FED Zinswende nicht vor Mitte 2010
26.01.10 12:38
Helaba
Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die FED wird wohl auf der ersten Sitzung des Offenmarktausschusses im Jahr 2010 erneut keine größeren Veränderungen am FOMC-Kommuniqué vornehmen, geschweige denn eine Änderung in der Geldpolitik verkünden, so die Analysten der Helaba.
Der Leitzins liege nach wie vor nahe Null und mit ihren noch bis Ende des ersten Quartals 2010 laufenden Kaufprogrammen für Wertpapiere pumpe die Notenbank Liquidität ins Bankensystem. Die Bilanzsumme der FED wachse weiter. Die Notenbank stehe nach wie vor mit beiden Füßen auf dem Gas.
Offensichtlich seien bei den Geldpolitikern die Sorgen um die Nachhaltigkeit der Erholung unverändert so stark ausgeprägt, dass sie noch keinen Anlass sehen würden, bereits auf kurze Sicht den Ausstieg aus der extrem expansiven Liquiditätspolitik anzustreben. Höhere Marktzinsen würden der FED zum aktuellen Zeitpunkt offenbar als unangemessen erscheinen.
Vor diesem Hintergrund hätten Ben Bernanke und die anderen FOMC-Mitglieder keinen Anreiz, derzeit klare Signale zu senden, dass der Leitzins bald steigen werde. Denn je geringer die Zinserhöhungserwartungen seien, desto niedriger seien die langfristigen Zinsen - zumindest so lange wie die Inflationserwartungen nicht nach oben ausbrechen würden. Insofern würden aktuelle Aussagen der Notenbanker nur wenige Rückschlüsse darauf zulassen, was im weiteren Jahresverlauf wirklich passieren werde.
Es gebe wenig Zweifel daran, dass die Geldpolitik derzeit wirke. Die Ertragslage der Banken profitiere ganz klar von den sehr günstigen Refinanzierungsbedingungen. Auch ein Monetary Conditions Index, der die finanziellen Rahmenbedingungen für US-Unternehmen abbilde, unterstreiche, dass die Maßnahmen der FED erhebliche positive Impulse liefern würden.
Derzeit werde die Wahrscheinlichkeit einer Zinswende bis zur Jahresmitte am Future-Markt als eher gering eingeschätzt. Ende Dezember hätten die Zinserhöhungserwartungen deutlich angezogen. Doch Reden von Ben Bernanke und seinem Stellvertreter Kohn sowie der Beschäftigungsrückgang im Dezember hätten Anfang Januar dazu geführt, dass der Markt eine geldpolitische Wende in den kommenden Monaten wieder weitgehend ausgepreist habe. Die implizite Rendite des Juli-Kontrakts sei derzeit noch niedriger als im November.
Der FED Funds Future beziehe sich auf den effektiven Satz, der zurzeit bei rund 0,12% liege, der Mitte des Zielbandes von 0% bis 0,25%. Auf dieser Basis bedeute die implizite Rendite des Juli-Kontrakts von zuletzt 0,22%, dass noch nicht einmal ein Leitzins von 0,25% voll eingepreist sei, geschweige denn eine Anhebung auf 0,5% oder mehr. Für den weiteren Jahresverlauf sehe das Bild aktuell nicht viel anders aus - erst für den November-Kontrakt liege die implizite Rendite über 0,5%.
Trotz der zuletzt im Schnitt positiven Entwicklung des Privaten Konsums und am Arbeitsmarkt hätten sich Notenbankvertreter - insbesondere Ben Bernanke - bislang überwiegend zurückhaltend geäußert. In den jüngsten Reden hätten sie noch einmal die konjunkturellen Abwärtsrisiken betont - vor allem hinsichtlich einer Periode des "jobless growth" und einer Kreditklemme. Das Protokoll der Dezember-Sitzung habe dann in dieselbe Kerbe gehoben. Es habe den Eindruck vermittelt, dass die Komitee-Mitglieder eher zu einer Verlängerung der Ankaufprogramme als zu einem Ausstieg tendieren würden. Im Kommuniqué der anstehenden FOMC-Sitzung dürfte die Konjunkturlage daher nur als leicht verbessert beschrieben werden. Hinsichtlich der Preisniveaustabilität seien größere Änderungen unwahrscheinlich.
Im Großen und Ganzen dürfte das FOMC-Statement demjenigen vom Dezember sehr ähneln. Auch die Zusage, die Zinsen für einen "längeren Zeitraum" auf einem sehr expansiven Niveau zu belassen, sollte zunächst noch beibehalten werden.
Der Exitometer der Analysten, das die Argumente für ein Beibehalten der sehr expansiven Geldpolitik abbilde, sei verglichen mit der FOMC-Sitzung im Dezember weitgehend unverändert. Nur bei der Inflation habe sich in den vergangenen sechs Wochen etwas merklich verändert: Die Teuerung liege nicht mehr nahe der Nulllinie, sondern mit 2,7% gegenüber Vorjahr eher oberhalb des von der FED tolerierten Bereichs. Da dies aber primär von der Energiepreisentwicklung getrieben sei, rücke in dieser Hinsicht der Exit-Termin nur ein bisschen näher.
Zwar sei der Beschäftigungsabbau ausgelaufen und die Wirtschaft in Q4 stark gewachsen. Es sei aber aus Sicht der Notenbank noch nicht eindeutig erkennbar, ob ein selbsttragender Aufschwung in Gang gekommen sei. Der Wohnungsmarkt erhole sich weiter, doch sei unklar, in welchem Umfang die steuerlichen Anreize für den Hauskauf, die noch bis April 2010 laufen würden, dafür verantwortlich seien. Zudem halte die Notenbank mit ihrem Ankaufprogramm die Hypothekenzinsen künstlich niedrig.
Die Politik bleibe im Krisenmodus - angesichts der Arbeitslosenquote auf dem höchsten Stand seit 1983 sei der politische Druck auf die Notenbank unverändert hoch, die Expansion nicht zu gefährden. Auch dass der Senat eine knappe Woche vor dem Ende von Ben Bernankes Amtszeit als FED-Chairman am 31. Januar noch nicht entschieden habe, ob er wieder ernannt werde, könnte das FOMC eher vorsichtig agieren lassen.
Klare Signale hinsichtlich der Zinswende müssten dann aber auf der FOMC-Sitzung Mitte März kommen. Unsicher sei, ob die Ankündigung, es sei mit einer "langen Periode außergewöhnlich niedriger" Leitzinsen zu rechnen, vor der ersten Zinserhöhung wirklich entfallen müsse. Schließlich wäre auch eine Federal Funds Rate von 0,5% oder 1% noch "exceptionally low". Durch das Beibehalten einer solchen oder ähnlichen Formulierung könnte die FED vermeiden, dass die Märkte die Zinswende als Startschuss für eine schnelle Normalisierung des Leitzinsniveaus interpretieren würden.
Allerdings sei davon auszugehen, dass die Notenbank im Vorfeld der geldpolitischen Wende ihre Absichten klar signalisieren werde, zum Beispiel durch ein entsprechendes Wording im Kommuniqué der März-Sitzung. So würde sich zum Beispiel ein Hinweis anbieten, dass die extrem großzügige Bereitstellung von Liquidität in absehbarer Zeit nicht mehr erforderlich sein werde, obwohl die Geldpolitik noch längere Zeit grundsätzlich expansiv bleiben werde.
Man gehe davon aus, dass die FED zum selben Zeitpunkt ihre Quasi-Nullzinspolitik beende und ernsthaft damit beginne, die Überschussliquidität einzusammeln. Selbst dann sei eine sehr graduelle Straffung zu erwarten, bis zum Jahresende 2010 dürfte der kurzfristige Realzins gerade mal wieder leicht positiv sein. Damit zeichne sich auf absehbare Zeit lediglich eine weniger expansive Geldpolitik ab. Bevor der Leitzins wieder ein neutrales oder gar restriktives Niveau erreiche, würden wohl noch Jahre vergehen. Wegen der Verzögerung, mit der die Geldpolitik auf die Konjunktur wirke, werde es noch einmal länger dauern, bis die Maßnahmen der FED merklich dämpfend auf Wachstum und Teuerung wirken würden. (26.01.2010/ac/a/m)
Der Leitzins liege nach wie vor nahe Null und mit ihren noch bis Ende des ersten Quartals 2010 laufenden Kaufprogrammen für Wertpapiere pumpe die Notenbank Liquidität ins Bankensystem. Die Bilanzsumme der FED wachse weiter. Die Notenbank stehe nach wie vor mit beiden Füßen auf dem Gas.
Offensichtlich seien bei den Geldpolitikern die Sorgen um die Nachhaltigkeit der Erholung unverändert so stark ausgeprägt, dass sie noch keinen Anlass sehen würden, bereits auf kurze Sicht den Ausstieg aus der extrem expansiven Liquiditätspolitik anzustreben. Höhere Marktzinsen würden der FED zum aktuellen Zeitpunkt offenbar als unangemessen erscheinen.
Vor diesem Hintergrund hätten Ben Bernanke und die anderen FOMC-Mitglieder keinen Anreiz, derzeit klare Signale zu senden, dass der Leitzins bald steigen werde. Denn je geringer die Zinserhöhungserwartungen seien, desto niedriger seien die langfristigen Zinsen - zumindest so lange wie die Inflationserwartungen nicht nach oben ausbrechen würden. Insofern würden aktuelle Aussagen der Notenbanker nur wenige Rückschlüsse darauf zulassen, was im weiteren Jahresverlauf wirklich passieren werde.
Es gebe wenig Zweifel daran, dass die Geldpolitik derzeit wirke. Die Ertragslage der Banken profitiere ganz klar von den sehr günstigen Refinanzierungsbedingungen. Auch ein Monetary Conditions Index, der die finanziellen Rahmenbedingungen für US-Unternehmen abbilde, unterstreiche, dass die Maßnahmen der FED erhebliche positive Impulse liefern würden.
Derzeit werde die Wahrscheinlichkeit einer Zinswende bis zur Jahresmitte am Future-Markt als eher gering eingeschätzt. Ende Dezember hätten die Zinserhöhungserwartungen deutlich angezogen. Doch Reden von Ben Bernanke und seinem Stellvertreter Kohn sowie der Beschäftigungsrückgang im Dezember hätten Anfang Januar dazu geführt, dass der Markt eine geldpolitische Wende in den kommenden Monaten wieder weitgehend ausgepreist habe. Die implizite Rendite des Juli-Kontrakts sei derzeit noch niedriger als im November.
Der FED Funds Future beziehe sich auf den effektiven Satz, der zurzeit bei rund 0,12% liege, der Mitte des Zielbandes von 0% bis 0,25%. Auf dieser Basis bedeute die implizite Rendite des Juli-Kontrakts von zuletzt 0,22%, dass noch nicht einmal ein Leitzins von 0,25% voll eingepreist sei, geschweige denn eine Anhebung auf 0,5% oder mehr. Für den weiteren Jahresverlauf sehe das Bild aktuell nicht viel anders aus - erst für den November-Kontrakt liege die implizite Rendite über 0,5%.
Im Großen und Ganzen dürfte das FOMC-Statement demjenigen vom Dezember sehr ähneln. Auch die Zusage, die Zinsen für einen "längeren Zeitraum" auf einem sehr expansiven Niveau zu belassen, sollte zunächst noch beibehalten werden.
Der Exitometer der Analysten, das die Argumente für ein Beibehalten der sehr expansiven Geldpolitik abbilde, sei verglichen mit der FOMC-Sitzung im Dezember weitgehend unverändert. Nur bei der Inflation habe sich in den vergangenen sechs Wochen etwas merklich verändert: Die Teuerung liege nicht mehr nahe der Nulllinie, sondern mit 2,7% gegenüber Vorjahr eher oberhalb des von der FED tolerierten Bereichs. Da dies aber primär von der Energiepreisentwicklung getrieben sei, rücke in dieser Hinsicht der Exit-Termin nur ein bisschen näher.
Zwar sei der Beschäftigungsabbau ausgelaufen und die Wirtschaft in Q4 stark gewachsen. Es sei aber aus Sicht der Notenbank noch nicht eindeutig erkennbar, ob ein selbsttragender Aufschwung in Gang gekommen sei. Der Wohnungsmarkt erhole sich weiter, doch sei unklar, in welchem Umfang die steuerlichen Anreize für den Hauskauf, die noch bis April 2010 laufen würden, dafür verantwortlich seien. Zudem halte die Notenbank mit ihrem Ankaufprogramm die Hypothekenzinsen künstlich niedrig.
Die Politik bleibe im Krisenmodus - angesichts der Arbeitslosenquote auf dem höchsten Stand seit 1983 sei der politische Druck auf die Notenbank unverändert hoch, die Expansion nicht zu gefährden. Auch dass der Senat eine knappe Woche vor dem Ende von Ben Bernankes Amtszeit als FED-Chairman am 31. Januar noch nicht entschieden habe, ob er wieder ernannt werde, könnte das FOMC eher vorsichtig agieren lassen.
Klare Signale hinsichtlich der Zinswende müssten dann aber auf der FOMC-Sitzung Mitte März kommen. Unsicher sei, ob die Ankündigung, es sei mit einer "langen Periode außergewöhnlich niedriger" Leitzinsen zu rechnen, vor der ersten Zinserhöhung wirklich entfallen müsse. Schließlich wäre auch eine Federal Funds Rate von 0,5% oder 1% noch "exceptionally low". Durch das Beibehalten einer solchen oder ähnlichen Formulierung könnte die FED vermeiden, dass die Märkte die Zinswende als Startschuss für eine schnelle Normalisierung des Leitzinsniveaus interpretieren würden.
Allerdings sei davon auszugehen, dass die Notenbank im Vorfeld der geldpolitischen Wende ihre Absichten klar signalisieren werde, zum Beispiel durch ein entsprechendes Wording im Kommuniqué der März-Sitzung. So würde sich zum Beispiel ein Hinweis anbieten, dass die extrem großzügige Bereitstellung von Liquidität in absehbarer Zeit nicht mehr erforderlich sein werde, obwohl die Geldpolitik noch längere Zeit grundsätzlich expansiv bleiben werde.
Man gehe davon aus, dass die FED zum selben Zeitpunkt ihre Quasi-Nullzinspolitik beende und ernsthaft damit beginne, die Überschussliquidität einzusammeln. Selbst dann sei eine sehr graduelle Straffung zu erwarten, bis zum Jahresende 2010 dürfte der kurzfristige Realzins gerade mal wieder leicht positiv sein. Damit zeichne sich auf absehbare Zeit lediglich eine weniger expansive Geldpolitik ab. Bevor der Leitzins wieder ein neutrales oder gar restriktives Niveau erreiche, würden wohl noch Jahre vergehen. Wegen der Verzögerung, mit der die Geldpolitik auf die Konjunktur wirke, werde es noch einmal länger dauern, bis die Maßnahmen der FED merklich dämpfend auf Wachstum und Teuerung wirken würden. (26.01.2010/ac/a/m)
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