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17.04.19 20:31
dpa-AFX

Börsen-Zeitung: Frühlingsstimmung, Kommentar zur chinesischen


Wirtschaft von Norbert Hellmann


Frankfurt (ots) - Chinas Wirtschaft hat im ersten Quartal ein


Wachstum von 6,4 Prozent hingelegt.

Das ist genauso viel wie im


vorangegangenen Quartal und genauso wenig wie auf dem Höhepunkt der


Finanzkrise - insgesamt also eher kein Grund zum Jubeln. An


asiatischen und westlichen Börsen zeigt man sich indes hoch erfreut,


denn es sieht nun ganz danach aus, dass die weltweit zweitgrößte


Volkswirtschaft dem zuletzt heftigen Abkühlungsdruck standzuhalten


vermag und die bislang von der Zentralregierung verabreichte


Stimulierungsmedizin ihre Wirkung entfaltet. Der chinesische Patient


befindet sich nun in stabiler Seitenlage, könnte man auch sagen.



Zwei wesentliche Risikofaktoren für die Weltwirtschaft in diesem


Jahr beginnen sich damit zu entschärfen: Chinas Wirtschaft als


besonders wichtige Kraft für die globale Konjunktur scheint trotz


einiger Kreislaufschwäche nicht zwangsläufig weiter zu erlahmen. Im


Handelskonflikt zwischen China und den USA wiederum gibt es zwar noch


keinen endgültigen Durchbruch, aber genügend Annäherungsmanöver, um


darauf zu hoffen, dass der für quälende Unsicherheit sorgende


Konflikt in einer Handelsvereinbarung anstatt einer weiteren


Eskalation der Strafzollsystematik mündet.



Die jüngsten Monatsdaten aus dem Reich der Mitte machen noch etwas


stutzig. Die Industrieproduktion ist mit 8,5 Prozent nach zuvor 5,3


Prozent so kräftig angezogen, dass man eher an einen Ausreißer als


ein Indiz für eine nachhaltige Dynamisierung im verarbeitenden


Gewerbe denken mag. Im Zweifelsfall haben saisonale Faktoren im


Zusammenhang mit dem auch als Frühlingsfest bezeichneten chinesischen


Neujahr und eine von handelspolitischen Fortschritten geprägte


Stimmungswende erst einmal nur einen kräftigen Ruck durch die


chinesische Industrie gehen lassen.



Für Skeptiker ist dies Anlass genug, vor einem Double Dip - also


einer nur kurz währenden Stabilisierung des Wachstums mit der


nächsten Delle im raschen Anschluss - zu warnen. Der Double Dip ist


allerdings ein Phänomen, das man von westlichen Industrieländern,


aber nicht von China kennt. Die staatlichen Wirtschaftslenkungskräfte


haben dies stets zu verhindern gewusst.



Auch gegenwärtig sieht es danach aus, dass die Stimuli, allen


voran ein kräftiger fiskalischer Impuls über ein gewaltiges


Steuerentlastungspaket, gerade erst begonnen haben, Wirkung zu


entfalten - und zwar sowohl in der Industrie als auch beim


Konsumenten. Es duftet damit eher nach einem konjunkturellen Frühling


in China als nach einem schon wieder einsetzenden Herbst.



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