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WAZ: Das Recht auf Wahrheit - Kommentar von Gerd Niewerth zu Medikamententests




19.10.16 18:47
news aktuell

Essen (ots) - Nach außen gab man sich gern als edle und fromme
Samariter, doch in Wirklichkeit herrschte in den Kinderheimen der
fünfziger und sechziger Jahre vielfach ein fürchterliches, ja
menschenverachtendes Regiment. Auch weil dort Untertanen-Typen am
Werke waren, die - von Kaiserreich und Nazizeit geprägt - für Zucht
und Züchtigung, Drill und Gehorsam schwärmten.

Nach dem Missbrauchsskandal schockt jetzt die Nachricht von
Medikamententests an Kindern, Jugendlichen und womöglich sogar
Säuglingen. Selbstverständlich muss auch dieser beklemmende Fall
lückenlos aufgearbeitet werden. Doch das ist ein halbes Jahrhundert
danach leichter gesagt als getan.

Denn die Schuldigen von damals - egal ob Heimarzt, Pharmakonzern
oder Heimleiter - leben längst nicht mehr. Aber die Opfer ihrer bösen
Praktiken bezahlen für die schlimmen Qualen bis heute einen hohen
Preis. Mit einem Wort der Entschuldigung ist es nicht getan und auch
eine finanzielle Entschädigung vermag tiefe Wunden kaum zu heilen.
Die Opfer haben jetzt zuallererst ein Anrecht darauf, endlich die
Wahrheit zu erfahren. Das ist keine Wiedergutmachung, sondern eine
Frage des Respekts.



Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 - 804 6519
zentralredaktion@waz.de

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