Wacker Chemie mit starkem zweitem Quartal


02.08.10 16:29
Bankhaus Lampe

Düsseldorf (aktiencheck.de AG) - Der Analyst vom Bankhaus Lampe, Heiko Feber, stuft die Wacker Chemie-Aktie (ISIN DE000WCH8881 / WKN WCH888) von "verkaufen" auf "halten" herauf.

Wacker Chemie habe für das zweite Quartal Geschäftszahlen vorgelegt, die besser als von den Analysten und anderen Marktteilnehmern erwartet ausgefallen seien. Die Gesamtjahresprognose für Umsatz und EBITDA sei in Richtung der Konsenserwartungen (4, 5 Mrd. EUR bzw. 1,08 Mrd. EUR) angehoben worden.

Mit einem Umsatz von 1,2 Mrd. EUR sei der abgelaufene Dreimonatszeitraum das stärkste zweite Quartal in der Unternehmensgeschichte gewesen. Alle Segmente und Regionen hätten zu dem Umsatzanstieg beigetragen. Mit Ausnahme von Polymers hätten alle Segmente ihr EBITDA gegenüber Q2/2009 verbessern können.

Silicones habe von einer höheren Nachfrage nach Silikonen aus diversen Industrien (z.B. Bau, Elektronik, Automobile, Papier) profitiert. Mengen- und Produktmixeffekte sowie der festere Dollar hätten für eine annähernde Verdopplung des EBITDA gesorgt. Der Auftragsbestand reiche derzeit für 1,5 Monate. Für das laufende dritte Quartal erwarte Wacker Chemie eine saisonal bedingte, leichte Abschwächung, die ähnlich ausfallen dürfte wie in früheren Jahren. Für das Gesamtjahr 2010 sei im Rahmen der Telefonkonferenz bei einem insgesamt festen Preisumfeld ein Umsatzwachstum von ca. 20% in Aussicht gestellt worden.

Polymers habe im Vergleich zu Q1/2010 von einem saisonalen Nachfrageanstieg nach Dispersionen und Dispersionspulvern aus der Baubranche profitiert. Niedrigere Marktpreise und höhere Rohstoffkosten (Ethylen) hätten für einen Rückgang des EBITDA gegenüber Q2/2009 gesorgt. Dieser sei jedoch dank einer verbesserten Kapazitätsauslastung (über 80% bei Dispersionspulvern) sowie eines unter den Unternehmenserwartungen liegenden Preisdrucks, geringer als erwartet ausgefallen.

Bei Polysilicon hätten insbesondere höhere Absatzmengen als Folge der neuen Ausbaustufe (Poly 8) für einen Umsatzanstieg gesorgt. Die Nachfrage nach Polysilicium sei sowohl aus der Photovoltaik- als auch aus der Halbleiterindustrie auf einem hohen Niveau geblieben. Die für 2010 geplante Produktionsmenge sei bereits komplett verkauft.

Für 2011 sei derzeit etwas mehr als 60% der Poly-Kapazität für Solar-Abnehmer durch langfristige Verträge gedeckt. Skaleneffekte und Kostensenkungen hätten zu einem überproportionalen Ergebnisanstieg bei Polysilicon beigetragen. Trotz niedrigerer Durchschnittspreise habe das Ergebnis des ersten Halbjahres über dem Vorjahreswert gelegen.

Die EBITDA-Marge habe in Q2/10 überraschend hohe 54,3% erreicht. Bereinigt um geleistete Anzahlungen eines Kunden, der seinen Vertrag inzwischen gekündigt habe (EBITDA-Effekt ca. 9 Mio. EUR), liege die bereinigte Marge bei etwa 52%. Für das Gesamtjahr erwarte der Konzern eine EBITDA-Marge von ca. 50%. Dies sei mehr als das Unternehmen zuvor in Aussicht gestellt habe und liege oberhalb der bisherigen Analystenschätzung. Diese hätten sie entsprechend angepasst.

Wacker Biosolutions habe den Umsatz um 73% yoy bzw. 11% qoq gesteigert. Grund seien eine starke Nachfrage nach Scetylaceton sowie bei Cystein und Cyclodextrinen sowie höhere Mengen im Gumbase-Geschäft gewesen, das seit Q3/2009 bei Biosolutions und nicht mehr bei Polymers geführt werde. Insbesondere die höheren Absatzmengen hätten für eine deutliche Ergebnisverbesserung gegenüber dem Vorquartal gesorgt. Für das laufende Geschäftsjahr rechne Wacker Chemie für Biosolutions mit einem zweistelligen Umsatzwachstum sowie einer Steigerung der Profitabilität gegenüber 2009.

Siltronic habe den Umsatz in allen Regionen, insbesondere aber in Asien, mengenbedingt um 67% steigern können. Während die durchschnittlichen Preise bei 200mm- und kleineren Wafern gestiegen seien, habe sich der Preis von 300mm- Wafern lediglich stabilisiert. Die Preise würden - insbesondere bei 300mm-Wafern - weiterhin unter dem Vorkrisen-Niveau liegen.

Das EBITDA habe sich erwartungsgemäß erneut deutlich verbessert, die EBITDA-Marge sei aber mit 7,0% enttäuschend ausgefallen. Für die zweite Jahreshälfte gehe Wacker Chemie jedoch davon aus, dass sowohl die Mengen als auch die Preise über dem ersten Halbjahr liegen würden. Das EBITDA von Siltronic solle im laufenden Geschäftsjahr positiv ausfallen, aber unter dem Niveau von 2007 und 2008 liegen.

Mit 441 Mio. EUR an liquiden Mitteln und Nettofinanzverbindlichkeiten von 58 Mio. EUR weise Wacker Chemie eine solide Bilanz auf. Die Eigenkapitalquote betrage zur Jahresmitte 44%.

Der Netto-Cash-flow, definiert als Free Cashflow vor Veränderungen kurzfristiger Finanzanlagen, habe sich gegenüber dem Vorjahr auf 110 Mio. EUR verringert. Für das Gesamtjahr rechne Wacker Chemie einschließlich der Holla-Akquisition mit Investitionen in Höhe von 750 Mio. EUR. Mithin werde das Unternehmen im zweiten Halbjahr mehr als das Doppelte der ersten Jahreshälfte investieren. Trotz dieses hohen Investitionsaufwandes gehe der Konzern für 2010 von einem positiven Netto-Cash-flow aus (BHLe: 113,6 Mio. EUR).

Wacker Chemie habe den Ausblick für das laufende Geschäftsjahr angehoben. Für 2010 würden nun ein Umsatz von mehr als 4,5 Mrd. EUR sowie ein EBITDA über dem Niveau aus 2008, also mehr als 1,055 Mrd. EUR, in Aussicht gestellt. Im Rahmen der Telefonkonferenz sei dies dahingehend präzisiert worden, dass für die zweite Jahreshälfte ein EBITDA auf dem Niveau der ersten sechs Monate durchaus möglich sei. Diese Zuversicht deute auf ein EBITDA von 1,125 Mrd. EUR hin. Für das laufende dritte Quartal rechne Wacker Chemie infolge von üblichen saisonalen Effekten in den Sommermonaten mit einem Umsatz und EBITDA leicht unter dem Niveau des abgelaufenen Dreimonatszeitraums.

Da das Chemiegeschäft in der zweiten Jahrshälfte üblicherweise schwächer sei als in der ersten, sollte es nach Erachten der Analysten im zweiten Halbjahr bei Siltronic und Polysilicon zu einer weiteren Ergebnisverbesserung kommen. Siltronic dürfte nach Erachten der Analysten von einer hohen Nachfrage aus der Solar- und Halbleiterbranche profitieren. Zudem hätten sich die Preise bei 300mm-Wafern stabilisiert, während sie bei kleineren Durchmessern hätten zulegen können.

Darüber hinaus würden die Analysten weitere Produktivitätsfortschritte aus der Poly 8 Ausbaustufe erwarten. Nachdem bei Polysilicon bereits einige neue Mehrjahresverträge mit Solarkunden (inklusive Vorauszahlungen) hätten abgeschlossen werden können, verhandle Wacker Chemie derzeit über weitere Verträge. Daher dürfte der Auftragsbestand weiter zulegen können und für eine vergleichsweise gute Planbarkeit im kommenden Geschäftsjahr sorgen.

Die Analysten hätten ihre Umsatz- und operativen Ergebnisschätzungen infolge der guten Quartalszahlen sowie des erhöhten Ausblicks angehoben. Zugleich würden sie jedoch infolge des erhöhten operativen Ergebnisses nun von einer Steuerquote von 32% (vorher: 31%) ausgehen. Per saldo würden die erhöhten Gewinnprognosen für eine Anhebung ihres DCF-basierten Kursziels von 110,00 EUR auf 129,00 EUR sorgen.

Folglich stufen die Analysten vom Bankhaus Lampe die Wacker Chemie-Aktie von "verkaufen" auf "halten" hoch. (Analyse vom 02.08.2010) (02.08.2010/ac/a/d)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Das Wertpapierdienstleistungsunternehmen oder ein mit ihm verbundenes Unternehmen handeln regelmäßig in Aktien des analysierten Unternehmens. Weitere möglichen Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.







hier klicken zur Chartansicht
Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
91,00 € 85,00 € 6,00 € +7,05% 09.02./20:31
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE000WCH8881 WCH888 174,30 € 56,87 €

Metadaten

Rating:halten
Ratingstufe:halten
Ratingentwicklung:Upgrade
Kurs:124.85
Kursziel:129 - 0
Kursziel (alt):110 - 0
Kursziel Einheit:EUR - Euro
Kursziel Horizont:12 Monate
KGV:13,8
Umsatz-Schätzung:20104603.2
 20114943.4
 20125210.4
EPS-Schätzung:20109.05
 20119.53
 201211.52
Analysten:Herr Heiko Feber

Weitere Analysen & News

mehr >
Aktien des Tages
  


Mit der Anmeldung für den Newsletter "Aktien des Tages" stimme ich dem gleichzeitigen Erhalt des "Investors Daily" unseres Partners FID Verlag zu.