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23.02.18 21:10
dpa-AFX

Börsen-Zeitung: In unruhigem Fahrwasser - Kommentar von Christopher


Kalbhenn zum Börsengeschehen der vergangenen und den Aussichten für


die kommende Woche.


Frankfurt (ots) - Wohl dem, der dem Ratschlag vieler Experten


gefolgt ist, Kursschwächen am Aktienmarkt im Jahr 2018 als


Einstiegsgelegenheiten und nicht als Fanal für den Ausstieg zu


betrachten. Denn nach der phasenweise heftigen, von einer Explosion


der Volatilität begleiteten Korrektur ist - zumindest vorerst -


wieder Ruhe eingekehrt. Die Marktschwankungen haben deutlich


nachgelassen, ablesbar etwa am Volatilitätsindex VDax New, der Anfang


Februar fast aus dem Stand von rund 20 auf 40 Punkte hochschoss und


nun bei 19 Zählern liegt. Wer die Nerven verloren und sein


Dax-Portfolio nahe dem Tiefpunkt liquidiert hat, hat seit


Jahresbeginn 7,1% eingebüßt. Durch die Erholung seit dem Tief


beschränkt sich das Minus seit Jahresbeginn bei den Anlegern, die


stillgehalten haben, auf 3,4%.



Bislang scheint damit das Konsensszenario der Marktausblicke auf


das laufende Jahr intakt. Es besagt, dass die Aussichten für


Risiko-Assets wie insbesondere Dividendentitel vor dem Hintergrund


sich weiter aufhellender Perspektiven für das Wirtschaftswachstum und


die Unternehmensgewinne positiv bleiben und somit die schöne


Investment-Welt des Jahres im Großen und Ganzen erhalten bleibt.


Tatsächlich haben sich aber die Vorzeichen in den zurückliegenden


Wochen deutlich verändert. 2018 wird sich wahrscheinlich als ein


merklich schwierigerer Jahrgang als 2017 erweisen, der Aktienmarkt


sich in unruhigeren Fahrwassern bewegen.



Dafür spricht allein schon die Tatsache, dass die Kurseinbrüche in


New York für Verunsicherung sorgen, nachdem zuvor die lang anhaltende


extrem schwankungsarme Zeit die Marktteilnehmer geradezu sediert hat.


Gleichzeitig ist mit den Befürchtungen über anziehende Teuerungsraten


und Zinsen ein Belastungsfaktor entstanden, der das positive


fundamentale Bild in den Hintergrund zu drängen droht. Jedes


Anzeichen für kräftigeren Preisauftrieb und einen beschleunigten


Schwenk hin zu einer restriktiveren Geldpolitik kann für Unruhe


sorgen und die Volatilität erhöhen.



Erschwerend kommt hinzu, dass es ohnehin eine latente


Grundnervosität wegen der bereits sehr langen Dauer der laufenden


Konjunktur- und Aktienmarktzyklen gibt. Der nächste Abschwung ist


ebenso wie der nächste Bärenmarkt nur eine Frage der Zeit.


Gleichzeitig bewegen sich die Bewertungen insbesondere in den USA,


am mit etwas mehr als 50% der globalen Marktkapitalisierung mit


Abstand wichtigsten Aktienmarkt, auf recht anspruchsvollen Niveaus,


was ebenfalls potenziell anfällig macht.



Dennoch stehen die Vorzeichen für dieses Jahr nach wie vor eher


auf steigende als auf nachgebende Kurse. Die Beschleunigung des


globalen Wachstums mit ihren positiven Folgen für die Gewinne spielt


Aktien ebenso in die Hände wie die noch niedrigen Zinsen, wobei


allerdings die in der zehnjährigen Laufzeit der 3%-Schwelle


zustrebenden Treasuries sich allmählich zu einer Alternative


entwickeln. Solange der Prozess allmählich ist, bedeuten steigende


Zinsen zudem nicht per se ein Malus für Aktien. Schließlich sind sie


Ausdruck der positiven wirtschaftlichen Entwicklung.



Die ersten Wochen des Jahres haben aber deutlich vor Augen


geführt, dass Investoren vorsichtiger agieren bzw. Risiken reduzieren


müssen. Dieser Prozess, und auch das ist eine weitere deutliche


Veränderung, hat bereits begonnen. So erklärt etwa


Schroders-Fondsmanager James Rutland im Interview in dieser Ausgabe,


er müsse zunehmend bedacht sein, sich defensiver aufzustellen. Der


Chief Investment Officer der UBS, Mark Haefele, erklärte in der


abgelaufenen Woche, weiterhin zuversichtlich für die Aktienmärkte zu


sein und eine weitere Erholung von der Korrektur zu erwarten.


Allerdings bereite er sich auf das neue, ruppigere Marktumfeld durch


den Kauf einer Put-Option (Verkaufsoption) auf den US-Aktienindex


S&P 500 vor. Zudem werde er diese Position in den kommenden Monaten


möglicherweise ausbauen. Das ist ein starker Kontrast zum


zurückliegenden Jahr, in dem die Marktteilnehmer nicht nur nahezu


völlig auf die Absicherung von Aktienportfolios verzichtet haben,


sondern auch massiv auf sinkende bzw. auf niedrigstem Niveau


verharrende Volatilität spekuliert haben, bis ihnen diese Wetten im


Februar um die Ohren flogen. Die Zeiten, in denen die


Volatilitätsindizes auf extrem niedrigen Niveaus vor sich hin


dümpelten, dürften bis auf weiteres passé sein.



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