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18.03.20 08:57
Drägerwerk-Kurs hebt ab - Virus sorgt für Großauftrag

Wenn man auf das richtige Pferd setzt, lässt sich an der Börse in jeder Phase Geld gewinnen. Diese Erkenntnis gewinnen Anleger selbst in diesen Tagen.

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Quelle: wikifolio.com

So konnte sich die Aktie von  Drägerwerk innerhalb weniger Tage in der Spitze fast verdoppeln. Schuld daran ist wie momentan fast immer das Coronavirus. Drägerwerk gilt schon länger als einer der potenziellen Profiteure der Pandemie. Am Freitagnachmittag meldete der Medizintechnik-Konzern nun, dass die Bundesregierung neben Schutzausstattung für Krankenhauspersonal auch 10.000 Beatmungsgeräte bei Drägerwerk orderte und man deshalb eine erhebliche Ausweitung der Produktionskapazitäten plane. Die Aktie beendete den Handelstag mit einem Plus von 16 Prozent.

Zum Wochenstart schoss der Kurs dann zeitweise sogar um fast 70 Prozent in die Höhe. Zum Schluss blieb immerhin noch ein Tagesgewinn von 21 Prozent übrig. Dabei warnen Analysten auch davor, dass es aufgrund möglicher Produktionsengpässe in China zu Lieferschwierigkeiten bei den erforderlichen Komponenten kommen könnte. Zudem würden erhebliche Überkapazitäten drohen, falls der Kampf gegen das Virus schneller als erwartet gewonnen wird. Sollte indes alles noch viel länger andauern, dürfte Drägerwerk wohl tatsächlich profitieren.

Das perfekte Timing

Björn Bröcher (  Rogall ) hat sein wikifolio  Aktien-Werte und Trading in den vergangenen Wochen ganz gezielt mit solchen Unternehmen gefüllt. Schon Ende Februar, also kurz vor dem massiven Kursrückgang an den Märkten, berichtete er über „Umschichtungen zu möglichen Profiteuren der Situation“ und nannte dabei etwa Paul Hartmann, einen Hersteller von Desinfektionsmitteln. Die Aktie ist aktuell die zweitgrößte Position in dem wikifolio, das seit der Erstellung im Oktober 2014 auf ein Kursplus von 87 Prozent kommt. Der Dax liegt im selben Zeitraum übrigens leicht im Minus. 

Auch Drägerwerk zählt mit einem Depotanteil von aktuell sechs Prozent zu den Schwergewichten. Bei der Aktie hat Bröcher ein richtig gutes Timing bewiesen. So wurde die Position schon am vergangenen Mittwoch aufgebaut, so dass er den Hype der vergangenen Tage voll mitnehmen konnte. Einige Stücke wurden mittlerweile mit Gewinnen von bis zu 65 Prozent verkauft. Beim Rest liegt er mit 50 Prozent vorne.

Abgesichert werden die Aktienbestände zumindest teilweise durch Short-Produkte auf den DAX und den Euro Stoxx 50. Zudem hält der Trader rund 26 Prozent Cash. Die Hintergründe dieser Aufteilung beschrieb er jüngst in folgendem Kommentar: „Bei vielen Aktien ergeben sich ‚günstige‘ Einstiegschancen nach bisheriger Betrachtung und Berechnung. Da es aber völlig ungewiss ist, wie sich die Lage weiter entwickelt und die Auswirkungen auf die Märkte sein werden, wird weiter mit Absicherung agiert, ohne völlig aus den Aktien zu fliehen.“ Eine Strategie, durch die er die Kursrückgänge in den vergangenen Wochen deutlich einbremsen konnte.

Gewinne mitnehmen und zurück in die Defensive

Vergleichsweise gut durch die Krise ist bislang auch das wikifolio  Special Situations long/short von Christian Scheid (  Scheid ) gekommen. Der Trader schaffte auf Monatssicht sogar einen Zugewinn von 12 Prozent. Damit konnte er vor allem im Vergleich zum Dax wieder einiges an Boden gut machen. Seit der Erstellung im November 2013 liegt das wikifolio nun gut 160 Prozent im Plus. Der Dax notiert nach den jüngsten Entwicklungen bereits unter Wasser.

Gelungen ist dem Trader die Outperformance unter anderem durch eine frühzeitig hochgefahrene Cash-Quote, Engagements auf der Short-Seite und einige erfolgreiche kurzfristige Trades. Hier ist auch Drägerwerk zu nennen, wo Scheid gestern Mittag eingestiegen war und heute Morgen noch vor dem Börsenstart hohe einstellige Gewinne realisieren konnte. Der Verkauf erfolgte kurz nach diesem vorbereitenden Kommentar: „Ich habe die Meldung genutzt, um mich bei der Aktie zu positionieren. Denn die Papiere der ‚Coronavirus-Profiteure‘ sind derzeit an der Börse gefragt. Grundsätzlich wird der Trade allerdings nicht langfristig angelegt sein. Denn bei Drägerwerk macht das Segment der Beatmungsgeräte bislang lediglich drei Prozent des Umsatzes aus, der Anteil der sogenannten FFP-Atemschutzmasken beträgt sogar nur 0,3 Prozent beträgt. Durch den Großauftrag – der größte der Unternehmensgeschichte – dürfte der Umsatzanteil der beiden Bereiche sicherlich die 5-Prozent-Marke übersteigen. Dennoch dürften die zu erwartenden Einbrüche in anderen Geschäftsbereichen durch die kommende Rezession dadurch nicht kompensiert werden.“