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23.11.17 20:37
dpa-AFX

Börsen-Zeitung: Vor der Zeitenwende, Kommentar zu Thyssenkrupp von


Christoph Ruhkamp


Frankfurt (ots) - Trotz heftigem Gegenwind hält Thyssenkrupp-Chef


Heinrich Hiesinger den Kurs beim mühsamen Umbau des Konzerns.

Nach


dem Verkauf des Skandal-Stahlwerks in Brasilien, das eine breite


Blutspur in der Bilanz hinterlassen hat, und nach der


milliardenschweren Kapitalerhöhung kann der Konzern mit einer


stärkeren Eigenkapitalausstattung als finanziell stabilisiert gelten.


Doch während das Gesamtunternehmen in kleinen Schritten in die


richtige Richtung vorankommt, bleiben die Schwachstellen


unverkennbar: Da ist der Chemieanlagenbau, dessen operativer Gewinn


nach einer langen Auftragsflaute um zwei Drittel eingebrochen ist.


Und da sind die Korruptionsrisiken im Kriegsschiffbau, dessen


Finanzchefin gerade die Sparte verlässt.



Im Vergleich zur Stahlfusion sind das jedoch die kleineren


Probleme: Der für Anfang 2018 geplante Zusammenschluss der


Stahlsparte mit dem Europageschäft des indischen Konkurrenten Tata


Steel soll die Zeitenwende bringen. Nach der Trennung von diesem


zyklischen Geschäft könnte Thyssenkrupp mit den lukrativen Sparten


für Aufzüge und Automobilkomponenten als Technologieunternehmen


gelten. Dann würden am Kapitalmarkt neue Bewertungsmaßstäbe angelegt,


die den Aktienkurs voraussichtlich nach oben treiben.



Für die Stahlfusion braucht Hiesinger jedoch einen Kompromiss mit


den Gewerkschaftern der IG Metall, die im montan-mitbestimmten


Aufsichtsrat die Hälfte der Mitglieder stellen. Welche Punkte


verhandelt werden, ist klar: Es geht um Zusagen für Beschäftigung,


Investitionen und Standorte - "für ein Jahrzehnt". Hier wird der


Konzern den Arbeitnehmern wohl tatsächlich Zugeständnisse machen, um


eine Kampfabstimmung zu verhindern.



Etwas anders sieht es bei der Ausstattung des Joint Ventures mit


6,5 Mrd. Euro Schulden aus, davon 4 Mrd. Euro von Thyssenkrupp. Diese


Beträge sind mit dem Fusionspartner Tata schon ausverhandelt und


führen dazu, dass jeder der beiden Partner 50 Prozent der Anteile


hält. Nur so kann Thyssenkrupp die Stahsparte samt Schulden


entkonsolidieren und die erwünschten Bilanzeffekte erzielen. Also


darf daran nicht gerüttelt werden.



Einen Kompromiss, der für die Gewerkschafter aber bestenfalls


gesichtswahrend wäre, wird es wohl beim Holding-Sitz geben. Er muss


in Amsterdam sein, damit sich Tata nicht als Verlierer fühlt.


Nebenbei gibt es dort keine Montanmitbestimmung und Thyssenkrupp


spart Steuern. Damit die Gewerkschafter zustimmen, dürfte man ihnen


ergänzende Informationsrechte als Trostpflaster versprechen.



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