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14.11.18 20:31
dpa-AFX

Börsen-Zeitung: Nicht ganz so schrecklich, Kommentar zur deutschen


Wirtschaftsleistung von Alexandra Baude


Frankfurt (ots) - Alles ist schrecklich.

Zu diesem Schluss könnte


kommen, wer auf die schiere Zahl blickt: Die deutsche Wirtschaft ist


im dritten Quartal um 0,2 Prozent geschrumpft. Der Blick auf die


wenigen Details, die bereits bekannt sind, zeigt aber, dass alles


doch nicht ganz so schrecklich ist. An allen Ecken und Enden blitzen


Hoffnungsfunken.



Eine schrumpfende Wirtschaftsleistung gab es in der Historie


bereits, auch mit mehreren Rückgängen in Folge, so dass das


Rezessionskriterium erfüllt war. Und doch steht die Bundesrepublik


noch und sie steht nicht schlecht da. Als Wachstumslokomotive in


Europa hat es sich zwar vorerst ausgedampft und dies nicht erst seit


Mittwoch, doch lässt sich über die Wachstumsraten der vergangenen


Quartale nicht allzu sehr meckern.



Der private Konsum, bislang zuverlässige Wachstumsstütze, war


rückläufig. Und dies trotz eines anhaltend robusten Arbeitsmarktes


und immerhin leicht steigender Reallöhne. Auch wenn die Inflation,


die an den Kaufkraftgewinnen nagt, allmählich zurückkehrt - der


Konsument hat sich nicht verweigert. Er hat sich eher temporären


Faktoren geschlagen gegeben. Fix erledigt haben dürfte sich die


Kaufzurückhaltung bei Kfz, waren doch durch die


Zertifizierungsprobleme wegen des neuen Abgasemissionstestverfahrens


WLTP die Wunschkarossen oft nicht verfügbar. Statt irgendeinen


fahrbaren Untersatz zu ordern, wartet man gerade im autoverliebten


Deutschland aber lieber etwas länger auf den Traumboliden. Was sich


in der Masse eben negativ auf den privaten Konsum auswirkt.



WLTP ist auch das Stichwort für die nächsten Punkte: Industrie und


Exporte. Die gedrosselte Autoproduktion hat den gesamten Output


empfindlich belastet, was sich in andere Branchen durchgezogen hat.


Auch die anhaltenden Kapazitätsengpässe waren nicht eben hilfreich.


Was aber nicht produziert wird, kann auch nicht exportiert werden. Da


dank der kräftigen Binnennachfrage - die Investitionen in


Ausrüstungen und Bauten haben ebenso zugelegt wie der Staatskonsum -


die Importe gestiegen sind, während die Exporte rückläufig waren,


wirkt der Außenhandel dämpfend. Die Hauptbelastungsfaktoren sind


bekannt: Italien, Brexit und die Handelspolitik von US-Präsident


Donald Trump.



Als Lichtblick sollte gelten, dass sich zumindest die britischen


Unterhändler mit denen der EU geeinigt haben. Zudem laufen immerhin


die Gespräche aller am globalen Handelsstreit beteiligten Parteien.


Die Zeiten der Hochkonjunktur mögen vorbei sein, doch es gibt


Lichtblicke wohin man schaut - wenn man denn sehen möchte.



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