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Vietnam signifikante Risiken




23.03.09 12:21
Helaba

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Vietnam ist ernsthaft von den Auswirkungen der globalen Finanzmarktkrise in Mitleidenschaft gezogen, auch wenn der dortige Bankensektor nicht unmittelbar betroffen ist, berichten die Analysten der Helaba.

Die gesamtwirtschaftliche Situation habe sich im vergangenen Jahr grundlegend verändert: Während die Regierung 2008 anfangs noch um eine Stabilisierung der überhitzten Volkswirtschaft bemüht gewesen sei, habe sie sich in den letzten Monaten zusehends mit einer deutlichen Wachstumsverlangsamung und dem zunehmenden Risiko von sozialen Unruhen konfrontiert gesehen. Schmerzhaft würden sich der wesentlich schwächere Zustrom ausländischen Kapitals und die zögerliche Umsetzung von Investitionsvorhaben auswirken - sowohl Portfolio- als auch Direktinvestitionen würden in Vietnam eine wichtige Rolle spielen. Stabilisierend wirke hingegen das überschaubare Ausmaß der kurzfristigen Auslandsschulden.

Ausgelöst durch die verschlechterten Bedingungen auf den Weltmärkten hätten die vietnamesischen Ausfuhren deutlich nachgelassen, und das bei einer nominalen Export-BIP-Quote von rund 80%. Gerade die Rezession einiger Industrieländer mache Vietnam zu schaffen - insgesamt 60% der Ausfuhren würden in die USA, die EU und Japan gehen. Die Leistungsbilanz sei nicht allein aufgrund der reduzierten Nachfrage in den großen Abnehmerländern unter vermehrten Druck geraten. Das markante Defizit von fast 15% in 2008 sei auch durch den deutlichen Preisrückgang für wichtige Exportgüter wie Öl oder Reis mitbedingt geworden. Einhergehend mit geringeren Importen dürfte das Leistungsbilanzdefizit 2009 wieder einstellig sein.

Gleichwohl bleibe Vietnam recht leicht verwundbar durch externe Schocks, z. B. wenn sich die internationalen Investoren verstärkt vom Vietnamesischen Dong (VND) abkehren sollten. Die vergleichsweise niedrigen Währungsreserven würden die Interventionsmöglichkeiten am Devisenmarkt begrenzen. Mit knapp 24 Mrd. USD hätten die Währungsreserven Vietnams im letzten Herbst nur einen Bruchteil der entsprechenden Bestände in anderen asiatischen Ländern ausgemacht, in Relation zum weltweit größten Devisenhalter China sei es gerade einmal 1% gewesen.

2008 habe der langfristige Abwertungstrend des VND zum USD an Dynamik gewonnen, was die Zentralbank in der zweiten Jahreshälfte aktiv gefördert habe. Insgesamt habe die vietnamesische zur US-amerikanischen Währung im letzten Jahr um 9% an Wert verloren. Auf die Leistungsbilanz habe sich dies belastend ausgewirkt, zumal ein nennenswerter Effekt auf die Exporte angesichts der Wirtschaftsschwäche in den Abnehmerländern ausgeblieben sei. Seit Anfang 2009 habe der Wechselkurs in der Bandbreite von gut 17.410 bis unter 17.490 VND je USD gependelt. Im Jahresverlauf sei eine weitere geldpolitisch initiierte Abschwächung des VND zu erwarten, die vermutlich in kontrollierten Bahnen ablaufen werde.

Trotz geld- und fiskalpolitischer Unterstützung dürfte das BIP-Wachstum im laufenden Jahr sehr gering ausfallen (0,5%) und es erst 2010 wieder aufwärts gehen. Die außenwirtschaftlichen Einbußen könnten nicht von der Binnennachfrage kompensiert werden, auch wenn Inflations- und Zinsrückgang Entlastung bringen würden und es staatliche Stimulierungsmaßnahmen gebe. Das bislang nur grob umrissene Konjunkturpaket (schätzungsweise in Höhe von rund 6% des BIP) lasse die Staatsverschuldung wachsen, während die Einnahmen aus Steuern und Öllieferungen geringer sein würden als im Vorjahr.

So sei 2009 eine Ausweitung des Budgetdefizits auf mehr als 8% zu erwarten - weit über dem kritischen Wert von 2% gemäß Internationalem Währungsfonds. Das signifikante Doppeldefizit in Staatshaushalt und Leistungsbilanz, das begrenzte Reservepolster bei den Devisenbeständen sowie die recht hohe Abhängigkeit von ausländischer Güternachfrage und Kapitalzufuhr würden nicht zu vernachlässigende Risiken für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Vietnams bergen. (23.03.2009/ac/a/m)







 
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