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ROUNDUP 2: Geringere Katastrophenschäden bescheren Allianz Gewinnsprung




09.11.18 11:23
dpa-AFX

(neu: Aussage zu Gewinnziel, mögliche Aktienrückkäufe, Details zu Katastrophenschäden, Brückeneinsturz Genua, Aktienkurs, Analysten)



MÜNCHEN (dpa-AFX) - Europas größter Versicherer Allianz bleibt trotz zerstörerischer Wirbelstürme und Überschwemmungen bei seinen Gewinnplänen auf Kurs.

"Es wäre keine Überraschung, wenn wir die obere Hälfte der Prognose erreichen", sagte Finanzchef Giulio Terzariol bei der Vorlage der Quartalszahlen am Freitag in München. Damit würde die Allianz im laufenden Jahr einen operativen Gewinn von 11,1 bis 11,6 Milliarden Euro erzielen - und damit mindestens so viel wie im Katastrophenjahr 2017. Ein Jahr nach der heftigen Hurrikan-Serie in den USA kam die Allianz bei den meisten Katastrophen im dritten Quartal eher glimpflich davon.



An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die Allianz-Aktie gewann gegen Mittag 0,75 Prozent an Wert und widersetzte sich damit als einer der wenigen Titel dem Abwärtstrend im Dax . Seit Jahresbeginn liegt sie damit aber immer noch mit knapp zwei Prozent im Minus. Commerzbank-Analyst Michael Haid sprach von sehr starken Resultaten des Versicherers. Nach seiner Ansicht sollten Anleger diese Aktie kaufen.



Unter dem Strich verdiente die Allianz im dritten Quartal rund 1,9 Milliarden Euro und damit fast ein Viertel mehr als ein Jahr zuvor. Der operative Gewinn legte um gut ein Fünftel auf knapp 3 Milliarden Euro zu. Damit übertraf der Konzern die Erwartungen von Analysten, die im Schnitt mit einem geringeren Anstieg gerechnet hatten.



Mit Blick auf das Gesamtjahr zeigen sich die Experten allerdings optimistischer als die Allianz-Führung. Sie rechnen für 2018 im Schnitt mit einem operativen Gewinn von 11,5 Milliarden Euro, während Vorstandsmitglied Terzariol sich etwas vorsichtiger äußerte. So lägen die Katastrophenschäden im Oktober und November bisher unterhalb der Erwartungen, sagte er auch mit Blick auf die schweren Überschwemmungen in Italien. Allerdings könne der Dezember in Sachen Naturkatastrophen wieder heftiger ausfallen.



Den Gewinnsprung im dritten Quartal verdankte die Allianz ihrem größten Geschäftsbereich, dem Schaden- und Unfallgeschäft, das sein operatives Ergebnis um fast die Hälfte auf 1,5 Milliarden Euro steigerte. Schäden durch Naturkatastrophen schlugen zwar mit 245 Millionen Euro zu Buche. Ein Jahr zuvor hatte die Allianz unter anderem wegen der Wirbelstürme "Harvey", "Irma" und "Maria" Schäden von gut einer halben Milliarde Euro schultern müssen.



Im Gegensatz zu Rückversicherern wie Munich Re und Swiss Re musste die Allianz im Sommer nicht etwa für Taifun-Schäden in Japan am tiefsten in die Tasche greifen. Für die größte Belastung sorgte mit 105 Millionen Euro vielmehr ein Tornado im US-Bundesstaat Iowa, der eine Anlage komplett zerstörte. Weitere 50 Millionen Euro kostete den Versicherer ein Zyklon in Japan.



Der Einsturz der Autobahnbrücke in Genua mit vielen Toten traf die Allianz gleich doppelt. Der Konzern ist Teil des zuständigen Versichererkonsortiums und außerdem am Autobahnbetreiber Autostrade per l'Italia beteiligt. Nun muss die Allianz möglicherweise um ihre Dividende aus dem Autobahngeschäft fürchten - und hat den Wert ihrer Beteiligung nach unten korrigiert. Zusammen mit dem Versicherungsschaden habe dies den Nettogewinn mit rund 30 Millionen Euro belastet, sagte Terzariol. Er rechne aber weiterhin mit Dividenden von Autostrade.



Das Schaden- und Unfall-Geschäft steht derzeit im Fokus von Allianz-Chef Oliver Bäte. Nachdem die Allianz ihre Lebensversicherung an die Niedrigzins-Ära angepasst und die Vermögensverwaltung nach turbulenten Zeiten wieder auf Wachstumskurs gebracht hat, ist jetzt die größte Sparte an der Reihe. Beim Kapitalmarkttag am 30. November will der Vorstand seine Strategie vorstellen. Nach bisherigen Ankündigungen soll die Zahl der angebotenen Vertragsvarianten deutlich schrumpfen. Außerdem sollen neue Versicherungsprodukte über Ländergrenzen hinweg gemeinsam entwickelt und angeboten werden. Dadurch und durch eine stärkere Digitalisierung sollen die Kosten für die Allianz sinken.



Terzariol dämpfte allerdings Hoffnungen, dass der Konzern an diesem Tag einen weiteren milliardenschweren Aktienrückkauf bekanntgeben könnte. Man werde dann über das Thema Kapitalmanagement sprechen, sagte er. Es gehe dabei aber eher um die Denkweise des Vorstands als um konkrete Maßnahmen. Die Allianz hatte Anfang 2017 eine Reihe von Aktienrückkäufen gestartet. Den bisher letzten über eine Milliarde Euro hat sie im September abgeschlossen.



In der Lebens- und Krankenversicherung schnitt die Allianz etwas schwächer ab als im Vorjahreszeitraum. Der operative Gewinn sank auch wegen ungünstigerer Währungskurse um knapp zwei Prozent auf gut eine Milliarde Euro. Aufwärts ging es in der Vermögensverwaltung. Mit 650 Millionen Euro lag ihr operativer Gewinn knapp elf Prozent höher als ein Jahr zuvor. Nachdem Anleger aus den Fonds des Konzerns im zweiten Quartal netto mehr als 9 Milliarden Euro abgezogen hatten, kamen im dritten Quartal wieder 15 Milliarden hinzu. Insgesamt verwalteten die Töchter Pimco und Allianz Global Investors für externe Kunden Ende September knapp 1,5 Billionen Euro./stw/mne/jha/










 
 
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