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WAZ: Der Sieger stand am Anfang fest - Kommentar von Frank Preuß zu Air Berlin und Lufthansa




12.10.17 18:04
news aktuell

Essen (ots) - Am Wochenende starten die rot-weißen Flugzeuge von
Air Berlin zu ihren letzten Überseeflügen. Ein paar Tage später wird
der Name von Deutschlands zweitgrößter Airline endgültig von den
Flugplänen verschwinden. Der einstige Senkrechtstarter der Branche
ist Geschichte, Opfer eigener Selbstüberschätzung im harten
Wettstreit über den Wolken. Gewinner dieses Absturzes ist vorerst nur
die Lufthansa. Verlierer sind Tausende Mitarbeiter, die noch nicht
wissen, wo sie künftig arbeiten werden und womöglich Kunden, deren
Flüge künftig deutlich teurer werden könnten.

Die Lufthansa-Aktie ist gestern hochgeschossen, wen wundert's, die
Anleger setzen darauf, dass der deutsche Primus monopolartige
Zustände auf bestimmten Strecken schaffen und damit die Preise besser
diktieren kann: Man erinnert sich, wie teuer es war, bevor Air Berlin
die Lufthansa herausforderte. Chef Carsten Spohr versuchte diese
Befürchtung gestern mit einer lächerlichen Einlassung zu zerstreuen,
wonach die eigene Konzerntochter Eurowings der Mutter Konkurrenz
machen werde. Die Kartellwächter werden sich von solchen Nebelkerzen
nicht irritieren lassen. Erst recht nicht, wenn die Verhandlungen mit
Easyjet über weitere Air-Berlin-Maschinen scheitern sollten.

Das letzte Kapitel eines unrühmlichen Stücks Wirtschaftsgeschichte
wird geschrieben. Der Sieger stand von vornherein fest, das
Bieterverfahren hatte kosmetischen Charakter. Die Lufthansa diente
sich sofort als Retter an, als Air Berlin in die Insolvenz ging,
Minister machten sich zu Handlangern, schwadronierten vom "nationalen
Champion" den man nun brauche, und ein 150-Millionen-Überlebenskredit
aus Berlin verhinderte, dass die begehrten Flugrechte frei auf dem
Markt landeten. Das spielte nur der Lufthansa in die Karten. Die
bietet nun ganz gönnerhaft gestrandeten Air-Berlin-Kunden Rückflüge
"zu fairen Preisen" an. Ein schlechter Witz.



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