Japanischer Yen die neue alte Carry-Währung


17.12.09 13:46
Helaba

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Nach einem turbulenten Vorjahr bewegte sich der Japanische Yen 2009 in gemäßigteren Bahnen, so die Analysten der Helaba.

Die japanische Währung notiere nahe den Kursen zu Jahresanfang. Per saldo habe der Yen gegenüber dem US-Dollar marginal zulegen können und gegenüber dem Euro leicht abgegeben. Deutlichere Bewegungen habe die japanische Währung innerhalb von 2009 verzeichnet. Im ersten Halbjahr habe der Yen sowohl gegenüber US-Dollar als auch Euro abgewertet.

Während der Finanzkrise habe die japanische Währung davon profitiert, dass die Zinsdifferenzen am Geld- und Kapitalmarkt massiv geschrumpft seien und Carry Trades auch aufgrund der hohen Risikoaversion aufgelöst worden seien. In dieser Handelsstrategie sei der Yen als Verschuldungswährung in Anspruch genommen worden, um in höher verzinsliche Devisen zu investieren. Die Beruhigung an den Kapitalmärkten habe umgekehrt den Krisengewinner Yen belastet.

Im zweiten Halbjahr hingegen gewann die japanische Währung erstaunlicherweise wieder an Wert, obwohl die Risikoindikatoren an den Finanzmärkten weiterhin auf Entspannung standen bzw. stehen, so die Analysten der Helaba. Ein US-Dollar habe zeitweise 85 Yen gekostet, also so wenig wie seit mehr als einer Dekade nicht mehr.

Im zweiten Halbjahr habe der Yen Unterstützung vom globalen Rentenmarkt erhalten. Trotz der konjunkturellen Erholung seien die langfristigen Kapitalmarktzinsen in den großen Währungen kaum angestiegen bzw. teilweise sogar zurückgegangen. Fraglich sei allerdings, ob diese Entwicklung so anhalten werde. Im Zuge der globalen Konjunkturerholung dürfte mittelfristig in den USA und der Eurozone eine Zinswende in Aussicht stehen. In einem Umfeld steigender Renditen würden sich zumeist die Zinsdifferenzen zulasten des Yen ausweiten, was 2010 entsprechend geschehen dürfte. Oder werde in Japan die Notenbank mitziehen?

Die Bank of Japan (BoJ) betreibe eine Nullzinspolitik im Gegensatz zu den anderen führenden Notenbanken seit mehr als einer Dekade. Schließlich habe Japan seit langem mit der Deflation gerungen und tue es derzeit wieder bzw. immer noch. Im Oktober seien die Preise um 2,5% gegenüber dem Vorjahr gefallen. Selbst ohne Berücksichtigung von Energie und Lebensmitteln sei das Preisniveau noch um 1,1% gesunken. Die Deflation dürfte sich zwar im kommenden Jahr aufgrund höherer Energiepreise auf knapp 1% abmildern. Eine positive Teuerung werde aber wohl erst 2011 zu verzeichnen sein. Deshalb bestehe für die BoJ bis auf weiteres wenig Grund, ihre Geldpolitik zu straffen.

Zuletzt habe sie in einer außerordentlichen Sitzung der Geschäftsbanken beschlossen, zusätzliche Liquidität zuzuführen. Der Expansionsgrad der japanischen Geldpolitik bleibe somit hoch. Die BoJ sei vermutlich diejenige Notenbank, die am weitesten von einer Zinswende entfernt sei. Diese werde wohl frühestens 2011 auf die Agenda rücken.

Auch die konjunkturelle Entwicklung in Japan mache keine dringende Zinswende erforderlich. Die außerordentlich tiefe Rezession sei zwar seit dem zweiten Quartal beendet, dennoch schrumpfe das Bruttoinlandsprodukt im Gesamtjahr 2009 um gut 5%. Die Wachstumsimpulse würden vor allem aus dem Ausland kommen. Die japanischen Exporte würden sich von ihrem tiefen Einbruch erholen. Insbesondere das kräftige Wirtschaftswachstum in China stütze - dem mittlerweile wichtigsten Exportmarkt Japans. Die japanische Leistungsbilanz habe sich bereits merklich verbessert. Der Außenhandel dürfte das Wachstum auch 2010 weiter tragen.

Der private Konsum habe im Sommerhalbjahr deutlich zulegen können. Hier habe das Fiskalprogramm der Regierung geholfen, in dem u.a. Kaufanreize sowie Steuersenkungen enthalten gewesen seien. Um einen Rückschlag nach dem Auslaufen des Programms zu verhindern, habe die im September ins Amt gekommene Regierung unter Premierminister Hatoyama ein frisches Konjunkturpaket beschlossen. Diese neuerliche Maßnahme in Höhe von etwa 7,2 Bio. Yen umfasse neben Investitionshilfen auch weitere Konsumanreize. Die Einkommensentwicklung hingegen bleibe vorerst wohl ein Problem. Die Beschäftigung falle derzeit um knapp 2% gegenüber Vorjahr. Der zuletzt verzeichnete Rückgang in der Arbeitslosenquote sollte nicht überbewertet werden. Insgesamt dürfte der private Konsum 2010 nur sehr bescheiden zulegen.

Die Unternehmensinvestitionen seien scharf eingebrochen. Angesichts sehr niedriger Investitionsquoten bestehe hier spürbares Erholungspotenzial. Allerdings dürften die Unternehmen vorerst weiter sehr vorsichtig agieren. Die Tankan-Umfrage der japanischen Notenbank zeige zwar eine Stimmungsverbesserung bei den Unternehmen an, aber nur auf niedrigem Niveau. Die geringe Kapazitätsauslastung laste auf den Gewinnen. Auch die Yen-Aufwertung dämpfe die Investitionsbereitschaft. Insgesamt dürfte das Bruttoinlandsprodukt 2010 in Anbetracht des vorherigen Rückschlags mit rund 1,5% eher moderat wachsen.

Aufgrund der mäßigen Binnennachfrage wäre ein Interesse der Regierung an einem schwächeren Yen nachvollziehbar. Bislang sehe das Finanzministerium keine Notwendigkeit von Devisenmarktinterventionen. Kurz nach Amtseinführung seien Äußerungen des Finanzministers Fujii dahin interpretiert worden, dass Japan sogar ein Interesse an einem starken Yen hätte. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage dürfe das aber bezweifelt werden. Neue Stimulierungsprogramme durch die Regierung seien für die Zukunft zwar denkbar. Aber angesichts einer Staatsverschuldung von bald 200% des Bruttoinlandsprodukts seien von dieser Seite wohl Grenzen gesetzt. Ein Anstieg der Versicherungsprämien für Kreditausfälle (Credit Default Swaps) für Japan mahne zur Vorsicht.

Die Gesamtentwicklung am Devisenmarkt könnte 2010 der japanischen Regierung entgegenkommen. 2009 scheine der US-Dollar den Yen als führende Verschuldungswährung in Carry Trades abgelöst zu haben. Der Dreimonatssatz befinde sich in den USA sogar leicht unterhalb des Zinses in Japan. Dies dürfte sich aber in Hinblick auf eine US-Zinswende ändern. Der Yen werde dann wohl wieder die führende Carry-Währung werden. Mit einer weiter wachsenden Risikoneigung an den Finanzmärkten dürfte die japanische Währung an Wert verlieren. Insbesondere gegenüber dem US-Dollar dürften die Verluste ausgeprägt sein. Schließlich profitiere der Greenback von Auflösungen der Carry Trades, während der Yen unter der Neuauflage leide.

Der Dollar/Yen-Kurs dürfte von derzeit 90 bis Mitte 2010 in Richtung 110 Yen ansteigen. Gegenüber dem Euro werde die japanische Währung nicht ganz so stark abwerten. Die Europäische Zentralbank werde vermutlich erst etwas später als die Federal Reserve die Zinswende vollziehen. Die wachsenden Zinsdifferenzen würden aber auch den Euro begünstigen, so dass sich der Euro/Yen-Kurs von derzeit 130 bis Mitte 2010 auf über 140 Yen erhöhen könnte. (17.12.2009/ac/a/m)







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