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20.11.17 20:57
dpa-AFX

Börsen-Zeitung: Vergeigt, Kommentar zur EBA von Bernd Wittkowski


Frankfurt (ots) - Helmut Kohl hat die Europäische Zentralbank


(EZB) nach Frankfurt geholt.

Angela Merkel schaffte es nicht einmal,


die EU-Partner für einen Umzug der vergleichsweise kleinen


Regulierungsinstanz European Banking Authority (EBA) von der Themse


an den Main zu gewinnen. "Germany: four points!" bedeutete das Aus


schon in der zweiten Runde des ESC (Europäischer Standort-Contest).


Der strahlende, im Finale freilich wie zuvor schon Amsterdam als Sitz


der Arzneimittelbehörde EMA erst per Los ermittelte Sieger heißt


Paris vor Dublin.



Wurde in Berlin vor lauter Sondierung übersehen, dass in Brüssel


eine wegen der von ihr auf internationale Finanzdienstleister und


deren Umfeld ausgehenden Symbol- und Sogwirkung höchst bedeutsame


Entscheidung anstand? Diese bis zum Schluss in die richtige Richtung


zu lenken, hätte den vollen Einsatz der Verantwortlichen erfordert.


Dass Frankfurt das Rennen geradezu abgeschlagen verlor, deutet auf


ein Versagen der Berliner Diplomatie hin. Denn "Bankfurt" wäre als


EBA-Standort die "logische Wahl" gewesen. Mit der Kampagne "Frankfurt


- the Natural Choice" hatte sich die Mainmetropole - natürlich nicht


dank eines Alleingangs von Kanzler Kohl, sondern getragen von einer


großen Koalition aus Politik in Bund, Land Hessen und Stadt


Frankfurt, Wirtschaft und anderen Interessengruppen - in den


neunziger Jahren gegen eine Vielzahl schwergewichtiger Mitbewerber


als Sitz der EZB durchgesetzt.



Als - nicht zuletzt dank seiner geld- und währungspolitischen


Rolle - kontinentaleuropäische Finanzhauptstadt beherbergt Frankfurt


heute neben der "doppelten", auch für Bankenaufsicht zuständigen EZB


und der Bundesbank Europas Versicherungsaufsicht EIOPA und den


Europäischen Ausschuss für Systemrisiken sowie Teile der nationalen


Finanzaufsicht BaFin. In diesem regulatorischen und aufsichtlichen


Kraftzentrum werden Synergien freigesetzt, wovon nicht nur dieser


Finanzplatz selbst profitiert, sondern das europäische Finanzsystem


als Ganzes. Hier wäre folglich auch die 2011 etablierte EBA, die nach


dem Brexit nicht am künftigen Offshore-Platz London bleiben kann,


perfekt aufgehoben gewesen. Die Konzentration der Behörden an einem


Standort hätte es vor allem auch leichter gemacht, eines hoffentlich


nicht allzu fernen Tages die interessenkonfliktträchtige Vermengung


geldpolitischer und aufsichtsrechtlicher Verantwortlichkeiten in der


EZB zu bereinigen.



Frankfurt hat ein Heimspiel verloren, das angesichts der


wirtschaftlichen Logik relativ leicht hätte gewonnen werden können.


Vergeigt hat es Berlin.



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