Brasilien Wirtschaft mit fulminantem Jahresbeginn


10.06.10 16:40
DekaBank

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die brasilianische Wirtschaft läuft auf Hochtouren, so die Analysten der DekaBank.

Die jüngst veröffentlichten Zahlen würden sich in Regionen befinden, die man sonst eher aus Asien gewöhnt sei. So sei vermeldet worden, dass das reale Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 9% yoy und 2,7% qoq gestiegen sei. Dieses Quartal bereite den Boden für ein Wirtschaftswachstum von mehr als 7% im laufenden Jahr, dem letzten Amtsjahr von Präsident Lula.

Erfreulich sei vor allem die Zusammensetzung des Wachstums. Haupttreiber sei die inländische Nachfrage gewesen, mit einem Anstieg des Privaten Konsums um 9,3% und der Anlageinvestitionen um 26% gegenüber dem Vorjahr. Hingegen sei es nur zu einem leichten Anstieg des Staatskonsums um 2% gekommen. Der Außenbeitrag sei hingegen negativ gewesen. Betrachte man die Entstehungsseite, sei die Industrie der stärkste Wachstumssektor mit einem Anstieg um 14,6% gegenüber dem Vorjahr. Vor allem das Verarbeitende Gewerbe mit einem Anstieg um 17,6% habe kräftig zugelegt.

Das starke Wachstum lasse allerdings die Kapazitätsauslastung steigen, die mit 83% bereits einen historischen Hochwert verzeichne. Diese hohe Auslastung zusammen mit der soliden Nachfrage würde nun den Preisdruck steigen lassen. Dies habe die Zentralbank nun zum Handeln bewegt. Die Währungshüter hätten seit Ende April angesichts der steigenden Inflationserwartungen den Leitzins bereits zweimal um insgesamt 150 Basispunkte angehoben. Hiermit wolle das geldpolitische Komitee ein Zeichen setzen.

In den kommenden Monaten würden weitere Zinsanhebungen folgen. Das werde den Leitzins von aktuell 10,25% auf 11,50% zum Jahresende bringen. So eine starke Reaktion wäre nicht notwendig, wenn sich die Regierung zu einem etwas restriktiveren fiskalischen Kurs bewegen lassen würde.

Brasilien habe bereits seit einigen Quartalen zurück auf den Wachstumspfad gefunden, doch die wirtschaftliche Kontraktion während des Jahreswechsels 2008/2009 mache sich noch immer in den Staatsfinanzen bemerkbar. Für eine Beseitigung des Budgetdefizits und eine Reduzierung der öffentlichen Verschuldung sollte die Erholung im Wahljahr 2010 nicht reichen. Eine nachhaltige Verschlechterung der Bonität sehe man dennoch nicht, denn Brasilien habe die Verschuldung seit dem Krisenjahr 2002 deutlich zurückgefahren. Damals habe die öffentliche Verschuldung rund 60% des Bruttoinlandsprodukt (BIP) betragen. Im vergangenen Jahr seien es weniger als 37% des BIPs gewesen. In diesem Jahr rechne man mit einem Anstieg auf rund 42% des BIPs .

Obwohl die Finanzierungskosten im Laufe der Jahre zurückgegangen seien, würden die festen Ausgaben im Budget einem sehr hohen Anteil darstellen. Diese würden der Regierung die Fähigkeit für Einsparungen in schweren Zeiten entziehen und eine Fortsetzung des positiven Rating-Trends in den kommenden Monaten verhindern. (10.06.2010/ac/a/m)







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