Bad Marienberg (www.aktiencheck.de) - Oracle Corp. (ISIN: US68389X1054, WKN: 871460, Ticker-Symbol: ORC, NYSE-Symbol: ORCL) steckt in einem ungewöhnlichen Spannungsfeld: Das Cloud- und KI-Geschäft beschleunigt sich spektakulär, gleichzeitig verschlingt der Ausbau der dafür notwendigen Infrastruktur enorme Summen und belastet die Margen. Stifel-Analyst Brad Reback reagiert darauf mit einer differenzierten Aktienanalyse. Stifel senkt das Kursziel für Oracle von 220 auf 200 USD, bestätigt aber das Rating "buy". Beim Schlusskurs von 140,35 USD an der NYSE am Dienstag, an dem Oracle weitere 3,1 % verlor, liegt das Kursziel 200 USD rund 42,6 % höher. Brad Reback sieht damit erhebliches Potenzial, obwohl Stifel die kurzfristigen Belastungen inzwischen stärker berücksichtigt. Die entscheidende Frage für Anleger lautet: Kann das explosive Wachstum von Oracle Cloud Infrastructure die hohen Investitionen und den Margendruck langfristig mehr als kompensieren?
Wer Freunde hat, die bei "Cloud" immer noch zuerst nach draußen zum Himmel schauen, sollte diesen Artikel teilen – bei Oracle regnet es derzeit jedenfalls Milliardeninvestitionen und KI-Verträge.
Autor: Redaktion, aktiencheck.de
Veröffentlicht am: 16. September 2026
Disclaimer
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Aktien unterliegen Risiken, einschließlich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals. Die Redaktion übernimmt keine Haftung für etwaige Entscheidungen auf Basis dieses Artikels. (16.09.2026/ac/a/a)
Brad Reback: Oracle lieferte ein "starkes Quartal"
Der wichtigste Punkt der Stifel-Aktienanalyse ist bemerkenswert: Die Kurszielsenkung folgt nicht auf ein schwaches Quartal. Im Gegenteil. Brad Reback bezeichnet die jüngsten Ergebnisse in deutscher Übersetzung ausdrücklich als "ein starkes Quartal". Oracle konnte beim Cloud-Geschäft kräftig wachsen und erhöhte gleichzeitig seine Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2027 auf mehr als 90 Mrd. USD. Diese Prognose impliziert nach Berechnungen von Stifel ein Wachstum von Oracle Cloud Infrastructure, kurz OCI, von rund 120 %. Ein Geschäft dieser Größenordnung mehr als zu verdoppeln, wäre außergewöhnlich. Genau deshalb hält Brad Reback trotz der Reduzierung auf das Kursziel 200 USD am Rating "buy" fest.OCI explodiert: 120 % Wachstum verändern die Oracle-Story
Oracle Cloud Infrastructure entwickelt sich immer stärker zum Zentrum der Investmentstory. Das Cloud-Geschäft wuchs zuletzt währungsbereinigt um 61 %, während OCI sogar um rund 120 % zulegte. Das Infrastructure-as-a-Service-Geschäft beschleunigte sich noch stärker. Treiber ist vor allem die enorme Nachfrage nach Rechenleistung für künstliche Intelligenz. Oracle baut seine Rechenzentren aggressiv aus, um diese Nachfrage bedienen zu können. Für Brad Reback ist diese Beschleunigung entscheidend. Sinngemäß lautet die positive Kernthese von Stifel: "Das beschleunigte OCI-Wachstum und Effizienzsteigerungen bei den operativen Kosten sollten in den kommenden Jahren zu einem besseren Gewinnwachstum je Aktie führen." Damit blickt die Aktienanalyse bewusst über den aktuellen Margendruck hinaus.Mehr als 30 Milliarden USD neue KI-Verträge
Die enorme Nachfrage ist nicht nur eine Prognose. Oracle hat zuletzt neue KI-Cloud-Verträge im Volumen von mehr als 30 Mrd. USD abgeschlossen. Für Anleger ist das ein starkes Signal, denn diese Verträge schaffen Sichtbarkeit für zukünftige Umsätze. Die entscheidende Herausforderung besteht nun darin, genügend Rechenzentrumskapazität bereitzustellen. Oracle fügte zuletzt rund 850 Megawatt zusätzliche Kapazität hinzu. Das verdeutlicht die Dimension des Ausbaus. Der Konzern versucht, sich neben Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud als zentrale Infrastrukturplattform für das KI-Zeitalter zu etablieren. Gelingt das, könnte sich Oracle von einem klassischen Datenbank- und Softwarekonzern zu einem der wichtigsten Anbieter globaler KI-Infrastruktur entwickeln.Warum Stifel das Kursziel trotzdem von 220 auf 200 USD senkt
Die Kehrseite dieses Wachstums ist teuer. KI-Rechenzentren benötigen GPUs, Netzwerktechnik, Stromversorgung, Kühlung, Gebäude und enorme Mengen an Kapital. Oracle plant deshalb Investitionen in einer Größenordnung von 90 bis 95 Mrd. USD. Genau hier liegt der Grund, warum die Börse trotz des spektakulären OCI-Wachstums nervös bleibt. Die Bruttomarge ist zuletzt deutlich gesunken. Für Stifel ist dieser kurzfristige Margendruck real und darf nicht ignoriert werden. Das Kursziel 200 USD statt zuvor 220 USD reflektiert deshalb eine vorsichtigere Bewertung der nächsten Phase des KI-Ausbaus. Brad Reback bleibt dennoch beim Rating "buy", weil er erwartet, dass das enorme Umsatzwachstum und eine effizientere Kostenbasis langfristig stärker ins Gewicht fallen.Bruttomarge unter Druck – operative Effizienz rettet das Bild
Besonders auffällig ist die Entwicklung der Profitabilität. Die Bruttomarge ist im Jahresvergleich deutlich zurückgegangen. Trotzdem blieb die operative Marge vergleichsweise stabil, weil Oracle an anderer Stelle effizienter arbeitet. Genau dieser Punkt ist für Brad Rebacks Aktienanalyse entscheidend. Das Unternehmen investiert massiv in neue Infrastruktur, schafft es gleichzeitig aber, seine operativen Kosten zu kontrollieren. Sollte OCI weiter dreistellig wachsen, während die Kosten außerhalb der Infrastruktur nur moderat steigen, könnte der operative Hebel in den kommenden Jahren erheblich werden. Stifel setzt deshalb darauf, dass der heutige Margendruck eine Investitionsphase widerspiegelt und nicht zwangsläufig das langfristige Ertragsniveau von Oracle.Gewinn je Aktie schlägt die Erwartungen
Auch beim Ergebnis lieferte Oracle Argumente für die Optimisten. Der Gewinn je Aktie lag zuletzt 0,16 USD über dem oberen Ende der eigenen Prognosespanne. Das ist wichtig, weil es zeigt, dass der Konzern trotz massiver Investitionen operativ weiterhin besser liefern kann als erwartet. Für Brad Reback stärkt dies die These, dass sich das EPS-Wachstum in den kommenden Jahren verbessern könnte. Das Rating "buy" von Stifel basiert damit nicht allein auf der Hoffnung auf zukünftige KI-Umsätze, sondern auch auf der Fähigkeit des Managements, Wachstum und Kostenkontrolle miteinander zu verbinden.Chance Nummer eins: Oracle wird zum KI-Infrastruktur-Schwergewicht
Die größte Chance ist offensichtlich: Oracle könnte sich dauerhaft als vierte große Kraft im globalen Hyperscaler-Markt etablieren. AWS, Microsoft und Google dominieren die öffentliche Cloud, doch KI verändert die Spielregeln. Kunden benötigen enorme Mengen an Rechenleistung und sind zunehmend bereit, Workloads über mehrere Anbieter zu verteilen. Oracle profitiert dabei von seiner bestehenden Position bei Unternehmensdatenbanken und von OCI. Wenn Kunden ihre Daten bereits innerhalb des Oracle-Ökosystems verwalten, kann es attraktiv sein, auch KI-Workloads dort auszuführen. Das erwartete OCI-Wachstum von rund 120 % zeigt, dass diese Strategie derzeit funktioniert.Chance Nummer zwei: Der Auftragsbestand schafft enorme Sichtbarkeit
Oracle verfügt über einen gewaltigen Bestand vertraglich zugesicherter, aber noch nicht als Umsatz verbuchter Leistungen. Für Anleger schafft dies eine ungewöhnlich hohe Visibilität. Neue KI-Verträge von mehr als 30 Mrd. USD verstärken diesen Effekt. Das Problem ist derzeit weniger die Nachfrage als die Fähigkeit, ausreichend Kapazität bereitzustellen. Das ist grundsätzlich eine komfortablere Ausgangslage als fehlende Kunden. Sobald neue Rechenzentren ans Netz gehen, kann Oracle beginnen, einen größeren Teil dieser Verträge in Umsatz umzuwandeln.Chance Nummer drei: Operativer Hebel könnte nach der Investitionswelle zuschlagen
Die aktuelle Investitionsphase belastet Cashflow und Margen massiv. Doch Rechenzentren werden nicht jedes Jahr von Grund auf neu gebaut. Sobald ein größerer Teil der Infrastruktur steht und ausgelastet wird, könnte das Verhältnis zwischen Umsatzwachstum und zusätzlichen Kosten attraktiver werden. Genau hier setzt Brad Rebacks positive These an. Beschleunigtes OCI-Wachstum plus Effizienz bei den operativen Kosten könnte langfristig zu deutlich stärkerem EPS-Wachstum führen. Sollte das eintreten, wäre das Kursziel 200 USD von Stifel trotz der aktuellen Skepsis nachvollziehbar.Risiko Nummer eins: KI-Wachstum frisst gigantische Mengen Kapital
Der größte Risikofaktor ist der Kapitalbedarf. Oracle investiert zweistellige Milliardenbeträge in Rechenzentren und KI-Infrastruktur. Solange die Nachfrage hoch bleibt und die neuen Kapazitäten schnell ausgelastet werden, kann sich dieser Einsatz auszahlen. Problematisch würde es, wenn sich die KI-Nachfrage abschwächt, Kunden Projekte verschieben oder die Preise für Rechenleistung stärker unter Druck geraten. Dann stünden den hohen Investitionen geringere Erträge gegenüber. Anleger müssen deshalb nicht nur auf das OCI-Wachstum schauen, sondern auch auf Kapitalrendite und freien Cashflow.Risiko Nummer zwei: Die Bruttomarge sendet ein Warnsignal
Das Cloud-Infrastrukturgeschäft besitzt strukturell andere Margen als Oracles traditionelles Softwaregeschäft. Server, GPUs, Energie und Rechenzentren verursachen erhebliche Kosten. Je stärker OCI innerhalb des Konzerns wächst, desto stärker kann sich dieser Mixeffekt auf die Bruttomarge auswirken. Genau deshalb ist die Kurszielsenkung von 220 auf 200 USD trotz des Rating "buy" nachvollziehbar. Stifel glaubt an das Wachstum, verlangt aber mehr Vorsicht bei der Bewertung der daraus resultierenden Gewinne.Risiko Nummer drei: Die Konkurrenz heißt Amazon, Microsoft und Google
Oracle wächst schnell, trifft aber auf einige der finanzstärksten Unternehmen der Welt. AWS, Microsoft Azure und Google Cloud investieren ebenfalls massiv in KI-Infrastruktur. Gleichzeitig entwickeln sie eigene Chips, Softwareplattformen und KI-Dienste. Oracle muss deshalb nicht nur Kapazität schaffen, sondern dauerhaft wettbewerbsfähige Preise und technische Leistung bieten. Der derzeitige Nachfrageboom bietet genügend Geschäft für mehrere Anbieter, doch langfristig dürfte der Wettbewerb um große KI-Kunden härter werden.Risiko Nummer vier: Große Verträge bedeuten auch Kundenkonzentration
Milliardenschwere KI-Verträge sorgen für beeindruckende Schlagzeilen, können aber Abhängigkeiten schaffen. Wenn ein erheblicher Teil des zukünftigen Wachstums von wenigen Großkunden abhängt, steigt das Risiko bei Vertragsänderungen oder Investitionskürzungen dieser Kunden. Für Oracle wird deshalb wichtig sein, den KI-Auftragsbestand auf möglichst viele Kunden und Anwendungen zu verteilen. Je breiter die Nachfragebasis wird, desto belastbarer wird das langfristige OCI-Wachstum.Warum 140,35 USD gegen 200 USD jetzt spannend sind
Nach dem Kursrückgang auf 140,35 USD liegt das Stifel-Kursziel 200 USD rund 42,6 % höher. Gleichzeitig hat Brad Reback sein Kursziel um rund 9,1 % reduziert. Diese Kombination zeigt die ungewöhnliche Situation der Oracle-Aktie: Stifel sieht erhebliche Risiken und senkt seine Bewertung, hält den aktuellen Börsenkurs aber dennoch für deutlich zu niedrig. Für Anleger wird entscheidend sein, welche Seite sich durchsetzt – der kurzfristige Margen- und Cashflowdruck oder das enorme Wachstum der KI-Infrastruktur.Was Anleger jetzt bei Oracle beobachten sollten
Vier Kennzahlen dürften besonders wichtig werden. Erstens muss OCI das außergewöhnlich hohe Wachstum möglichst lange aufrechterhalten. Zweitens sollte sich zeigen, dass die Milliardeninvestitionen tatsächlich in entsprechend hohe zusätzliche Umsätze münden. Drittens muss Oracle beweisen, dass die Bruttomargen nach der aggressiven Ausbauphase stabilisiert werden können. Viertens wird der freie Cashflow entscheidend. Je schneller Oracle aus dem massiven Investitionsprogramm nachhaltigen Cashflow generiert, desto überzeugender wird die These von Brad Reback und Stifel.Fazit: Stifel kürzt das Kursziel – aber nicht die KI-Fantasie
Die aktuelle Oracle-Aktienanalyse von Stifel liefert eine ungewöhnlich klare Botschaft. Brad Reback senkt das Kursziel von 220 auf 200 USD, bestätigt aber das Rating "buy". Der Grund für die Vorsicht liegt vor allem im kurzfristigen Margendruck und den enormen Investitionen in KI-Infrastruktur. Gleichzeitig bezeichnet Brad Reback das jüngste Quartal als "stark". Oracle hat die Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2027 auf mehr als 90 Mrd. USD erhöht, OCI könnte rund 120 % wachsen und neue KI-Verträge im Volumen von mehr als 30 Mrd. USD zeigen, dass die Nachfrage derzeit enorm ist. Für Stifel überwiegt damit langfristig die Chance, dass beschleunigtes OCI-Wachstum und effizientere operative Kosten zu stärkerem EPS-Wachstum führen. Beim NYSE-Schlusskurs von 140,35 USD bietet das Kursziel 200 USD rechnerisch rund 42,6 % Potenzial. Die entscheidende Wette lautet deshalb: Kann Oracle seine gigantische KI-Investitionswelle in dauerhaft hohe Gewinne verwandeln? Brad Reback glaubt daran – allerdings mit etwas weniger Euphorie als zuvor. Das Kursziel sinkt, das Rating "buy" bleibt.Wer Freunde hat, die bei "Cloud" immer noch zuerst nach draußen zum Himmel schauen, sollte diesen Artikel teilen – bei Oracle regnet es derzeit jedenfalls Milliardeninvestitionen und KI-Verträge.
Autor: Redaktion, aktiencheck.de
Veröffentlicht am: 16. September 2026
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Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Aktien unterliegen Risiken, einschließlich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals. Die Redaktion übernimmt keine Haftung für etwaige Entscheidungen auf Basis dieses Artikels. (16.09.2026/ac/a/a)
Archivbeitrag vom 16.09.2026. Angaben und Einschätzungen beziehen sich auf den damaligen Stand.