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23.02.21 20:31
dpa-AFX

Verlorene Jahre, Kommentar zur privaten Altersvorsorge in Deutschland


von Silke Stoltenberg


Frankfurt (ots) - Für die Altersvorsorge sind es verlorene Jahre gewesen.

Aus


dem Versprechen der Bundesregierung, die Riester-Rente zu reformieren, ist


Nullkommanichts worden. Es ist wirklich bitter für diejenigen, die aufgrund des


demografischen Wandels immer weniger aus der gesetzlichen Rente zu erwarten


haben und selbst für ihr Auskommen im Alter aktiv werden müssen. Insofern kann


man der Fondsbranche nur beipflichten, dass das deutsche System in eine immer


größere Schieflage gerät. Für die neue, wie auch immer geartete Bundesregierung


wird die Aufgabe umso dringlicher sein, die Reform der Altersvorsorge endlich


anzupacken.



Wie sich die Fondsbranche das vorstellt, hat sie nun noch einmal präzisiert und


zudem an neue Entwicklungen angepasst. Und da sind durchaus gute Denkanstöße für


die Politik dabei. Dass der Sparer-Freibetrag seit Jahren nicht erhöht wurde,


während Verbraucherpreise, Renten, Steuerfreibetrag und


Beitragsbemessungsgrenzen stetig nach oben gingen, ist ein wunder Punkt. Denn


was hilft es denn, einerseits staatliche Gelder als Zulagen für


Altersvorsorgeprodukte zu gewähren, während andererseits der Freibetrag auf


unzureichendem Niveau verharrt und dann sofort den Leuten 25 Prozent


Abgeltungssteuer aus der Tasche gezogen werden, wenn sie zusätzlich privat


vorsorgen. Eine Erhöhung des Pauschbetrags wie auch eine regelmäßige Anpassung


an Inflation und Lohnentwicklung sind sinnvolle Vorschläge des Fondsverbands


BVI. Auch die Idee, "verfallene" Freibeträge aus den Vorjahren für die Zukunft


aufsparen zu können, überzeugt.



Positiv ist auch, dass die Fondsanbieter Bereitschaft signalisieren, sich statt


einer reformierten Riester-Rente ein neues staatlich gefördertes


Altersvorsorgeprodukt vorstellen zu können. Denn angesichts der lautstarken


Kritik an diesem Produkt ist es fraglich, ob sich eine neue Regierung wirklich


noch an dieser schwierigen Herausforderung versuchen will oder lieber einen


Neustart wagt. Da ist es auf jeden Fall aus Sicht der Fondsbranche besser, sich


für alle Lösungen offen zu zeigen - zumal gerade aus der Politik schon viele


andere Ideen weg von der Riester-Rente kamen. Zentral wird dabei sein, dass


hundertprozentige Garantieversprechen gegenüber Vorsorgesparern keine Zukunft


mehr haben, sonst sind die Aussichten für Vorsorgesparer auf auskömmliche


Renditen schlecht. Für die dringend notwendige Reform der Altersvorsorge braucht


die neue Regierung Mut - und ein konstruktives Mitwirken der Finanzbranche.



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