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Studie: Neonikotinoid-Verbot im Raps kostet EU-weit jährlich 900 Mio. Euro / Verlierer ist auch die Umwelt durch höhere Treibhausgas-Emissionen und höheren Wasserverbrauch




13.01.17 12:30
news aktuell

Berlin (ots) - Den europäischen Rapsproduzenten und -verarbeitern
entstehen durch das geltende Anwendungsverbot für drei Wirkstoffe aus
der Gruppe der Neonikotinoide jährlich Verluste in Höhe von fast 900
Mio. Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine von Bayer und Syngenta in
Auftrag gegebene und von der Forschungsgesellschaft HFFA Research
GmbH durchgeführte Studie, die heute im Rahmen einer
Informationsveranstaltung in der Landesvertretung Sachsen-Anhalt in
Berlin vorgestellt wurde.

Seit die Europäische Kommission 2013 den Einsatz von
Neonikotinoiden beschränkt hat, blieb ungeklärt, welche Folgen das
für die europäischen Landwirte hat. Ziel der von Dr. Steffen Noleppa,
Hauptautor und Geschäftsführer der HFFA Research GmbH, vorgestellten
Studie war es, am Beispiel der Rapsproduktion festzustellen, wie sich
die EU-weiten Anwendungsbeschränkungen wirtschaftlich und ökologisch
auswirken. Die Wirkungen auf Bestäuber, die Gegenstand zahlreicher
Studien sind, hat er dabei nicht berücksichtigt.

Der Hauptschädling von Raps ist der Rapserdfloh, gegen den nur
einige wenige Wirkstoffe existieren. Für die Rapsbauern haben die
fehlenden Möglichkeiten der Saatgutbehandlung mit Neonikotinoiden
daher besondere Bedeutung. Die Studie konnte drei wesentliche
Auswirkungen des Verbots für die europäischen Rapsbauern ermitteln.
Erstens führt das Verbot zu einem Rückgang der Erntemenge um 4
Prozent, was einem Ertragsverlust von 912.000 Tonnen entspricht.
Zweitens kommt es zu einem Qualitätsverlust bei durchschnittlich 6,3
Prozent der Ernte, und drittens sind durchschnittlich 0,73
zusätzliche Blattanwendungen mit Pflanzenschutzmitteln pro Hektar
Rapsanbaufläche erforderlich.

Diese Auswirkungen entsprechen einem Umsatzverlust auf dem Markt
von 350 Mio. Euro. Hinzu kommen Verluste in Höhe von über 50 Mio.
Euro aufgrund der geringeren Qualität, um knapp 120 Mio. Euro erhöhte
Produktionskosten und Verluste von mehr als 360 Mio. Euro in vor- und
nachgelagerten Bereichen. Insgesamt entstehen der europäischen
Rapswirtschaft durch das Verbot von Neonikotinoiden so jährliche
Verluste in Höhe von knapp 900 Mio. Euro.

Zudem weist Noleppa mit der Studie erhebliche ökologische Folgen
des Verbots aus globaler Sicht nach: Angesichts der konstant hohen
Nachfrage nach Raps muss der Produktionsrückgang in der EU durch
Mehrproduktion in anderen Regionen der Welt ausgeglichen werden. Die
Verlagerung der Rapsproduktion in Länder außerhalb der EU geht mit
einem geschätzten zusätzlichen Anbauflächenbedarf von 533.000 Hektar
außerhalb Europas einher, verursacht den Ausstoß von 80,2 Mio. Tonnen
Kohlendioxid sowie einen zusätzlichen Wasserverbrauch von 1,3 Mrd.
Kubikmeter. Durch die Umwandlung von Grasland und artenreichen
Lebensräumen in Ackerflächen führt dies zudem zu einem Verlust an
biologischer Vielfalt.

Solange Neonikotinoide zur Saatgutbeizung nicht zur Verfügung
stehen, müssen Landwirte in Europa auf "zweitbeste Lösungen"
zurückgreifen. In der Praxis ist dies der Einsatz von Pyrethroiden
zur Sprühanwendung. Dies war nicht nur mit Kosten für die Betriebe
verbunden, sondern hatte auch ökologische Folgen. Die Ausbringung von
zusätzlichen Blattinsektiziden führte im Inland zu einem vermehrten
Ausstoß von Treibhausgasen, einem zusätzlichen Wasserverbrauch pro
Jahr sowie einem Anstieg der Produktionskosten um annähernd 120 Mio.
Euro. Für Studienleiter Noleppa ist das Ergebnis eindeutig: "Aus
dieser umfassenden Analyse geht klar hervor, dass sich das Verbot
nicht nur negativ auf die europäische Rapswirtschaft ausgewirkt hat,
sondern auch weitreichende Folgen für die Umwelt hatte."

Olaf Feuerborn, der Präsident des Bauernverbands Sachsen-Anhalt,
sieht die Folgen des Verbots auch aus Sicht der deutschen Landwirte
überaus kritisch. "Der Wegfall der neonikotinoiden Beizung bereitet
den Ackerbauern gerade in Jahren mit hohem Schädlingsdruck, wie dies
in 2016 der Fall war, Schwierigkeiten. So beobachteten wir im
vergangenen Jahr einen verstärkten Läusebefall, der durch eine
sachgerechte Beizung so sicherlich nicht aufgetreten wäre. Läuse
übertragen pflanzenschädigende Viren. Folge einer eingeschränkten
Palette an Pflanzenschutzmitteln ist die Zunahme problematischer
Resistenzen", so Feuerborn.

"Die Europäische Kommission hat das Anwendungsverbot für die drei
Neonikotinoid-Wirkstoffe vor knapp vier Jahren in einem regelrechten
Hauruckverfahren beschlossen. Festgelegt wurde dabei, die Regelung
nach zwei Jahren anhand neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse zu
überprüfen - worauf wir immer noch warten", kommentierte
IVA-Präsident Dr. Helmut Schramm und führte aus: "Was die Folgen der
Anwendungsverbote angeht, so zeigt die Studie der HFFA Research GmbH
eindrücklich, dass die wirtschaftlichen Schäden für die europäische
Landwirtschaft sogar höher sind als ursprünglich angenommen. Doch die
Auswirkungen sind weitreichender, wie man etwa an der Zunahme der
Spritzanwendungen oder dem erhöhten Wasserverbrauch sieht."

Andreas Baer, Mitglied der Fachkommission Produktionsmanagement
der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e. V. (UFOP) und
Leiter der Produktionsabteilung bei der Norddeutschen Pflanzenzucht
(NPZ), verweist auf die von Seiten der Züchter in den vergangenen
Jahren geleisteten, erheblichen Investitionen zur Optimierung des
Beizprozesses. "Sollte der Rapsanbau durch die veränderten
Rahmenbedingungen der Beizung ökonomisch an Wettbewerbsfähigkeit
verlieren, verlieren wir nicht nur die wichtigste Futterquelle der
Bienen, sondern auch ein wertvolles Fruchtfolgeglied im Ackerbau."

Aus Sicht der UFOP und der des Industrieverbands Agrar e. V.
(IVA), die zu der Studienvorstellung eingeladen hatten, zeigen die
Ergebnisse der Studie, dass die Entscheidung der Europäischen
Kommission, den Einsatz von drei Neonikotinoiden in der EU zu
beschränken, neben den wirtschaftlichen Kosten auch erhebliche
Auswirkungen auf die Umwelt nach sich zieht. Alles weist darauf hin,
dass es für Landwirte unabdingbar ist, über mehr als eine Lösung zur
Bekämpfung von Schädlingen zu verfügen, um einer Entwicklung von
Resistenzen vorzubeugen.

Wenn sie mehr über die Studie und ihre wichtigsten Erkenntnisse
erfahren möchten, können sie die entsprechenden Dokumente
herunterladen (http://ots.de/eZ0Kx / http://hffa-research.com)



Pressekontakt:
Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e. V.
Stephan Arens, Geschäftsführer
Tel. +49 30 31904-202
Fax +49 30 31904-485
E-Mail: s.arens@ufop.de
http://www.ufop.de

Industrieverband Agrar e. V., Pressestelle
Martin May
Tel. +49 69 2556-1249 oder +49 151 54417692
Fax +49 69 2556-1298
E-Mail: may.iva@vci.de
http://www.iva.de

Original-Content von: Industrieverband Agrar e.V., übermittelt durch news aktuell

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