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KOLUMNEN -
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18.01.14 10:56
Wolf of Wall Street

am Mittwoch folgte ich einer Einladung des größten CfD-Anbieters in Deutschland und sah mir als Vorpremiere mit vielen anderen geladenen Gästen (die meisten sicher finanzaffin) den Film „Wolf of Wall Street“ ab. Leonardo DiCaprio spielt den Charakter des smarten, aber skrupellosen Finanzhai  fantastisch – obwohl man sieht, wie unlauter er vorgeht, wirkt er sympathisch, könnte fast Vertrauen erwecken (wären da nicht die zügellosen Exzesse, aber die sehen die Kunden, seine Opfer, ja nicht). Und genau so wirken auch heute noch die unseriösen Finanzberater, das sollte man sich vor Augen halten. Denn die Schwächen des Menschen (in dem Fall v.a. die Gier) haben sich seit den 80er und 90er Jahre nicht geändert. Bleiben Sie also wachsam. Indes:

Die Guten bleiben, die Schlechten verschwinden

Überzeichnet Regisseur Scorsese vieles im Film, übertreibt er? Da meine Börsenkarriere 1984 begann (beruflich ab 1989), habe ich diese Zeiten zum Teil miterlebt. Ich weiß nicht, wie es in den USA ablief, und vor allem weiß ich nicht, wie es in dieses unseriösen „Zocker-Buden“ zuging. Aber ich kann bestätigen, dass vor 20 oder 30 Jahren vieles lockerer war, die Aufsicht viel laxer als heute. Heutzutage würden Jordan Belfort (der Film orientiert sich an seinen Memoiren) andere Strafen drohen, wie Bernie Madoff mit 150 Jahren Haft erfuhr. Ich kann zwar behaupten, dass im Finanzgeschäft weit über 90 % der Akteure seriös und solide agieren (man liest eben nur von den schwarzen Schafen), aber ich habe in den vielen Jahren auch ein paar Charaktere kennen gelernt, die ähnlich gestrickt waren wie Belfort.  Das Gute: Früher oder später verschwinden diese Akteure wieder von der Bildfläche, die guten, seriösen Leute trifft man auch nach Jahren immer wieder. Man sollte diesen Film also wohl auch mit einem Augenzwinkern betrachten. 

Realität und Übertreibung

Allerdings frage ich mich, wie dieser Film auf Menschen außerhalb des Finanz-Bereichs wirkt.  Da IG Markets Sponsor des hiesigen Fußball-Clubs ist, waren auch einige Zweitliga-Profis anwesend. Vielleicht denken diese nun fälschlicherweise, dass es bei Brokern und anderen Finanzmarkt-Akteuren tatsächlich so orgiastisch und skrupellos wie im Film zugeht. Ich hoffe nicht. Jedenfalls haben sie uns nach dem Film nicht anders angeschaut als vorher, was ein Indiz dafür ist, dass sie es realistisch sehen. Aber wer weiß, vielleicht haben sie auch nur gedacht, dass die Anwesenden einfach die Party früh genug verlassen haben. Indes bringt mich das endlich zur Börse (die lange Einleitung zeigt, wie sehr mich dieser Film beschäftigt; und man fragt sich natürlich, ob man etwas verpasst hat - doch ehrlich gesagt, ist mir das egal, ich gehe lieber meinen seriösen, soliden Weg mit der Gewissheit, auch nach 30 Jahren Börsentätigkeit fest verankert zu sein und ein gutes Gewissen haben zu können): 

Party am Höhepunkt verlassen

Die Party zu verlassen, wenn es am schönsten ist, ist meist keine schlechte Idee. Das gilt nun auch für die Börse. Pünktlich zum Optionsverfalltag gab es noch mal eine kleine Übertreibung, ein sog. Short-Squeeze (die Leerverkäufer, die auf fallende Kurse spekulierten, mussten eindecken). Der DAX erreichte per Redaktionsschluss 9789. Damit wächst die Gefahr einer größeren Korrektur, denn die Stimmung ist insgesamt einfach zu optimistisch. Schauen Sie sich die Bankenprognosen für 2014 an: Kursziele meist satt im Plus. Das war 2013 ganz anders, damals waren die Schätzungen sehr verhalten. Gehen Sie davon aus, dass die meisten Marktteilnehmer inzwischen gut investiert sind. Wer soll dann aber noch kaufen?  Sicherlich: Geben die Notenbanken weiter Vollgas (doch in den USA beginnt diesbezüglich schon ein Umdenken) und fließt das Geld mangels Alternativen weiter in den Aktienmarkt, kann die Hausse noch etwas weiter laufen. Aber das Chance/Risiko-Verhältnis für Aktienkäufe ist nun einfach zu schlecht. Da wartet man einfach auf die nächste Korrektur von 10 bis 15 %. Wer sich jetzt noch in den Markt „saugen“ lässt, könnte das später bereuen. Weiter unten diskutiere ich sogar eine Spekulation auf fallende Kurse.

Herzlichst Ihr

Hans-Jürgen Haack

P.S. Am 18.01.2014, 13.45 Uhr, halte ich auf dem Börsentag in Dresden, Saal 4, einen Vortrag mit dem Thema: „Charttechnische Analyse der wichtigsten Märkte“.  Ich würde mich freuen, den einen oder anderen Leser begrüßen zu dürfen und stehe anschließend wie immer auch für Gespräche zur Verfügung.






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