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08.03.18 20:31
dpa-AFX

Börsen-Zeitung: Willkommen in der Realität, Kommentar zur Europäischen


Zentralbank von Mark Schrörs


Frankfurt (ots) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat es getan:


Zur Überraschung vieler hat der EZB-Rat bereits am Donnerstag das


einseitige Versprechen, die Anleihekäufe (Quantitative Easing, QE) im


Notfall "im Hinblick auf Umfang und/oder Dauer auszuweiten", gekippt.


Zwar gab sich EZB-Präsident Mario Draghi sogleich alle erdenkliche


Mühe, diese Entscheidung herunterzuspielen - und tatsächlich bleibt


zumindest die Option auf eine abermalige QE-Verlängerung auf dem


Tisch. Trotzdem ist das ein wichtiger Mini-Schritt auf dem Weg


Richtung Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik - der mit Blick


auf die ökonomische Lage ebenso richtig ist wie überfällig war.


Willkommen in der Realität!



Draghi bezeichnete die Entscheidung als "rückwärtsgewandt", quasi


ohne Signalwirkung. Allein die Tatsache, wie schwer sich die


Notenbanker seit dem Sommer damit getan haben, spricht aber eine


andere Sprache. Und ja, die Möglichkeit einer Verlängerung ist durch


andere Formulierungen weiter gegeben. Trotzdem war und ist der


Wegfall dieses "Easing bias", also der Neigung zur Lockerung, zu


Recht als eine Vorbedingung für ein späteres QE-Ende angesehen


worden. Entscheidend ist jetzt aber, dass der EZB-Rat auch die


nächsten Hürden aus dem Weg räumt - allen voran die direkte


Verknüpfung zwischen den QE-Nettokäufen und dem Erreichen des


2-%-Inflationsziels. Da wünscht man Draghi & Co. noch mehr Mut.



Positiv ist, dass sich der EZB-Rat auch durch alle an die Wand


gemalten Schreckgespenster nicht hat abbringen lassen - heißen sie


Protektionismus, Italien oder Marktvolatilität. Vor allem die


gestiegene Volatilität ist nach der fast schon unheimlich langen


Phase der Ruhe fast ein willkommener Weckruf gewesen, dass


Finanzmärkte keine Einbahnstraße sind. Ansonsten bleibt es bislang


dabei: Der Wirtschafts- und Inflationsausblick in Euroland


rechtfertigt längst keine Geldpolitik mehr, die expansiver ist als


auf dem Höhepunkt der Weltfinanzkrise. Zumindest solange es keine


neuen negativen Schocks gibt, sollte die EZB das QE-Experiment nach


September beenden.



Neben der sich verschlechternden Kosten-Nutzen-Bilanz, vor allem


mit Blick auf die Finanzstabilitätsrisiken, sollte die EZB auch nicht


vergessen, was sie selbst der Fiskalpolitik so gerne predigt: In


guten Zeiten gilt es, Puffer für schlechte Zeiten aufzubauen. Das


meint keine überstürzte Straffung der Geldpolitik um der Straffung


willen. Der Exit wird lange dauern und Geduld erfordern. Es geht aber


darum, das aktuelle Zeitfenster der guten wirtschaftlichen Lage nicht


leichtfertig ungenutzt zu lassen. Etwas überspitzt formuliert: Die


EZB sollte nicht so lange im Krisenmodus verharren, bis die nächste


Krise da ist.



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