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15.08.18 20:31
dpa-AFX

Börsen-Zeitung: Ein Klumpen Risiko, Kommentar zur Bankenaufsicht von


Bernd Neubacher


Frankfurt (ots) - Erst Griechenland, dann Italien, nun die Türkei:


Es ist wieder die Zeit, in der man die Forderungen von Banken in


einem kriselnden Land zusammenrechnet, um zu ermitteln, von welchen


Instituten sich An- und Einleger lieber fernhalten sollten.


Angesichts des Verfalls der türkischen Lira staunten Beobachter


dieser Tage nicht schlecht: Da steht bei der spanischen Großbank BBVA


mal eben knapp das Doppelte des harten Kernkapitals am Bosporus im


Feuer; Unicredit ist dort mit 84 Prozent des Eigenkapitals am Start,


ING mischt mit 39 Prozent mit. Zwar zählt bei der Bewertung solcher


Exposures nicht nur das schiere Volumen, sondern auch die Frage nach


Sicherheiten, Laufzeiten und Risikogewichtungen. Dennoch dürfte klar


sein: Das Klumpenrisiko ist jeweils zu hoch oder aber das


Eigenkapital zu niedrig - in Spanien entfällt ohnehin rund ein


Viertel der "harten" Eigenmittel nicht auf gezeichnetes Kapital,


sondern auf in Steuergutschriften umgewandelte Verlustvorträge.



Die Lage in der Türkei ist nicht für jeden Marktakteur


überraschend eskaliert. Institute wie der Wiesbadener


Immobilienfinanzierer Aareal haben ihr Exposure dort schon vor Jahren


auf verdauliche Größen abgebaut. BBVA stockte ihren Anteil an der


Garanti Group, der zweitgrößten Bank des Landes, um zehn


Prozentpunkte auf fast 50 Prozent auf. Nun muss man nicht Sitz und


Stimme im Europäischen Ausschuss für Systemrisiken haben, um vor


einem Szenario Bammel zu bekommen, in dem die Türkei-Krise auf andere


Schwellenländer etwa in Lateinamerika übergreift. Denn in Südamerika


holt BBVA mehr Erträge herein als auf dem spanischen Heimatmarkt.


Wenn schon das Management des Instituts die Steuerung der


Klumpenrisiken nicht beherrscht, warum hat dann die Aufsicht nicht


beizeiten interveniert? Vermutlich geht man nicht ganz fehl in der


Annahme, dass die EZB angesichts der Türkei-Risiken derzeit


entsprechende Eigenkapitalzuschläge plant oder den Banken einen


geordneten Rückzug aus ihren Engagements am Bosporus nahelegt. Es


könnte bereits zu spät sein.



Tatsächlich sind das Management der Banken und die EZB nun ein


leichtes Ziel der Kritik, aber nicht das einzige. Wahr ist ebenso:


Regulierer, die es Kreditinstituten ermöglichen, gerade einmal 3


Prozent ihrer Bilanzsumme als Eigenkapital zu halten, dürfen sich


nicht beschweren, wenn eine Krise die Häuser rasch zu überfordern


droht. Allen teilweise berechtigten Beschwerden über Überregulierung


zum Trotz zeigen die Verwerfungen in der Türkei auch: Etliche Banken


haben nach wie vor zu wenig Eigenkapital.



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