Japan Wachstumsverlangsamung erwartet


01.07.10 15:18
Erste Bank

Wien (aktiencheck.de AG) - Japan hat im ersten Quartal starkes BIP-Wachstum aufgewiesen (sogar das nominelle BIP stieg erstmals seit langem deutlich um 1,2% q/q an) und erneut klar von der asiatischen Nachfrage profitiert: Die Exporte in die Region, insbesondere nach China, nahmen stark zu und sollten sich auch in Zukunft relativ gut entwickeln, so die Analysten der Erste Bank.

Zusätzlich habe sich auch der Konsum weiterhin gut halten können; die Einzelhandelsumsätze hätten beinahe ein Zehnjahreshoch erreicht, was für japanische Verhältnisse außergewöhnlich sei, aber vermutlich auch Stimuluspaketen zu verdanken gewesen sei. Aufgrund des Premierministerwechsels (der frühere Finanzminister Naoto Kan habe die Position kürzlich übernommen) könnten hier allerdings die Aussichten etwas eingetrübt sein: Dieser scheine wieder etwas mehr Fokus auf die Unternehmensseite denn auf die Haushalte zu legen. So stehe etwa eine Umsatzsteuererhöhung von 5% auf 10% zur Debatte, was den Konsum klar schädigen könnte.

Zugleich solle aber die Unternehmenssteuer abgesenkt werden und Budgetkonsolidierung sei ebenfalls geplant. Im Fokus aller Maßnahmen liege dabei das Wirtschaftswachstum und die Wettbewerbsfähigkeit Japans, welche unter niedrigem Bevölkerungswachstum sowie relativ wenig Innovation in den neunziger Jahren (aufgrund der damaligen Probleme im Finanzsektor) leide. Dadurch solle ebenfalls die Arbeitslosigkeit von derzeit etwa 5% reduziert werden.

Dies wäre vermutlich ein Schlüsselfaktor für die Innennachfrage und somit für die Inflation. Gehe man von einem Philips curve-artigen Zusammenhang aus, würde die Inflation in der Tat erst bei einer Arbeitslosenrate nahe 4% in den positiven Bereich drehen, was nach Ansicht der Analysten allerdings noch einige Zeit dauern werde. Sie würden denken, dass der Fokus auf das Wirtschaftswachstum und dessen bestmögliche Förderung in der Tat entscheidend sei, auch im Hinblick auf die Deflation und Verschuldung, allerdings erst mittelfristig Wirkung haben könne.

Es gebe wohl leider keine einfachen und schnellen Rezepte, weshalb die Analysten nach wie vor mit einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums im Jahresverlauf rechnen würden (eine Fortsetzung des BIP auf aktuellem Niveau würde Wachstum von 2,5% für 2010 bedeuten; die Analysten würden mit 2,8% rechnen).

Auch die BoJ lege den Schwerpunkt der Geldpolitik auf wachstumsfördernde Maßnahmen: Die Bank habe eine neue Kreditfazilität eingeführt, welche für Projekte in Schlüsselsektoren (analog zu denjenigen der Regierung, etwa energieeffiziente Produkte oder der gesamte Gesundheitssektor) verwendet werden solle. Diese zusätzliche längerfristige Liquidität sollte sich allerdings wenig auf den Wechselkurs auswirken.

Die Analysten der Erste Bank rechnen nach wie vor mit auf absehbare Zeit unveränderten Zinsen und einer leichten Abschwächung des Yen auf USD/JPY 95 bis zum Jahresende, wenngleich die weitere Wechselkursentwicklung volatil bleiben sollte und kurzfristige Ausschläge auch unter USD/JPY 90 nicht auszuschließen sind. (Ausgabe 3. Quartal 2010) (01.07.2010/ac/a/m)







Weitere Artikel

mehr >
03.02.12, HSBC Trinkaus & Burkhardt
Notenbanken weiter auf der Hut
03.02.12, HSBC Trinkaus & Burkhardt
Deutsche Industrie mit etwas mehr Elan ins [...]
03.02.12, LB Baden-Württemberg
Edelmetalle größte Preisbewegungen seit 29 [...]
Aktien des Tages
  


Mit der Anmeldung für den Newsletter "Aktien des Tages" stimme ich dem gleichzeitigen Erhalt des "Investors Daily" unseres Partners FID Verlag zu.

RSS Feeds


Erweiterte Funktionen