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07.12.17 18:33
dpa-AFX

PwC: Neue Basel IV-Regeln zwingen Banken zur Überprüfung ihrer


Unternehmensstrategie


Frankfurt am Main (ots) - Basel IV: Baseler Ausschuss für


Bankenaufsicht veröffentlicht neue Regelungen zur Berechnung von


risikogewichteten Aktiva (Risk-Weighted Assets, RWA) /


Standardisierte Ansätze sind risikosensitiver geworden / Mehr


Einschränkungen für interne Modelle / Hoher Capital Floor von 72,5


Prozent / PwC-Experte Martin Neisen: "Trotz einer deutlichen


Entschärfung der neuen Regelungen im Vergleich zu den Entwürfen,


müssen einzelne europäische und deutsche Banken mit einer deutlichen


Erhöhung der RWA von 10-15% rechnen.

"



Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht hat das überarbeitete


Rahmenwerk zur Berechnung von risikogewichteten Aktiva und Capital


Floors vorgestellt. Die standardisierten Ansätze sind


risikosensitiver geworden, während die Verwendung interner Modelle


mehr Einschränkungen unterliegt. Zusammen mit bereits im letzten Jahr


beschlossenen Regeländerungen beziehen sich die Änderungen bei der


RWA-Berechnung auf alle Risikoarten der Säule 1 und betreffen somit


sämtliche Banken - unabhängig von ihrer Größe, ihrem Geschäftsmodell


und der Verwendung standardisierter oder fortgeschrittener Ansätze


für die aufsichtsrechtliche Eigenkapitalberechnung. Eines der


kontroversesten diskutierten Elemente des Reformpakets ist die


Einführung eines hohen Capital Floors von 72,5% bei internen


RWA-Modellen.



Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht verfolgt gleich mehrere


Ziele mit den neuen Regeln. Zum einen soll das Vertrauen in


sogenannte interne Modelle erhöht werden, zum anderen werden


insbesondere die Standardverfahren deutlich risikosensitiver und so


angepasst, dass den Veränderungen der Kapital- und Kreditmärkte der


letzten Jahre Rechnung getragen wird. Bei den sogenannten


Operationellen Risiken dürfen keine interne Modelle mehr verwendet


werden und es wird ein einheitlicher Standard für alle Banken


eingeführt. Eine Einigung bei der Überarbeitung der Regeln für


Kredite an Staaten konnte nicht erzielt werden.



Auswirkungen auf Unternehmensstrategie und Geschäftsmodelle der


Banken



Obwohl die finalen Regelungen im Vergleich zu den ursprünglichen


Entwürfen stark entschärft wurden, müssen insbesondere einige


europäische und auch deutsche Institute mit deutlichen Erhöhungen


ihrer RWA und somit mit niedrigeren Kapitalquoten rechnen. Die


Änderungen wirken sich jedoch sehr individuell aus. Während einige


Institute mit einer Erhöhung von bis zu 10-15% rechnen müssen,


profitieren andere Banken sogar von den Neuerungen. Das tatsächliche


Ausmaß hängt stark von den bestehenden Geschäftsmodellen ab und von


der Frage, inwieweit interne Modelle zur Messung der Risiken in der


Vergangenheit herangezogen wurden.



"Die geplanten Änderungen werden dazu führen, dass die Banken die


Eigenkapitalanforderungen in ihren Geschäftsbereichen überprüfen und


gegebenenfalls ihre Produkt- und Preisgestaltung anpassen müssen. Das


überarbeitete Rahmenwerk wird sich daher auf die


Unternehmensstrategie und die Geschäftsmodelle der Banken auswirken.


Der Baseler Ausschuss rechnet mit einer gewissen Kapitalumverteilung


im Finanzsystem", sagt Martin Neisen, Global Basel IV Leader und


Partner bei PwC Deutschland. "Im Fokus der größeren Banken dürften


die festgelegten Capital Floors stehen. Einige Banken werden vor


allem darüber nachdenken müssen, wie sie ihre Infrastruktur und die


verwendeten Technologien verbessern können, um die Menge der Daten


und deren Granularität bewältigen zu können. Diese sind angesichts


der nun komplexeren standardisierten Ansätze gestiegen."



Banken sollten trotz langer Fristen jetzt handeln



Das Reformpaket wird ab 2020 stufenweise bis 2027 eingeführt. Auch


der bereits 2016 verabschiedete neue Standard für Marktpreisrisiken


wird auf 2022 verschoben, so dass alle Neuerungen in einem "Big Bang"


eingeführt werden. Dies ermöglicht es den Banken, die


Kapitalauswirkungen, die aus den neuen Anforderungen entstehen,


besser steuern und bewältigen zu können. Zudem sind die nationalen


und europäischen Gesetzgeber gefragt, um das Basel IV-Paket in


nationales bzw. europäisches Recht zu überführen und entsprechende


Umsetzungsfristen festzulegen.



Die neuen Regeln werden auch auf andere Unternehmen der


Finanzbranche Auswirkungen haben. Erhöhen sich die Kapitalkosten für


einzelne Geschäfte bei den Banken, wird sich dies in den Zinsen und


Provisionen widerspiegeln. Konkurrenten der Banken wie zum Beispiel


Versicherungen, Hedgefonds oder FinTechs stehen bereits in den


Startlöchern um Geschäfte zu übernehmen, die aufgrund der neuen


Regeln für Banken unattraktiv werden.



"Auch wenn der Zeitpunkt für die Umsetzung des Reformpakets


scheinbar noch in weiter Ferne liegt, müssen alle Banken jetzt


handeln", sagt Martin Neisen. "Mit der Entscheidung des Baseler


Komitees hat die Bankenbranche nun endlich Klarheit bekommen. Aber es


ist offensichtlich, dass die Banken viel Zeit, Aufwand und


beträchtliche Ressourcen benötigen werden, um die Auswirkungen der


Reformen zu verstehen, umzusetzen und zu bewältigen."



Angesichts des Ausmaßes der Änderungen werden die heute


veröffentlichten Reformen zusammen mit den vorangegangenen


Veröffentlichungen des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht, die


neben einer Änderung der Berechnung der risikogewichteten Aktiva


(RWAs) auch den im Januar 2016 veröffentlichten überarbeiteten


Markrisikorahmen umfassen, gemeinhin als "Basel IV" bezeichnet.



OTS: PwC Deutschland


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Pressekontakt:


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Tel.: (0211) 981 - 5374


E-Mail: attila.rosenbaum@pwc.com



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