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25.06.19 20:31
dpa-AFX

Börsen-Zeitung: Wiederauferstanden, Kommentar zum Goldpreis von


Christopher Kalbhenn


Frankfurt (ots) - Vielleicht die größte Überraschung des zweiten


Quartals an den Märkten ist die Entwicklung des Goldpreises.

Nachdem


das Edelmetall lange Zeit langweilig vor sich hingedümpelt hatte, ist


es urplötzlich in einen spektakulären Höhenflug übergegangen. Am


Dienstag erreichte es bei 1439 Dollar den höchsten Stand seit sechs


Jahren, womit es in rund vier Wochen um rund 220 Dollar


beziehungsweise 12,5 Prozent zugelegt hat.



Die Wiederauferstehung der Krisenwährung hat vielfältige Ursachen.


Getrieben wird sie nicht zuletzt durch die Spannungen zwischen den


USA und Iran beziehungsweise das gestiegene Risiko eines dritten


Golfkriegs. Beide Seiten betonen, einen Krieg unbedingt vermeiden zu


wollen. Der Drohnenabschuss hat aber deutlich vor Augen geführt, dass


die Lage außer Kontrolle geraten könnte. Und eine Entspannung scheint


derzeit nicht in Sicht. Beide Seiten fahren nach wie vor einen harten


Konfrontationskurs, was den Goldpreis noch eine Zeit lang stützen


könnte.



Das Edelmetall wird außerdem von dem Kursschwenk der US-Notenbank


getrieben. Sie hatte Bereitschaft signalisiert, ihren Leitzins zu


senken; einen ersten Schritt erwarten die Marktteilnehmer bereits im


Juli. Und auch die Europäische Zentralbank hat geldpolitische


Lockerungsmaßnahmen avisiert. Das hat neben der brisanten Lage am


Golf die Anleger in die Staatsanleihen getrieben und damit die


Renditen entlang der gesamten Zinskurve gedrückt. Niedrigere Zinsen


bedeuten für keine Zinsen abwerfende Goldinvestments niedrigere


Opportunitätskosten. Anders ausgedrückt: Gold gewinnt an


Attraktivität.



Dritter im Bunde der Goldpreistreiber ist der niedrigere Dollar.


Er ist durch den neuen Fed-Kurs unter Druck geraten, während


gleichzeitig Schwellenländeranlagen von der Aussicht auf niedrigere


US-Zinsen gestützt werden. Dadurch wird das Edelmetall für Anleger


großer Nachfrageländer wie Indien währungsseitig erschwinglicher.



Hinzu kommen die bei solchen starken Kursaufschwüngen üblichen


selbstverstärkenden Prozesse. Immer mehr spekulative Anleger wollen


auf den fahrenden Zug aufspringen. Laut US-Derivateaufsicht sind die


Netto-Long-Positionen am Terminmarkt vier Wochen in Folge auf rund


150000 Kontrakte per 18. Juni gestiegen. Es wäre daher wenig


verwunderlich, wenn es in nächster Zeit zu einer kurzfristigen


Korrektur käme. Die den Goldpreis treibenden Faktoren scheinen aber


nachhaltigerer Natur zu sein, so dass Korrekturbewegungen bis auf


weiteres nur vorübergehender Natur sein dürften.



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