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Westfalen-Blatt: zum Verkauf der Oetker-Reederei Hamburg Süd




01.12.16 21:00
news aktuell

Bielefeld (ots) - Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken
ohne Ende. Gemäß diesem Motto hat die Oetker-Spitze den
Verkaufsprozess seiner Reederei Hamburg Süd vollzogen. Ein
Geschäft, das aus der Not heraus geboren wurde. Dr. Oetker wollte
seine anderen Sparten rund um Lebensmittel, Bier, Sekt und Hotels
nicht unnötig belasten oder gar in Gefahr bringen. Insofern ist die
Entscheidung nachvollziehbar und richtig - eine Notbremse gerade noch
zur rechten Zeit. Allerdings eine Notbremse, die den Umsatz des
Konzerns mit einem Schlag um die Hälfte schrumpfen lässt. Das dürfte
wehtun. Und auch die jahrelange Maxime des Seniorchefs Rudolf-August
Oetker - »Lege nicht alle Eier in einen Korb« - hat ihre Gültigkeit
verloren. Die so genannte Diversifizierung, die besagt, in möglichst
vielen Branchen investiert zu sein, ist weitgehend erledigt. Mit
seinen Pizzen und Getränken ist Oetker (fast) nur noch im
Lebensmittelbereich tätig. Das »faule Ei« Container-Schifffahrt wurde
aus dem Korb entfernt. Wie hoch die Verluste waren, darüber macht
Oetker keine Angaben. So wie sich der Familienkonzern ohnehin gerne
zurückhalt, wenn es um Zahlen geht. Die Frage nach dem Gewinn wurde
meist mit einem ostwestfälischen »zufriedenstellend« und einem
vielsagenden Lächeln des Konzernchefs beantwortet. Die Zukunft der
Schifffahrt hat bei Oetker noch vor zwei Jahren den Familienfrieden
empfindlich gestört. Es gab (und gibt wohl noch immer) zwei
Fraktionen: Die älteren Nachkommen des Gründers rund um August
Oetker und die jüngeren um Alfred Oetker. Sie stritten darüber, ob
Hamburg Süd als deutsche Nummer zwei mit der deutschen Nummer
eins, Hapag-Lloyd, fusionieren sollte. Folge des Hickhacks: Der
Zusammenschluss platzte. Ob das im Nachhinein eine glückliche Fügung
war, ist schwer zu sagen. Klar ist: Die Konsolidierung in der
Schifffahrtsbranche geht weiter. Der Mangel an Aufträgen und
fallende Frachtraten zwingen die Reedereien dazu, sich
zusammenzuschließen. Größe zählt. Maersk gehört daher zu den
Gewinnern. Oetker dürfte mit dem Verkauf seiner Reederei einen
Milliardenerlös erzielen. Die Kriegskasse wäre damit für
Investitionen aller Art gefüllt. Die Frage ist, ob der Konzern
seine Lebensmittelsparte weiter stärken oder sich neue Märkte
suchen wird - gemäß dem Motto, viele Eier in einem Korb zu haben.
Oder können nun sogar Erben ausgezahlt werden? Man darf auf die
künftige Strategie gespannt sein. Umso dringlicher ist, dass die
zerstrittene Familie die Nachfolgeregelung für Richard Oetker
möglichst bald regelt. Nichts ist in dieser unruhigen See schlimmer,
als wenn sich die Familienspitze und deren Manager mehr mit sich
selbst beschäftigen als mit der Frage, wie man sich im Wettbewerb
positioniert.



Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261

Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell

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