Wechselbad. Am 10. September ging das Papier bei 152,94 USD aus dem regulären Handel – ein Tagesverlust von 8,69 USD beziehungsweise 5,38%. Am 11. September folgte die Kehrtwende: Um 5:04 Uhr EDT notierte die Aktie vorbörslich bei 163,24 USD und damit 10,30 USD oder 6,73% über dem Vortagesschluss.

Auslöser sind Quartalszahlen, die weit über gewöhnliches Wachstum hinausgehen. Oracle steigerte den Umsatz im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 um 30% auf den Rekordwert von 19,3 Mrd. USD. Die Cloud-Erlöse erhöhten sich um 62% auf 11,6 Mrd. USD. Damit wird immer deutlicher: Aus dem Datenbankpionier ist ein ernst zu nehmender Anbieter von KI-Infrastruktur geworden.

Die heftige Kursreaktion zeigt aber auch die hohen Erwartungen. Entscheidend ist, ob Oracle sein KI-Auftragsvolumen profitabel und ohne ausufernden Kapitalbedarf in Umsatz und Cashflow umwandeln kann.

121% Wachstum: Oracle Cloud Infrastructure zündet den Turbo

☁️ OCI wird zum Wachstumsmotor

Der Star des Quartals heißt Oracle Cloud Infrastructure, kurz OCI. Der Umsatz stieg in US-Dollar um 121% auf 7,4 Mrd. USD; bei konstanten Wechselkursen betrug das Plus 120%. Ein solches Tempo ist für einen Konzern dieser Größe außergewöhnlich und zeigt, dass Oracle im Rennen um KI-Rechenleistung aufholt.

Unterstützt wurde der Sprung durch zusätzliche 850 Megawatt Rechenzentrumskapazität. Das ist entscheidend, denn die Nachfrage nach KI-Training und KI-Inferenz wächst laut Oracle weiterhin schneller als das Angebot. Neue Kapazität dürfte deshalb rasch Erlöse erzeugen – sofern Bau, Energieversorgung und Hardwarelieferungen planmäßig verlaufen.

Die Cloud-Anwendungen wuchsen um 10% auf 4,2 Mrd. USD. Gleichzeitig sank der Softwareumsatz wegen der Migration lokaler Systeme in die Cloud um 3% auf 5,5 Mrd. USD. Der Rückgang ist Teil des Umbaus, bleibt aber ein Risiko: Die Cloud muss das Altgeschäft ersetzen und die hohen Investitionen verdienen. Die Serviceerlöse stiegen um 5% auf 1,4 Mrd. USD, der Hardwareumsatz um 15% auf 0,8 Mrd. USD.

Gewinne steigen – der freie Cashflow bleibt negativ

💰 Ergebnisstärke trifft auf enormen Investitionsbedarf

Der GAAP-Betriebsgewinn erhöhte sich um 57% auf 6,7 Mrd. USD, der bereinigte Betriebsgewinn um 31% auf 8,2 Mrd. USD. Der GAAP-Nettogewinn stieg um 60% auf 4,7 Mrd. USD, der bereinigte Nettogewinn um 34% auf 5,8 Mrd. USD. Das GAAP-Ergebnis je Aktie verbesserte sich um 55% auf 1,56 USD, das bereinigte Ergebnis je Aktie um 30% auf 1,92 USD.

Der operative Cashflow erreichte den Rekordwert von 23 Mrd. USD und stieg um 184%. Trotzdem lag der freie Cashflow bei minus 5 Mrd. USD. Diese Diskrepanz bringt das Hauptrisiko für die Oracle-Aktie auf den Punkt: Das operative Geschäft produziert viel Liquidität, doch der Ausbau der Cloud-Infrastruktur verschlingt derzeit noch mehr Kapital.

Oracle muss beweisen, dass die Rechenzentren attraktive Renditen erzielen. Verzögerungen, knapper Strom, teure Chips oder eine schwächere Auslastung könnten die Rechnung verschlechtern. Eine schnelle Belegung könnte den negativen freien Cashflow dagegen zur Vorstufe eines größeren, profitablen Cloud-Geschäfts machen.

664 Mrd. USD RPO: Rekordbestand mit Ausführungsrisiko

🤖 Die KI-Nachfrage übersteigt weiterhin das Angebot

Die verbleibenden Leistungsverpflichtungen, die Remaining Performance Obligations oder RPO, stiegen gegenüber dem Vorjahr um 209 Mrd. USD auf 664 Mrd. USD. Allein im ersten Quartal buchte Oracle zusätzliche KI-Cloud-Verträge von mehr als 30 Mrd. USD. Ihre Struktur hat laut Unternehmen keinen zusätzlichen Einfluss auf die Pläne zur Kapitalaufnahme.

Der RPO-Bestand schafft hohe Umsatzvisibilität, ist aber weder sofortiger Umsatz noch garantierter Cashflow. Oracle muss Rechenzentren fertigstellen, Chips installieren und Kapazitäten bereitstellen. Verzögerungen erhöhen Kosten-, Finanzierungs- und Projektrisiken.

Seit Ende des vierten Quartals lieferte Oracle mehr als 300.000 GPUs an KI-Cloud-Kunden aus. Die bereitgestellte Kapazität erreichte fast das Dreifache des vorherigen Quartals. Der Auftragsbestand übersetzt sich damit bereits in Rechenleistung und OCI-Umsätze.

20 Mrd. USD Eigenkapital: Sicherheit gegen Verwässerung

⚠️ Die Finanzierung bleibt ein neuralgischer Punkt

Oracle schloss im Quartal den Verkauf von Stammaktien im Wert von 20 Mrd. USD vor Provisionen über ein At-the-Market-Programm ab. Das stärkt die Finanzierung des Investitionsprogramms und reduziert den Druck, den Ausbau ausschließlich über Schulden zu bezahlen.

Für Aktionäre hat die Maßnahme einen Preis: Neue Aktien verwässern ihren Anteil und können den Gewinn je Aktie bremsen. Das starke Ergebniswachstum fängt dies bislang auf. Dass die neuen KI-Verträge laut Oracle keinen zusätzlichen Finanzierungsbedarf auslösen, entschärft die Sorge vor weiteren Kapitalmaßnahmen, beseitigt sie aber nicht.

Starker Ausblick erhöht zugleich die Fallhöhe

🚀 Bis zu 71% Cloud-Wachstum im zweiten Quartal

Für das zweite Quartal 2027 erwartet Oracle ein Umsatzwachstum von 30% bis 34%. Die Cloud-Erlöse sollen in US-Dollar um 65% bis 71% und währungsbereinigt um 64% bis 70% zulegen. Das bereinigte Ergebnis je Aktie soll in US-Dollar zwischen 1,85 USD und 1,93 USD liegen. Ohne den einmaligen Gewinn aus dem Verkauf der Ampere-Beteiligung im Vergleichsquartal entspräche das einem Plus von 21% bis 25%.

Einschließlich dieses Sondereffekts würde das bereinigte Ergebnis je Aktie optisch um 18% bis 14% sinken. Anleger sollten den Basiseffekt daher nicht mit operativer Schwäche verwechseln.

Für 2027 stellt Oracle mindestens 90 Mrd. USD Umsatz und ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 8,10 USD in Aussicht. Damit gilt der Jahresauftakt nicht als Ausreißer. Zugleich steigt die Fallhöhe: Oracle muss zeigen, dass Kapazitätsausbau und Umsatzrealisierung Schritt halten.

KI-Plattformen könnten Oracles Burggraben verbreitern

🧠 Unternehmensdaten und Medizin als neue Wachstumsfelder

Die Oracle AI Data Platform soll Unternehmensontologien automatisch erstellen, damit KI private Daten verstehen und Prozesse automatisieren kann. Die Verbindung aus Datenbanken, Anwendungen und Cloud-Infrastruktur könnte Nachfrage und Kundenbindung erhöhen. Auch das neue agentische System für Gesundheitsmanagement bietet Potenzial. Fehlerhafte Empfehlungen, Datenschutz-, Regulierungs- und Haftungsfragen könnten die Einführung jedoch bremsen.

Analysten nach den Zahlen: viermal "Buy"

📊 Kursziele reichen bis 290 USD

Die im bereitgestellten TipRanks-Screenshot aufgeführten Einschätzungen fallen durchweg positiv aus. Brent Thill von Jefferies bestätigte am 11. September 2026 sein Rating "Buy" und das Kursziel von 290 USD. Gegenüber dem Schlusskurs von 152,94 USD entspricht das einem rechnerischen Aufwärtspotenzial von 89,62%.

Samik Chatterjee von J.P. Morgan bekräftigte am 11. September sein Rating "Buy" mit einem Kursziel von 200 USD. Das Potenzial gegenüber dem genannten Schlusskurs beträgt 30,77%.

Raimo Lenschow von Barclays bestätigte am 10. September sein Rating "Buy" und das Kursziel von 250 USD. Daraus ergibt sich ein rechnerisches Potenzial von 63,46%.

Kirk Materne von Evercore ISI bekräftigte am 10. September ebenfalls sein Rating "Buy". Im Screenshot ist für diese Einschätzung kein Kursziel ausgewiesen. Deshalb bleibt es ausdrücklich bei der Rating-Angabe, ohne eine Zahl zu ergänzen.

Die Einigkeit ist kein Freibrief. Die Spanne von 200 USD bis 290 USD zeigt, wie unterschiedlich Wachstum, Margen, Investitionsbedarf und RPO-Umwandlung bewertet werden.

Chancen und Risiken der Oracle-Aktie

Die wichtigsten Chancen:

• OCI wächst um 121% und profitiert von hoher KI-Nachfrage.

• 664 Mrd. USD RPO schaffen langfristige Umsatzvisibilität.

• Mehr als 300.000 GPUs und 850 Megawatt neue Kapazität belegen die Umsetzung.

• Bis zu 71% erwartetes Cloud-Wachstum signalisiert anhaltenden Schwung.

• Datenbanken, Anwendungen, Infrastruktur und KI-Agenten bilden ein Gesamtangebot.

Die wichtigsten Risiken:

• Ein freier Cashflow von minus 5 Mrd. USD zeigt die enorme Kapitalintensität.

• Der Aktienverkauf über 20 Mrd. USD verwässert bestehende Aktionäre.

• Der Rekordauftragsbestand muss erst profitabel umgesetzt werden.

• Energie-, Chip-, Bau- und Lieferengpässe könnten neue Kapazitäten verzögern.

• Der Softwareumsatz sank um 3%, während die Kursreaktionen extreme Erwartungen widerspiegeln.

Fazit: Jetzt muss aus KI-Wachstum freier Cashflow werden

30% Umsatzwachstum, 62% mehr Cloud-Erlöse, 121% Wachstum bei OCI und 664 Mrd. USD RPO liefern Argumente für die Bullen. Der vorbörsliche Sprung auf 163,24 USD ist nach dem Rückgang auf 152,94 USD nachvollziehbar.

Der entscheidende Test beginnt dennoch erst. Oracle muss den Auftragsberg abarbeiten, Rechenzentren auslasten und den negativen freien Cashflow drehen. Die Chance liegt in einem mehrjährigen KI-Cloud-Superzyklus. Kapitalbedarf, Ausführungsprobleme oder sinkende Renditen bilden die Gegenseite. Die Optimisten haben das stärkere Quartal auf ihrer Seite – den langfristigen Beweis muss Oracle im Cashflow erbringen.

Und falls dieser Artikel mehr Klarheit geschaffen hat als eine 664-Milliarden-Dollar-Auftragsliste: Unbedingt mit Freunden teilen – sonst müssen sie selbst die Fußnoten lesen, und das möchte man wirklich niemandem zumuten. 😉

Autor: Redaktion, aktiencheck.de

Veröffentlicht am: 11. September 2026

Disclaimer

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Aktien unterliegen Risiken, einschließlich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals. Die Redaktion übernimmt keine Haftung für etwaige Entscheidungen auf Basis dieses Artikels. (11.09.2026/ac/a/a)

Archivbeitrag vom 11.09.2026. Angaben und Einschätzungen beziehen sich auf den damaligen Stand.

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