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Das dritte Quartal von Snap war eine Katastrophe




10.11.17 13:48
Motley Fool

Snap (WKN:A2DLMS) berichtete die Ergebnisse des dritten Quartals am 07.11. und Investoren waren nicht glücklich darüber; Die Anteilsscheine vielen im nachbörslichen Handel um 10%. Der Umsatz stieg um 62 % auf 207,9 Millionen US-Dollar, als das Unternehmen aggressiv auf seine neue Self-Service-Werbeplattform umstieg, die sowohl die Einstiegskosten für Inserenten senkt als auch den Anzeigenverkauf automatisiert. Die Wall Street hatte dagegen 236,9 Millionen US-Dollar Umsatz erwartet.


Die Zahl der täglich aktiven Nutzer stieg sequentiell auf 178 Millionen an, was auch der Konsensusschätzung von 181,8 Millionen nicht entsprechen konnte.


Der Nettoverlust des Unternehmens verdreifachte sich mehr als auf 443,2 Millionen US-Dollar, aber Snap hält diese explodierende Bilanz für “nicht aussagekräftig” und führt “NM” unter der prozentualen Veränderung wie im letzten Quartal an. (Das liegt nicht nur daran, dass Snap zwei negative Werte miteinander vergleichen müsste. Snap meldet auch, dass die bereinigten EBITDA-Verluste größer werden.)


Hier ist alles, was man als Investor über das Quartal von Snap wissen muss.


Diese schwer zu bedienende App

Snapchat ist bekanntermaßen schwierig zu bedienen und hat eine unintuitive Benutzeroberfläche. Auf Snaps erster öffentlicher Telefonkonferenz verteidigte CEO Evan Spiegel die Schnittstelle, indem er sagte, dass Snapchat sich auf eine jüngere Demographie konzentriere, die an der Technologie interessierter sind. Spiegel wies diese Bedenken grundsätzlich zurück und fügte hinzu: “Daher denke ich, dass die Strategie im Laufe der Zeit für uns funktioniert hat.” Jeremy Liew, Snaps erster Venture-Capital-Investor, argumentierte sogar einmal, dass die verwirrende Schnittstelle für den Erfolg von Snap bei jüngeren Anwendern ausschlaggebend sei.


Snap vollzieht einen Kurswechsel. Spiegel kündigte an, dass das Unternehmen nun seine App “zur Erleichterung der Bedienung” neu gestaltet. Das ist eine gute Nachricht, birgt aber auch große Risiken. Spiegel prognostiziert eine “hohe Wahrscheinlichkeit”, dass das Redesign “kurzfristig unser Geschäft stören wird”, und dass es noch zu früh wäre, um zu sagen, wie sich die Veränderung auf das Nutzerverhalten auswirken wird. Abgesehen davon, dass sich das neue Design auf das Entdecken des Content konzentrieren werden, lehnte Spiegel es ab weitere Kommentare dazu abzugeben.


Die Schuld an den geringen Nutzerzahlen

Snap räumte auch ein, dass das Nutzerwachstum hinter den internen Erwartungen zurückgeblieben wäre und nur 4,5 Millionen neue Nutzer im letzten Quartal hinzugekommen waren. Spiegel gab die Schuld dafür der Art und Weise, wie diese gemessen werden. Snap verwendet einen Durchschnittswert für das gesamte Quartal und sagte, dass das starke Wachstum im September “durch die schlechteren Monate Juli und August kompensiert wurde.


Dies ist aber ein hausgemachtes Problem, da Snap selbst bestimmt, wie es die Benutzerkennzahlen angibt. Der Konkurrent Facebook hingegen meldet den Durchschnitt für den letzten Monat des Quartals. Snap legt die monatliche Durchschnittszahlen nicht offen.


Spectacles

Letzten Monat tauchten Berichte auf, dass Snap viel zu viele Brillenpaare herstellte und auf “Hunderttausenden” Einheiten im Inventar saß. Darüber hinaus hatte das Unternehmen zusätzliche Kaufverpflichtungen in Höhe von 29 Millionen US-Dollar für Hardwareprodukte. Es war ziemlich klar, dass eine Abschreibung kommen würde; die einzige Frage war, wie viel es sein würde. Der Brillenbestand muss in der Bilanz von Snap, die zum Ende des zweiten Quartals 61,7 Millionen US-Dollar betrug, in den “Sonstigen Aktiva” ausgewiesen werden, so dass zumindest die Investoren die Obergrenze kennen.


Am Ende hatte Snap eine Abschreibung von 39,9 Millionen US-Dollar, wozu auch das Inventar und Veränderungen an den Stornobedingungen gehörten. Im Gegensatz zu früheren Telefonkonferenzen gab Snap die Umsätze für Spectacles im dritten Quartal nicht an. Es ist aber anzunehmen, dass die Umsätze vernachlässigbar klein waren.


Geld verbrennen

Bei seinem Börsengang hat das Unternehmen jede Menge liquide Mittel bekommen, 3,2 Milliarden US-Dollar um genau zu sein. Zum Ende des dritten Quartals hat das Unternehmen noch 2,3 Milliarden US-Dollar davon in den Büchern. Das Unternehmen hat also in nur sechs Monaten 30 % seiner Marktkapitalisierung verballert.


Wir wissen, dass davon im Sommer etwa 400 Millionen US-Dollar für Übernahmen aufgewendet wurden, aber der operative Cashflow im letzten Quartal war mit -194 Millionen US-Dollar negativ. Die Investitionsausgaben sind äußerst gering und belaufen sich auf 25,9 Millionen US-Dollar. Snap nennt seine Investitionsausgaben pro Benutzer eine “branchenführende 0,15 US-Dollar”, aber das ist irreführend. Kein anderes Unternehmen verwendet diese Kennzahl, und Snap verlagert die Kosten lediglich auf die Betriebskosten, anstatt in seine eigene Infrastruktur zu investieren, was in dem Umfang nachhaltiger wäre.


Der freie Cashflow belief sich auf minus 219,9 Millionen US-Dollar.


Die Hostingkosten sind konstant

Snap mietet Serverspace von Drittanbietern von Cloud-Infrastrukturen anstatt eigene Server und Rechenzentren aufzubauen. Daher betrugen die Hostingkosten 121 Millionen US-Dollar oder etwa 0,68 US-Dollar pro Nutzer. Das entspricht etwa 58 % des durchschnittlichen Umsatzes pro Nutzer von 1,17 US-Dollar in Q3. Dieser Anteil der Hostingkosten war identisch zum zweiten Quartal und trug zur Vergrößerung der Margen bei.


Das Management sagte auch, dass das Unternehmen “von der Dual-Cloud-Hosting-Umgebung profitiert” und bezog sich dabei wahrscheinlich darauf, dass seine beiden Infrastrukturanbieter gegeneinander ausgespielt wurden, um Preisnachlässe zu erzielen, was Snap im zweiten Quartal erfolgreich getan hat.


Unterm Strich

Insgesamt war es ein ziemlich schreckliches Quartal. Snap hat die Erwartungen an alle relevanten Betriebskennzahlen und Ergebnisse nicht erfüllt, und das Unternehmen verfolgt eine unglaublich riskante Strategie zur Neugestaltung seiner App, während das Anzeigengeschäft noch immer nicht in Gang kommt und das Management mit Hardwarefehlern zu kämpfen hat.


Snap fehlt es auch an Kostendisziplin und hat daher nur wenige Monate nach dem Börsengang schon ein Drittel seiner Mittel verpulvert.


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Dieser Artikel wurde von Evan Niu, CFA auf Englisch verfasst und am 08.11.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.


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