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23.10.18 20:46
dpa-AFX

Börsen-Zeitung: Wertvernichtung, Kommentar zu Bayer von Annette Becker


Frankfurt (ots) - Knapp 30 Mrd.

Euro an Marktkapitalisierung sind


verpufft, seit ein Geschworenengericht in den USA die Bayer-Tochter


Monsanto im August im ersten Glyphosat-Prozess zur


Schadenersatzzahlung von 289 Mill. Dollar verdonnert hat. Allein am


Dienstag gab der Dax-Wert erneut um mehr als 10 Prozent nach, obwohl


das Gericht die Strafzahlung um mehr als 200 Mill. Dollar


verringerte. Denn die schlechte Nachricht aus San Francisco lautet:


Das Urteil im ersten Glyphosat-Prozess, in dem es um den


Kausalzusammenhang zwischen dem Unkrautvernichter Glyphosat und


Krebserkrankungen bei Anwendern des Herbizids geht, hat im Kern


Bestand.



Die jüngste Entscheidung des Gerichts ist auch deswegen


aufsehenerregend, weil dieselbe Richterin vor nicht einmal zwei


Wochen eine völlig andere Bewertung in der Causa abgegeben hatte. Vor


der Anhörung der Parteien hatte sie signalisiert, den


Strafschadenersatz aufzuheben und den Prozess vielleicht sogar neu


aufzurollen.



Davon ist jetzt keine Rede mehr. Vielmehr wurde die Strafzahlung


 von 250 Mill. Dollar, die Monsanto respektive Bayer zusätzlich zur


Entschädigung von 39 Mill. Dollar aufgebrummt bekam, nur als in der


Höhe nicht gerechtfertigt kassiert. Die Argumentationslinie von


Bayer, nach der soundsoviele Studien die Unbedenklichkeit von


Glyphosat bei sachgerechter Anwendung bescheinigen, hat bei Gericht


offensichtlich nicht überzeugt.



Natürlich ist damit noch kein Nachweis erbracht, dass Glyphosat


tatsächlich Krebs verursachen kann. Auch ist das letzte Wort in dem


Prozess noch nicht gesprochen, hat Bayer doch sogleich Berufung gegen


die Entscheidung angekündigt. Zudem ist das Urteil kein Präjudiz für


weitere Verfahren. Dennoch verschlägt einem allein die Anzahl der


Klagen den Atem: Ende August sprach Bayer von 8700 anhängigen Klagen.


Denn multipliziert mit der auf 78,6 Mill. Dollar verringerten


Schadenersatzsumme ergeben sich 680 Mrd. Dollar. Das ist fast zehnmal


so viel, wie Bayer jetzt noch auf die Waage bringt.



Und noch ein Zahlenvergleich, der aufhorchen lässt: Für Monsanto


zahlte Bayer im Sommer umgerechnet 55 Mrd. Euro (inklusive Schulden),


an der Börse bringen die Leverkusener dagegen nur noch gut 63 Mrd.


Euro auf die Waage, obwohl Bayer das Eigenkapital zur Finanzierung


der Übernahme um 9 Mrd. Euro aufstockte. Die Wertvernichtung ist


beispiellos. Eigentlich wollte Bayer mit der Monsanto-Übernahme in


puncto Wertschaffung alles bisher da gewesene in den Schatten


stellen.



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