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16.03.18 20:37
dpa-AFX

Börsen-Zeitung: Vom Zinspfad abhängig, Marktkommentar von Dietegen


Müller


Frankfurt (ots) - Die Würfel scheinen gefallen zu sein, dass die


US-Notenbank Fed am Mittwoch den Leitzinssatz um 25 Basispunkte auf


eine Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent anheben wird.

Zumindest


signalisieren dies die aus Terminkontrakten abgeleiteten impliziten


Zinserwartungen im Markt, und eine deutliche Mehrheit der Auguren


erwartet ebenfalls einen solchen Schritt. Deshalb dürfte die


marktbewegende Frage sein, ob sich die Fed darüber hinaus auch zu


einem Statement hinreißen lässt, in dem sie vier statt wie bisher


drei Zinsschritte für dieses Jahr in Aussicht stellt.



Die BayernLB geht davon aus, dass genau dies geschehen wird. So


sei seit der Veröffentlichung der Konjunkturprognose im Dezember


durch den Fed-Offenmarktausschuss einiges geschehen, was einen


steileren Zinsanhebungspfad rechtfertigen würde. So hat der


US-Kongress eine Steuerreform verabschiedet, und es zeichnet sich ein


Haushaltspaket ab, das rund 150 Mrd. Dollar an konjunkturfördernden


Effekten haben dürfte. Die BayernLB schließt nicht aus, dass die Fed


darüber hinaus für 2019 drei Zinsschritte signalisiert - dies wegen


der robusten Wirtschaft und nicht wegen einer höheren


Inflationsprognose, die bereits "recht optimistisch" sei.



Handelspolitische Volten dürften kurzfristig kaum relevant für die


Zinspolitik sein, da die Zölle auf Stahl und Aluminium einen zu


geringen Teil der Wirtschaft treffen, um Inflations- oder


Wachstumseffekte zu haben. Andere Marktteilnehmer fragen sich aber,


ob bei den Turbulenzen Anfang Februar nicht bereits ein Übermaß an


Zinserhöhungserwartung eingepreist worden ist.



Gemessen an den Renditen langlaufender Staatsanleihen ist dies der


Fall: Zehnjährige US-Treasuries rentieren mit 2,84 Prozent etwas


unter ihrem Vierjahreshoch von 2,95 Prozent, das am 21. Februar


erreicht wurde. Auch die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen sind


von 0,80 Prozent wieder deutlich auf 0,58 Prozent zurückgegangen. Zum


einen mag dies mit einer Flucht in Sicherheit zu tun haben. So haben


die geopolitischen Spannungen in den vergangenen Monaten eher


zugenommen. Der von Dario Caldara und Matteo Iacoviello konstruierte


Index für geopolitische Risiken hat inzwischen den höchsten Stand


seit dem Einmarsch der USA in den Irak 2003 erreicht.



Doch angesichts der haushaltspolitisch laxen und damit eher


renditetreibenden US-Regierung ist der Renditerückgang auch ein


Hinweis darauf, wie hartnäckig niedrig die Inflationserwartungen


bisher bleiben. Der fünfjährige Inflationsswap, der von der Fed von


St. Louis publiziert wird, hat sich von einem Hoch von 2,35 Prozent


Anfang Februar wieder auf 2,10 Prozent zurückgebildet. Ungeachtet


aller schrillen politischen Töne besteht derzeit ein moderates,


kontinuierliches, aber nicht extrem hohes Wachstum mit einer leicht


höheren, aber im langfristigen Vergleich unterdurchschnittlichen


Teuerung. Eine breite Überhitzung der Wirtschaft ist nicht sichtbar.



Auch die US-Notenbank selbst geht in ihren "Dots" - den


Zinsprojektionen der Fed-Gouverneure - langfristig, also auf Sicht


von drei Jahren oder mehr, im Mittel nur von einem Leitzins von 2,75


Prozent aus - was noch fünf Zinsschritten entspräche. Allerdings: Vor


sechs Jahren lagen die langfristigen Projektionen im Mittel bei 4,25


Prozent und vor zwei Jahren noch bei 3,25 Prozent, wobei für die


anstehende März-Sitzung im Mittel ein Satz von 3 Prozent erwartet


wurde. Nun geht es um 1,75 Prozent - was viel über die Prognosegüte


der Notenbanker selbst aussagt.



So ist die Relevanz möglicher Änderungen in den Zinsprojektionen


der Fed wohl eher gering. Doch Marktakteure verhalten sich oft


pfadgläubig oder pfadabhängig. Änderungen an Projektionsspannen und


Zinserhöhungspfaden stellen Störungen dar, die sich dann in erhöhter


Volatilität niederschlagen.



Das wäre alles nicht weiter schlimm, gäbe es nicht drei Punkte,


die grundsätzliche Vorsicht ratsam erscheinen lassen: Erstens ist der


die Aktienhausse tragende Konjunkturaufschwung vor allem in den USA


in die Jahre gekommen. Zweitens führt die Fed derzeit ihr größtes


geldpolitisches Experiment der Geschichte - die quantitative


Lockerung - sehr langsam dem Ende zu, was für unerfahrene Akteure


Neuland bedeutet. Und drittens sitzt mit Donald Trump jemand an einer


zentralen Machtposition, der nicht im Verdacht der Pfadabhängigkeit


steht, sondern vielmehr - in gewisser Weise kreative - Zerstörung


bestehender Strukturen bevorzugt.



So ist es nicht unwahrscheinlich, dass die US-Notenbank zwar ihren


moderaten Zinserhöhungskurs auch unter Jerome Powell fortsetzt, dass


aber aus Sicht des Marktes bald andere kursbewegende Ereignisse


eintreten.



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