Erweiterte Funktionen


OTS: Börsen-Zeitung / Börsen-Zeitung: Klare Ansagen der Fed, Marktkommentar ...




11.01.19 20:33
dpa-AFX

Börsen-Zeitung: Klare Ansagen der Fed, Marktkommentar von Kai


Johannsen


Frankfurt (ots) - Die Signale seitens der US-Zentralbank Fed in


Sachen künftiger Gangart in der Zinspolitik werden immer deutlicher.


Immer mehr zeichnet sich ab, dass die Marktteilnehmer nicht mehr


allzu viel bei den Zinserhöhungen zu erwarten haben und somit nun das


Ende der Fahnenstange in greifbare Nähe gerückt ist, wenn es nicht


schon erreicht ist. Dieser Tage kann man fast schon den Eindruck


gewinnen, dass die Fed es ein wenig eilig damit hat, ihre Geduld auf


dem Weg zu höheren Zinsen zu signalisieren.



Viele Teilnehmer des Offenmarktausschusses, der die Zinsbeschlüsse


fasst, sind laut dem in der abgelaufenen Woche vorgelegten Protokoll


der Meinung, dass die Fed nun Geduld bei der weiteren Zinsstraffung


aufbringen sollte. Das war zur Wochenmitte bereits ein klares Signal.


Am Donnerstag wurde die Ansage dann noch ein wenig deutlicher. Trotz


des Booms am US-Jobmarkt, auf diesen weisen Befürworter weiterer


Zinserhöhungen ja allzu gern hin, sieht nun auch Fed-Chef Jerome


Powell keinen Grund zur Eile bei weiteren Zinserhöhungen. Sein Haus


könnte in Anbetracht des geringen Inflationsdrucks durchaus geduldig


sein, erklärte er in Washington. Die Notenbank sei nicht auf zwei


Zinserhöhungen für dieses Jahr festgelegt, das sei kein Plan der Fed.


Zwei Erhöhungen für 2019 gelten derzeit als die Prognose der


Währungshüter.



Nur kurze Zeit später meldete sich dann James Bullard, Präsident


der Federal Reserve von St. Louis, zu Wort. Er wurde noch deutlicher


als Powell. Er bezeichnete den Zinsschritt vom Dezember bereits als


"überzogen". Er habe dagegen argumentiert. Bullard vertrat die


Ansicht, dass die Fed keine weiteren Zinserhöhungen mehr projizieren


sollte. Und schließlich findet Bullard auch, dass die US-Notenbank


mit Blick auf Zinsanhebungen "am Ende der Straße" angekommen sei. Die


Fed müsste seiner Meinung nach nun aufpassen, nicht zu aggressiv zu


werden und damit womöglich die Inversion der US-Zinskurve


herbeizuführen. Eine Inversion gilt als Signal für eine aufziehende


Rezession.



Das ist schon starker Tobak, der da aus der US-Zentralbank kommt.


Als die Fed mit ihren Zinserhöhungen vor gut drei Jahren im Dezember


2015 begann, prognostizierten viele Marktteilnehmer schon recht hohe


Zinsniveaus, wenn die Fed denn mal am Ende des Zyklus angekommen sein


sollte. Mitunter war von knapp unter 4 Prozent beim US-Leitzins (Fed


Funds) die Rede. Da war wohl oftmals der Wunsch Vater des Gedankens


nach Jahren des Null- und Negativzinses an den Märkten. Nach dem


Zinsschritt im Dezember 2018 ist die Fed mit der aktuellen Spanne


beim Zielsatz für US-Tagesgeld von derartigen Niveaus immer noch ein


gutes Stück entfernt. Vielleicht ist dieses Niveau auch der Endstand


des laufenden Zyklus, und die Marktteilnehmer sollten sich von


weiteren Steigerungen gänzlich verabschieden und damit eben auch von


den zwei für dieses Jahr erwarteten Anhebungen.



Denn von den Finanzmärkten, aber auch aus der Wirtschaft kommen


klare Signale, die die Fed vielleicht mit zu ihren klaren Ansagen


motiviert haben könnten. Die US-Industrie hat jüngst deutlich an


Schwungkraft verloren. Nach den guten Jahren - immerhin zehn an der


Zahl - könnten sich nun magere Jahre einstellen. Ein wenig Pulver hat


sich die Fed mit ihren Zinserhöhungen bereitgelegt, wenn sie der


Wirtschaft bei einem Abschwung, der sich immer mehr andeutet, wieder


stützend unter die Arme greifen muss. Ob dieses Niveau beim Leitzins,


das deutlich unter den Niveaus vergangener Zinszyklen liegt, dafür


ausreichend sein wird, muss sich dann erst noch herausstellen. Es


wird davon abhängig sein, wie tief und lang die Rezession in den USA


ausfallen wird.



Solche Signale in Richtung Rezession kommen aber nicht nur von der


Wirtschaft, sondern auch vom Bondmarkt. Dort ist die Kurve im Verlauf


des vergangenen Jahres immer stärker abgeflacht. Gegen Ende 2018 kam


es dann zur Inversion, allerdings bislang nur im kurz- bis


mittelfristigen Laufzeitenbereich. Das ist auch aktuell noch so: Am


Freitag der abgelaufenen Woche lagen die zweijährigen


Staatsanleiherenditen mit 2,55 Prozent über den fünfjährigen


Anleiherenditen. Ein großer Abstand zu den zehnjährigen Sätzen


besteht auch nicht mehr. Zehnjährige US-Staatsanleihepapiere


rentieren mit gut 2,7 Prozent - sie sind jüngst kräftig


zurückgefallen. Das ist auch bei der Fed alles nicht unbemerkt


geblieben, wie die jüngsten Äußerungen zeigen. Man sollte sich besser


darauf einstellen, dass die Fed die Wende nach unten vorbereitet.



OTS: Börsen-Zeitung


newsroom: http://www.presseportal.de/nr/30377


newsroom via RSS: http://www.presseportal.de/rss/pm_30377.rss2



Pressekontakt:


Börsen-Zeitung


Redaktion



Telefon: 069--2732-0


www.boersen-zeitung.de









 
 

Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.

RSS Feeds




Bitte warten...