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OTS: VKE-Kosmetikverband / Prestigekosmetik 2017: Ziel verfehlt - nur 0,5 ...




17.04.18 13:29
dpa-AFX

Prestigekosmetik 2017: Ziel verfehlt - nur 0,5 Prozent Wachstum (FOTO)


Berlin/Düsseldorf (ots) -


Consumer Insights: Fachgeschäfte bleiben bevorzugte Shoppingstätte


für Beautyprodukte



Produkt- und Markenpiraterie: Verantwortlichkeit der


Internethandelsplattformen schärfer regeln



Mit einem enttäuschenden Wachstum von 0,5 Prozent ist das


Geschäftsjahr 2017 für die vom VKE-Kosmetikverband repräsentierten


rund 60 führenden Unternehmen des selektiven Kosmetikvertriebs zu


Ende gegangen.

Das Ergebnis fiel damit niedriger als prognostiziert


aus. Der Gesamtumsatz der Branche im Berichtszeitraum lag bei 2,087


Mrd. Euro. (Einverkaufsumsätze zu Fabrikabgabepreisen)



Parfümerien werden laut einer Studie von Wavemaker im Auftrag des


VKE von den Kundinnen als besonders hochwertig wahrgenommen und


punkten mit edler Atmosphäre bzw. großer Auswahl. Drogeriemärkte


überzeugen beim Einkauf für den täglichen Bedarf, Online-Shops durch


die Möglichkeit des bequemen, flexiblen Einkaufs. Gründe für den


Wechsel des Kauforts bzw. Einkaufskanals von Düften, Gesichtspflege


und Dekorativer Kosmetik sind mangelnde Warenverfügbarkeit, zu


geringe Auswahl, der Preis oder aber schlechter Service,


unfreundliches Personal und verspätete Lieferungen.



2017 wurden an den deutschen Außengrenzen gefälschte Produkte im


Wert von insgesamt 196 Mio. Euro und Kosmetikprodukte im Wert vom


11,6 Mio. Euro vom Zoll beschlagnahmt. Das bedeutet für die Kategorie


sowohl nach Menge als auch nach Wert erneut eine traurige TOP 5


Platzierung in der Statistik. Ein Phänomen, das durch die


Möglichkeiten des Onlinehandels verstärkt wird.



Für viele Einzelhändler zählt heute nur noch der schnelle Umsatz.


Die Rendite und die damit einhergehende langfristige Sicherung des


Geschäftsmodells bleiben auf der Strecke. Die Kunden verlieren


komplett das Gefühl für den Wert von Produkten. Das führt zudem zu


einem nachhaltigen Gewöhnungseffekt. Statt Preisdumping sollte man


auf moderne, ungewöhnliche, mutige Produktinszenierungen setzen, die


von wirklich motiviertem, umfassend geschultem Personal präsentiert


werden.



"Ich bin fest davon überzeugt, dass die nicht enden wollende


Discountpolitik des Handels dazu geführt hat, dass unsere Branche


mittlerweile unter Wert verkauft wird", sagt Stephan Seidel,


VKE-Präsident und Geschäftsführer Clarins Deutschland. "Die


autorisierten Ladengeschäfte und der damit korrespondierende,


qualitativ hochwertige Online-Auftritt wandeln sich im Zuge der


Digitalisierung zur wichtigen Schnittstelle. Sie werden zur Bühne der


Marken- und Produktinszenierung, also zum Knotenpunkt der


Kundenbindung."



Die Digitalisierung führt aufgrund ihrer totalen Öffentlichkeit


aber nicht nur zu mehr Interaktion bzw. Kommunikation, sondern auch


zu einer Transparenz über alle Angebote. Richtig umgesetzt


unterstützt das die Glaubwürdigkeit von Markenversprechen.



"Es ist allerdings schon bezeichnend, dass wenn über innovative


Retail-Ideen berichtet oder aber das Einkaufen der Zukunft


ausgezeichnet wird, der deutsche Kosmetikfacheinzelhandel so gut wie


nicht vorkommt. Hier gilt es nun endlich anzusetzen", so Stephan


Seidel weiter.



Damendüfte retten Branchenergebnis 2017



Die VKE-Mitgliedsunternehmen erzielten im Geschäftsjahr 2017 einen


Gesamtumsatz von 2.087 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Zuwachs


von gerade knapp 0,5 Prozent.



Ausschlaggebend für das leichte Plus ist - das mit 35 Prozent


Marktanteil bei weitem größte und wichtigste - Teilsegment


Damendüfte. Diese konnten 2017 im Vorjahresvergleich um 3,8 Prozent


zulegen.



Im Bereich der Pflegenden Kosmetik, also insbesondere bei


Gesichtspflege und Sonnenkosmetik, verzeichneten die Mitgliedsfirmen


ein minimales Plus von 0,4 Prozent. Die klassische Anti Aging Pflege,


mit einem Kategorieanteil von 43 Prozent, erleidet dabei die


stärksten Umsatzrückgänge.



Die Kategorie Körperpflege konnte ihr Terrain verteidigen und


verzeichnet ein Plus von 2,2 Prozent.



Der Gewinner der Vorjahre - die Dekorative Kosmetik - muss nach


fetten Jahren ein Minus von 3,7 Prozent hinnehmen. Die Detailanalyse


zeigt, dass sich hier die wenigen Wachstumsimpulse weiter in die


Nische verlagern. Lancierungen etwa bei Augenbrauenprodukten sorgen


zwar durchaus für Schwung, haben aber nicht das Gewicht, um


signifikanten Einfluss auf den Gesamttrend nehmen zu können.



Die Herrenkosmetik konnte ihre Talfahrt etwas verlangsamen. Das


Minus beträgt diesmal 0,7 Prozent. Die Herrendüfte haben zwar mit


einem Plus von 5,1 Prozent abgeschnitten. Die Herrenpflege verlor


hingegen massiv zweistellig.



Consumer Insights - Kauforte heute und morgen



In einer sich rapide wandelnden Gesellschaft ist das stationäre


Ladengeschäft immer noch der bevorzugte Einkaufsort. Lediglich die


Gruppe der 30 bis 39 jährigen hat eine höhere Affinität zum


Onlineshopping.



Wenn online gekauft wird handelt es sich eher um Düfte, an denen


man jedoch meistens vorher in Geschäft geschnuppert hat. Offline


werden Gesichtspflege und Dekorative Kosmetik eher im Drogeriemarkt


und Düfte in der Parfümerie geshoppt. Der größte Treiber, um offline


zu kaufen, ist die Möglichkeit Produkte zu testen und zu stöbern.


Auch die direkte Verfügbarkeit und die nicht anfallenden


Versandkosten spielen eine Rolle



Einer häufigsten Gründe für den Einkaufsortwechsel ist die


Möglichkeit, den Kauf mit anderen Erledigungen verbinden zu können.


Es muss convenient sein. Aber auch eine bessere Produktauswahl ist


bedeutsam. Bei Düften spielt die Beratung eine wichtige Rolle,


während in den anderen Kategorien die Qualität als entscheidend


angeführt wird.



Onlinekauf - Shops von Parfümerien sind bevorzugte Einkaufsort für


Düfte



Online sind die jeweiligen Shops der autorisierten Fachgeschäfte


die Nr. 1 beim Kauf von Duft und Dekorativer Kosmetik. Für den


Onlinekauf spricht, dass man mehr Zeit und Ruhe hat, nicht an


Öffnungszeiten gebunden ist und die Preise schneller vergleichen kann


bzw. dass die Preise online vermeintlich günstiger sind. Auch


Vorratskäufe werden bevorzugt online getätigt.



Ein günstigerer Preis oder niedrigere Lieferkosten sowie


Produktauswahl und Verfügbarkeit führen sehr schnell zum Wechsel zu


einem anderen Versender.



Ältere Befragte, ab 40 Jahren, kaufen eher über stationäre als


mobile Endgeräte. Bei den jüngeren Befragten ist der Online-Kauf über


die Endgeräte ungefähr gleich verteilt. Dekorative Kosmetikprodukte


werden häufiger über Smartphones/Tablets gekauft als


Gesichtspflegeprodukte und Düfte. Sowohl während der Woche als auch


am Wochenende werden Produkte aus allen drei Kategorien am meisten


zwischen 18-24 Uhr Online gekauft. Am Wochenende verteilt sich der


Kaufzeitpunkt.



Produkt- und Markenpiraterie bereitet weiterhin Sorgen



2017 wurden an den deutschen Außengrenzen Körperpflegeprodukte im


Wert von 11,6 Mio. Euro sichergestellt. Die Anzahl beschlagnahmter


Waren lag bei 186.657 Stück. 51,3 Prozent der gefälschten


Beautyprodukte kommen aus China, gefolgt von Hongkong mit 14,4


Prozent.



Obwohl Prestigekosmetik und Düften weiterhin eine hohe


Begehrlichkeit ausstrahlen, bleibt das Verständnis für den


Unterschied zwischen Original und Fälschung jedoch zunehmend auf der


Strecke. Sogar die eigene Gesundheit wird dabei hinter den Besitz des


vermeintlichen Luxusprodukts gestellt.



Produktpiraterie ist für die Hauptakteure und Profiteure ein


nahezu risikoloses, äußerst einträgliches Geschäft und wird daher


insbesondere im Internet mit immens hoher krimineller Energie


betrieben. Die Verkaufsplattformen oder Marktplätze verdienen dabei


mit, entziehen sich aber weitgehend ihrer Verantwortung. In Europa


genießen sie sogar umfassende Privilegien.



"Die Verantwortlichkeit der Onlineanbieter, nicht nur kosmetischer


Produkte, muss in Zukunft erheblich schärfer gefasst werden. Im


Rahmen der Umsetzung einer Digitalen Binnenmarktstrategie ist der


europäische Gesetzgeber daher ausdrücklich dazu aufgefordert,


Internethandelsplattformen für verbraucherschützende Maßnahmen in die


Pflicht zu nehmen, Verkehrssicherungspflichten einzuführen und


Haftungsprivilegien neu zu regeln," sagt Martin Ruppmann,


Geschäftsführer VKE-Kosmetikverband.



Verhaltener Ausblick 2018 - 0,5 Prozent Umsatzplus erwartet



39 Prozent der VKE-Mitglieder bewerten die gegenwärtige


Geschäftslage als gut, 16 Prozent sogar als sehr gut. 35 Prozent


schätzen sie als wenigstens befriedigend ein.



Bei den Antworten auf die Frage nach der erwarteten


Umsatzentwicklung im selektiven Kosmetikmarkt 2018 trübt sich die


Stimmung aber deutlich ein. Lediglich 3 Prozent rechnen mit sehr


guten (>10%), weitere 10 Prozent mit guten Ergebnissen (5-10%


Wachstum). 68 Prozent der Unternehmen befürchten hingegen schwache


Umsätze (< 2%) - so viel wie noch nie.



Bei der Entwicklung der Vertriebskanäle spielt das Thema Online


eine immer größere Rolle. Aber auch Parfümerieketten und


Drogeriemärkte mit Parfümerieabteilung behalten ihre Relevanz.



Um im Markt bestehen zu können, wollen 55 Prozent der


Mitgliedsfirmen ihre Marketinginvestments steigern. Das sind 7


Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Bei 39 Prozent bleiben sie


immerhin auf dem Vorjahresniveau.



29 Prozent planen, den Mitarbeiterkreis zu erweitern. Auch dieser


Wert bedeutet noch einmal eine Verbesserung im Verhältnis zu 2017. 68


Prozent halten die Zahl der Mitarbeiter immerhin konstant.



Betrachtet man die erwartete Umsatzentwicklung in den einzelnen


Warengruppen, dann sind Wachstumsimpulse erneut bei den Düften


erkennbar - und zwar sowohl bei den Damen, als auch bei den Herren.


In beiden Segmenten geht jeweils 50 Prozent der Unternehmen von einer


guten bis sehr guten Umsatzentwicklung aus.



Deutlich trüber sind die Erwartungen in den Pflegekategorien aber


auch bei Sonnenkosmetik, wo überwiegend nur durchschnittliche, wenn


nicht sogar eher schlechte Ergebnisse befürchtet werden.



Das Tief überwunden haben könnte die Dekorative Kosmetik. Hier


rechnet man bei über 50 Prozent der Lieferanten wieder mit


anziehenden Erlösen.



Das Thema E-Commerce ist für 61 Prozent der Unternehmen sehr


wichtig. Dabei vertreiben knapp 65 Prozent zumindest Teile des


Markenportfolios über den unternehmenseigenen Online-Shop. Dem


Online-Auftritt kommt dementsprechend eine äußerst hohe Relevanz für


die Markendarstellung zu.



"Diese scheinbar widersprüchliche Bild macht deutlich, wie groß


die Verunsicherung in diesen gerade für unsere Branchen turbulenten


Zeiten ist. Die ungebremste Zunahme von Discountangeboten und


Handelsmarken, die fortgesetzte Konzentration im Handel mit einem


damit einhergehenden Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung,


der fehlende Spielraum für notwendige Preiserhöhungen und,


mittlerweile ein Top-Thema, der Wachstum behindernde Fachkräftemangel


tun ein Übriges. Aufgrund dieser in weiten Teilen der Branche


spürbaren, eher pessimistischen Zurückhaltung rechne ich für das


Geschäftsjahr 2018 mit maximal 0,5 Prozent Wachstum", so der


VKE-Präsident Stephan Seidel.



Der VKE-Kosmetikverband, Berlin wurde 1952 in Frankfurt am Main


gegründet und nimmt die gemeinsamen Berufs- und Fachinteressen der


Distributeure bzw. Hersteller selektiv vertriebener Duft- bzw.


Kosmetikprodukte in Deutschland wahr. Mitglieder des VKE sind heute


mehr als 60 deutsche Vertriebstöchter ausländischer Stammhäuser bzw.


inländische Kosmetikproduzenten, die über 250, zum Teil weltbekannte


Marken und einen Umsatz von deutlich über 2 Mrd. EUR repräsentieren.



OTS: VKE-Kosmetikverband


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