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OTS: Börsen-Zeitung / Börsen-Zeitung: Friss oder stirb/Kommentar von Dietegen ...




17.05.18 21:17
dpa-AFX

Börsen-Zeitung: Friss oder stirb/Kommentar von Dietegen Müller über


die künftige Regulierung des Euro-Clearing


Frankfurt (ots) - Sind sich beide Seiten einig, kann alles


bleiben, wie es ist.

Gibt es aber Meinungsverschiedenheiten, holt die


eine Seite den Knüppel heraus, und nichts ist dann mehr wie vorher.


So lässt sich das umschreiben, worauf sich der Wirtschaftsausschuss


des EU-Parlaments in Sachen Aufsicht über Clearinghäuser und über


auf Euro lautende Zinskontrakte geeinigt hat. Stimmt dem der


Europäische Rat zu - was offen ist -, erhielte die Europäische


Marktaufsicht ESMA weitreichende Mitspracherechte über aus Sicht der


Union systemrelevante Clearinghäuser in Drittländern. Würden sich in


einer Stressphase des Marktes die nationalen Aufseher dieses


Drittstaates spezifischen Vorgaben der ESMA verweigern, könnte die


ESMA dem betroffenen Clearinghaus die Anerkennung entziehen - nach


dem Motto "Friss oder stirb!". Ein Entzug ist das Szenario, das


niemand im Ernstfall möchte. Im konkreten Fall sind die Protagonisten


auf Seite des Drittstaates - nach dem Brexit - die Bank of England


und das Londoner Clearinghaus LCH. Wie unterschiedlich sich der


Vorschlag der EU-Parlamentarier interpretieren lässt, zeigen die


britischen Reaktionen. Die einen halten dies für einen weicheren


Ansatz, weil nicht zwingend eine Verlagerung des Euro-Clearing


vorgesehen ist. Die anderen sehen eine Verschärfung, weil sich aus


EU-Sicht systemrelevante Clearinghäuser den Vorgaben der ESMA


unterwerfen müssen. Ein in Frankfurter Finanzkreisen gern genanntes


Beispiel wäre etwa die Höhe des Sicherheitsabschlags (Haircut) auf


europäische Staatsanleihen oder die zu hinterlegenden


Sicherheitsleistungen (Margin) für ebensolche. Insbesondere aus


europäischen Zentralbankkreisen wurde LCH vorgehalten, durch die


Anhebung von Margins auf Peripheriebonds und spanische Staatspapiere


in der Euro-Krise 2011/12 die Stabilität der Eurozone aufs Spiel


gesetzt zu haben. Ein solches Szenario soll nun gar nicht mehr erst


möglich werden. Auch soll verhindert werden, dass bei einer


Schieflage eines systemrelevanten Drittländer-Clearinghauses


EU-Steuerzahler letztlich für entstandene Ausfälle bei von der


Schieflage betroffenen EU-Banken geradestehen müssen. Die endgültige


Ausgestaltung dieses Rahmen dürfte vom Ergebnis der


Brexit-Verhandlungen abhängen. Für im Euro-Clearing aktive Banken ist


damit keine Rechtssicherheit gegeben, da die ESMA weitreichende


Spielräume erhält. Viele Institute dürften hier auf eine


Doppelstrategie setzen. Dies wird dem kleinen, aber wachsenden


Euro-Clearing-Geschäft der Deutschen Börse weiteren Zulauf bringen.



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