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22.02.19 20:31
dpa-AFX

Börsen-Zeitung: Überraschende Dax-Stärke, Marktkommentar von


Christopher Kalbhenn


Frankfurt (ots) - Unverhofft kommt oft.

Nach einem enttäuschenden


Jahr 2018 mit einem Minus von rund 18 Prozent hat der Dax in den


ersten acht Wochen des laufenden Jahres einen Auftakt nach Maß


hingelegt. Am Freitag kletterte der deutsche Standardwerteindex


erstmals seit Anfang Dezember 2018 über die Marke von 11.500 Zähler.


Damit hat er seit Jahresbeginn um 9 Prozent zugelegt, seit dem am 27.


Dezember erreichten Tief von 10.279 Punkten sogar 12 Prozent.



Die in ihrem Ausmaß überraschende Rally inmitten eines Umfelds,


das von zunehmenden Sorgen über die Aussichten für die Weltwirtschaft


und die Unternehmensgewinne geprägt ist, verdeutlicht, wie stark die


Aktienmärkte zuvor von dem Handelsdisput zwischen den USA und China


gehemmt worden waren. Es sind vor allem die sich immer mehr


verdichtenden Anzeichen dafür, dass sich die beiden größten


Volkswirtschaften auf einen "Deal" einigen werden, die die Rally


tragen. Hinzu kommt der Schwenk der amerikanischen Notenbank Fed hin


zu einer weniger restriktiven Linie, der die Sorgen abklingen ließ,


dass die Konjunktur durch zu viele Leitzinserhöhungen abgewürgt


werden könnte.



Allerdings haben sich die fundamentalen Daten in den


zurückliegenden Wochen verschlechtert. Die Prognosen für das globale


Wachstum sind weiter zurückgeschraubt worden, insbesondere für den


Euroraum und China. Hinzu kommt die alles andere als berauschende


Berichtssaison der Unternehmen, die gerade in Deutschland zu wünschen


übrig lässt.



Als Folge hat der Markt seine Erwartungen an das Gewinnwachstum


dieses Jahres deutlich zurückgeschraubt. Im Falle des aggregierten


Gewinns je Aktie des Dax ist die Konsensprognose seit Jahresbeginn um


rund 4,5 Prozent gesunken, seit Oktober sogar um nahezu 10 Prozent.


Wie lange und wie hoch kann der Aktienmarkt unter diesen


Voraussetzungen noch steigen, selbst wenn es zu einer Einigung im


Handelskonflikt und eventuell zu einer verträglichen Lösung auch für


den Brexit kommt?



Angesichts der gegensätzlichen Impulse verwundert es kaum, dass


Strategen diese Frage sehr unterschiedlich beantworten. Zu den


Optimisten zählt die Helaba. Ihrer Meinung nach weisen deutsche und


europäische Aktien auch nach dem Anstieg der zurückliegenden Woche


noch ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis auf. Das Institut, das


den Dax im zweiten und dritten Quartal bei 12.700 und 13.000 Zählern


erwartet, glaubt, dass der Schwenk der Fed bereits in den Kursen


enthalten ist, und betont, dass Aktienengagements derzeit auch eine


Wette auf einen positiven Ausgang der Handelsgespräche sind. Es geht


jedoch von einer in den nächsten Quartalen wieder anziehenden


Wachstums- und Gewinndynamik aus. Aktien liefen der


Wirtschaftsentwicklung erfahrungsgemäß rund ein halbes Jahr voraus


und entwickelten im Vorfeld konjunktureller Wendepunkte die höchste


Dynamik. Erste Anzeichen für eine Bodenbildung der konjunkturellen


Frühindikatoren habe zuletzt der dritte Anstieg der


ZEW-Erwartungskomponente in Folge geliefert. Bei den


Unternehmensgewinnschätzungen habe die Abwärtsdynamik zuletzt schon


etwas nachgelassen.



Ganz anders fällt die Lagebeurteilung der Commerzbank aus, die zum


Wochenschluss erklärte, wieder ins "Dax-Bärenlager" zurückgekehrt zu


sein. Das Institut hält den Aktienmarkt für ausgereizt und erwartet


eine Konsolidierung. Der Dax wird sich seiner Einschätzung nach in


den nächsten Monaten größtenteils in einer Bandbreite zwischen 10.200


und 11.400 Punkten bewegen. Viele Einflussfaktoren hätten sich seit


Oktober stark eingetrübt. Die Bank rät dazu, Kursgewinne nach einem


eventuellen Deal im Handelskonflikt zum Abbau von Positionen zu


nutzen.



Neben den deutlich gesunkenen Unternehmensgewinnerwartungen


verweist die Commerzbank auf abnehmenden monetären Rückenwind. Anders


als 2016 sei Chinas Notenbank bisher nicht in der Lage gewesen, das


Wachstum der Geldmenge M1 wieder abzuschieben. Die Autokäufe hätten


im Januar 16 Prozent unter Vorjahr gelegen, eine Schwächung, die nach


Meinung des Instituts bei 0 Prozent Geldmengenwachstum anhalten


könnte.



Ferner sei die flache US-Zinsstrukturkurve zu einem Bärenfaktor


für Aktien geworden und habe sich auch das Geldmengenwachstum in den


USA auf 2 Prozent abgeschwächt. Zudem verweist die Bank auf die


Anlegerstimmung. Der VDax sei von 25 auf 15 gefallen, und das


Verhältnis von Aktienverkauf- zu Aktienkaufoptionen sei in den USA


wieder von 1,2 auf 0,9 gesunken. Dieser frische Optimismus mahne zur


Vorsicht.



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