BoJ Kreditprogrammausweitung ein halbherziger Schritt


30.08.10 13:34
Nord LB

Hannover (aktiencheck.de AG) - Die Bank of Japan (BoJ) hat heute früh eine Krisensitzung abgehalten, berichten die Analysten der Nord LB.

Gründe der Sitzung seien unter anderem die Verschlechterung der Wirtschaftslage und der historisch starke Yen gewesen. Die Notenbank habe den Leitzins unverändert bei 0,10% belassen, jedoch ihr Bankenkreditprogramm um 10 Billionen Yen (ca. EUR 92,4 Mrd.) auf nun insgesamt 30 Billionen Yen ausgeweitet.

Das Programm stelle kurzfristige - diesmal auch sechsmonatige - Kredite zu besonderen Bedingungen für japanische Banken zur Verfügung. Der Umfang sei relativ gering und der ein oder andere sei vielleicht enttäuscht gewesen, dass die BoJ nicht auch andere Maßnahmen wie den Ankauf von Staatsanleihen lanciert habe. Notenbankgouverneur Shirakawa habe jedoch bekundet, dass mehr Quantitative Easing "den Marktmechanismus beschädige".

Die Maßnahme habe kurzfristig Wirkung im Wechselkurs gezeigt: Der US-Dollar habe zwischenzeitlich wieder fast 86 Yen gekostet, sich dann aber im Verlauf des Vormittags auf knapp über 85 Yen verbilligt. Das sei immer noch ein schwächeres Niveau als letzte Woche.

Beim Euro gebe es ein ähnliches Bild: Er habe gegenüber dem Yen ein Tageshoch von 109,50 EUR/JPY erreicht, während man sich letzte Woche noch um die 107 bewegt habe, habe sich jedoch wieder auf knapp oberhalb 108 abgeschwächt. Die Analysten würden in den nächsten Tagen wieder einen Kurs von unter 85 USD/JPY erwarten, weil sich an der allgemeinen Lage, also der Weltkonjunktur und der Konsumzurückhaltung der Japaner wenig geändert habe.

Der Aktienmarkt habe die heutige Krisensitzung positiv aufgenommen, der Nikkei 225 (ISIN XC0009692440 / WKN 969244) habe fast 1,8% zulegen können, die Renditen japanischer Staatsanleihen ebenfalls, die 10-jährigen Staatsanleihen würden mit 1,02% wieder oberhalb der 1%-Marke rentieren.

Die Bank of Japan belasse in ihrer Krisensitzung den Leitzins unverändert, weite jedoch das Kreditprogramm für Banken um 10 Billionen Yen aus. Sie reagiere damit auf die verschlechterte Wirtschaftslage und die Rekordstärke des Yen mit einer Ausweitung des Quantitative Easing. Diese halbherzige Maßnahme reiche jedoch nicht aus, um nachhaltig einen Effekt zu erzielen, denn dafür sei der Umfang zu gering und es bedürfte einer handlungsfähigen Regierung, die ihrerseits mit Stimuli sekundiere.

Dieser fehle aber die Mehrheit im Oberhaus, zudem habe sie auch schon einen Großteil ihres Pulvers verschossen. An den Ursachen für den starken Yen, also der Deflation und damit zusammenhängend der Konsumzurückhaltung der Japaner sowie der nachlassenden Weltkonjunktur ändere sich wenig, daher werde die Maßnahme weitestgehend wirkungslos verpuffen. (30.08.2010/ac/a/m)







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