Senator Anlagebetrug?




15.02.02 14:02
Prior Börse

In einem Zivilprozess vor dem Frankfurter Oberlandesgericht (OLG) werfen ehemalige Führungskräfte der Medienfirma Senator Entertainment AG (WKN 722440) Anlagebetrug vor, berichten die Experten der "Prior Börse".

Ein ehemaliger Vorstand der Senator-Vorläufergesellschaft habe am Mittwoch vor Gericht sogar von einem "kriminellen Schneeballsystem" gesprochen. Senator sei 1986 u.a. vom jetzigen Aufsichtsratschef Michael Krohne als Sedeco Medienholding gegründet worden. In den 80er und Anfang der 90er Jahre hätten Krohne und sein Kompagnon Hanno Huth ihre Lizenzkäufe mit Hilfe von Medienfonds finanziert. Dabei solle es nicht immer mit rechten Dingen zugegangen sein.

Der Ex-Geschäftsführer Felix Weber habe beispielsweise vor dem Kadi berichtet, dass zwischen den Fonds und konzerneigenen Firmen millionenschwere Beträge hin- und hergeschoben worden sein sollen bis keiner mehr durchgeblickt habe. Der Steuerberater habe daraufhin den Bettel hingeworfen. Um die Kunden der Fonds bei Laune zu halten, habe der Konzern zudem mehr Geld ausgeschüttet, als erwirtschaftet worden sei.

Der damalige Aufsichtsrat Karl-Jürgen Schmutzler habe den Richtern nun brisante Unterlagen präsentiert, die belegen würden, dass beispielsweise Fonds Nummer 36 aus dem Jahr 1989 den Anlegern nach sechs Monaten 6,87 Millionen Mark ausgeschüttet habe, obwohl in den Büchern nur ein Gewinn von 120.722 Mark verbucht gewesen sei. Es stelle sich nun die Frage, ob die Anleger nur angefüttert werden sollten.

Wie Vertriebsmitarbeiter Thomas Jillich dem OLG erläutert habe, habe von insgesamt 43 aufgelegten Fonds letztendlich nur ein einziger positiv abgeschlossen. Unter dem Deckmantel zu hoch angesetzter Filmkopier- und Vermarktungskosten habe sich die Holding ihre Rücklagen zu Lasten der Fonds aufgefüllt, mutmaße Weber. Zudem sei dem ehemaligen Geschäftsführer aufgefallen gewesen, dass Krohnes andere Firma G+K Honorare erhalten habe, obwohl diese keinerlei Dienstleistungen erbracht habe.

Die Anwälte der Senator-Gegner hätten das Gericht schließlich sogar aufgefordert, die Vernehmungsprotokolle und Akten an die Staatsanwaltschaft weiterzuleiten. Schon Mitte der 90er Jahre habe die Staatsanwaltschaft Büros und Privatwohnungen durchsucht. Die Ermittlungen seien aber unter dubiosen Umständen im Sande verlaufen.

Der klammheimlich im Frühjahr 2001 gefeuerte Finanzvorstand Christoph Ott habe offenbar dieser Tage mit Huth ein Friedensabkommen geschlossen. In der Branche werde gemunkelt, dass Ott in Berlin seine Koffer habe packen müssen, weil er sich angeblich geweigert habe, den Geschäftsbericht zu unterschreiben. Schon über den 2000er Abschluss hätten Gerüchte über Scheingeschäfte kursiert. So habe Huth, ein Liebhaber luxuriöser Autos und exotischer Reisen, ein TV-Lizenzpaket für 107 Millionen Mark veräußert - ohne jedoch den Namen des Abnehmers zu nennen.

Wackelig erscheine den Aktienexperten auch der Neun-Monats-Bericht. Die kurzfristigen Schulden in Höhe von 110 Millionen würden bei weitem das kurzfristige Vermögen von 68 Millionen Euro übersteigen. Der Konzern könne angesichts dieser ungesunden Konstellation in eine finanzielle Schieflage geraten. Zwei Geschäftspartner hätten schon über ausbleibende Garantiezahlungen vor dem Berliner Kammergericht geklagt. Aktueller Kurs 2,72 Euro.







 
 
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